08. Dezember 2019 / 13:11 Uhr

1. FC Lok Leipzig gegen Hertha BSC II: Drei Aufreger am Freitag-Abend

1. FC Lok Leipzig gegen Hertha BSC II: Drei Aufreger am Freitag-Abend

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Tore, drei Punkte und drei Aufreger - es war viel los in Berlin. © Thomas Gorlt
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Bekannte Namen, Rassismus-Vorwurf und ein Trainer als Rumpelstilzchen.

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Mit hoher Laufbereitschaft, hart (und zumeist fair) geführten Zweikämpfen und großartiger Moral entführte der 1. FC Lok am Freitagabend im Spitzenspiel der Regionalliga Nordost drei Punkte aus der Hauptstadt, als Hertha BSC II trotz eines 0:1-Pausenrückstands noch mit 2:1 geschlagen werden konnte und ist jetzt hinter Energie Cottbus Tabellenzweiter. Abgesehen von den Toren gab es dabei drei weitere Aufreger.

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Lok Leipzig (in den gelben Dressen) kann das Spitzenspiel bei Hertha BSC II in der zweiten Halbzeit drehen und schlussendlich 2:1 gewinnen. Zur Galerie
Lok Leipzig (in den gelben Dressen) kann das Spitzenspiel bei Hertha BSC II in der zweiten Halbzeit drehen und schlussendlich 2:1 gewinnen. ©
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Der erste schon vorm Spiel: Gleich sieben Spieler aus dem Profikader standen in der Aufstellung der Hertha-Bubis. Während Florian Baak, Sidney Friede, Muhammed Kiprit und Dennis Jastrzembski (wurde eingewechselt) regelmäßig für die Hertha-Bubis auflaufen, waren diese drei Nominierungen eher ungewöhnlich: Peter Pekarik (179 BuLi-Spiele und 91 Länderspiele für die Slowakei), Alexander Esswein (190 BuLi-Spiele, früher U21-Nationalspieler) und Riesen-Talent Arne Maier (aktueller U21-Nationalspieler) – so viel geballte Bundesligapower ist in der Regionalliga selten. Alle drei sollten aufgrund geringer Einsatzzeiten (Pekarik, Esswein) beziehungsweise nach längerer Verletzungspause (Maier) Spielpraxis sammeln. „Es ist eine Herausforderung, die uns hoch motiviert“, sah Co-Trainer Rainer Lisiewicz vor Beginn die positiven Aspekte, während sein Kollege Nicky Adler in der Halbzeitpause eingestehen musste, dass gerade Maier, der vielfach als nächster Hertha-Nationalspieler gehandelt wird, mit seiner Präsenz, seinem Stellungsspiel und seinen Pässen in die Tiefe bis dato den Unterschied ausgemacht hatte: „Man sieht einfach, dass Maier hier nicht her gehört.“

„Rassismus hat bei uns keinen Platz!“

Ein zweiter Hertha-Spieler, der gerade Halbzeit eins äußerst auffällig agierte, war Jessic Ngankam. „Der ist so schnell, da hätte selbst Usain Bolt Probleme“, scherzte Lok-Angreifer Matthias Steinborn nach der Partie. Tatsächlich stellte Ngankam die Lok-Defensive einige Male vor große Probleme – so wie beim Führungstreffer in der 30. Minute, als er mit einem Sturmlauf auf der linken Außenbahn und einem klugen Pass nach innen das Tor von Samardzic großartig auflegte. Unschön: Direkt danach wurde der dunkelhäutige Ngankam wohl von einigen Anhängern aus dem Lok-Block mit Affenlauten bedacht, woraufhin Schiri Daniel Köppen das Spiel für einige Minuten unterbrach. Dabei soll dann auch das Wort „Affe“ in Richtung Ngankam gefallen sein – aus dem Mund eines Lok-Spielers. „Beleidigungen sind leider Alltag im Fußball, da kann ich auch einstecken. Aber rassistische Beleidigungen sind ein No-Go“, stellte der sichtlich getroffene 19-jährige gebürtige Berliner nach der Partie klar.

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„Einer sagt mal du Doofie, einer sagt mal Du Esel, einer sagt mal Du Affe – das muss ja gar nicht rassistisch gemeint sein“ wollte Hertha-Trainer „Zecke“ Neuendorf die vermeintliche Beleidigung Ngankams durch einen Lok-Spieler anschließend nicht zu hoch hängen. Wobei der Ex-Bundesligaprofi (198 Partien für Hertha und Leverkusen) eher noch in die Kiste mit den weniger schweren Beleidigungen griff, die beim Fußball mitunter auf dem Feld ausgetauscht werden. Für Aufreger Nummer drei sorgte im Übrigen Neuendorf selbst, als er in der zweiten Halbzeit mit Gelb-Rot vorzeitig den Spielfeldrand räumen musste. „Ich hätte mich wahrscheinlich selbst auch runter gestellt“, zeigte sich der Hertha-Coach nach der Partie einsichtig, „ich hatte mich da nicht mehr unter Kontrolle, war so ein kleines Rumpelstilzchen.“ Der Vorfall gegen Ngankam wurde im Übrigen wohl vom Schiedsrichter im Spielberichtsbogen vermerkt, Ermittlungen des NOFV werden folgen. Dem Vernehmen nach hat Lok sich direkt nach dem Spiel bei Ngankam entschuldigt, zudem stellte der Verein im Spielbericht auf seiner Homepage klar, dass Rassismus mit dem Selbstbild unvereinbar ist und schrieb dabei unter anderem: „Lediglich zwei Farben interessieren uns - Blau und Gelb. Rassismus hat bei uns keinen Platz!“ Carsten Muschalle

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