10. Mai 2020 / 21:06 Uhr

1. FC Lok Leipzig: Meister mit Demut

1. FC Lok Leipzig: Meister mit Demut

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
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Jubelt der 1. FC Lok bald in der 3. Liga? © Christian Modla
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Der Regionalligist gewinnt wohl am grünen Tisch die Nordost-Staffel. Doch auch beim 1. FC Lok weiß man, dass der Titel unter besonderen Umständen zu Stande käme.

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Leipzig. In Probstheida wird es wohl demnächst zu einer Meisterfeier der besonderen Art kommen – ohne Fans, ohne Emotionen und wohl nur mit leisem Sektkorkenknallen. Am Freitagabend berichtete der MDR, dass der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) die laufende Saison der Regionalliga Nordost nicht zu Ende spielen wird und der 1. FC Lok Leipzig durch den höchsten Punkteschnitt zum Meister gekürt werden soll, NOFV-Präsident Erwin Bugar verriet: „Wir gehen davon aus, dass die Saison zum 30. Juni auslaufen wird. Es gibt mehrere Szenarien, wir haben uns aber noch nicht festgelegt. Ein Szenario, was einen gewissen Charme hat und in anderen Fachverbänden Anwendung gefunden hat, ist die Quotientenregelung.“

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Der 1. FC Lok verspielt eine 2:0-Führung bei Altglienicke und holt mit einem 2:2 einen Punkt gegen den Tabellenführer. Zur Galerie
Der 1. FC Lok verspielt eine 2:0-Führung bei Altglienicke und holt mit einem 2:2 einen Punkt gegen den Tabellenführer. © Thomas Gorlt

Die Quotientenregelung, auch norwegisches Modell genannt, war und ist in aller (Sport-)Munde. Die Uefa empfahl die Anwendung, bei der die Anzahl der Punkte durch die absolvierten Partien geteilt wird, die Handballbundesliga oder die erste französische Fußballliga leisteten beispielsweise Folge und kürten so ihre Meister, nun kommt die Ost-Staffel der vierten Ligen.

„Das hat nichts mit Sport zu tun“

„Ich habe mit Hermann Winkler telefoniert, er hat mir die Worte von Bugar bestätigt“, berichtet Lok-Präsident Thomas Löwe von einem Wochenendplausch mit dem Präsidenten des Sächsischen Fußballverbands, der bestätigt, dass es diese Woche eine Videokonferenz mit dem NOFV und den Vereinsvertretern geben wird. Loks Aufstiegskonkurrenten VSG Altglienicke – aufgrund der annullierten Erfurt-Spiele mit einer Partie mehr als die Probstheidaer aktuell Tabellenführer – und Energie Cottbus wollen ein solches Ende nicht widerspruchslos hinnehmen.

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Der 1. FC Lok kämpft Energie Cottbus nieder, holt einen 3:2-Sieg gegen die Lausitzer. Zur Galerie
Der 1. FC Lok kämpft Energie Cottbus nieder, holt einen 3:2-Sieg gegen die Lausitzer. © Picture Point

„Bei Anwendung der Quotientenregel werden wir rechtliche Mittel prüfen. Das hat nichts mit Sport zu tun. Wir sind nicht bei der Mathe-Olympiade“, sagte VSG-Co-Trainer Torsten Mattuschka. Auch Energie-Präsident Matthias Auth sieht das ähnlich und sagte dem rbb, dass die Lausitzer „keine Entscheidung über den Meister am Grünen Tisch wollen“. Auch der ehemalige Bundesligist wolle „rechtliche Schritte prüfen“.

Versöhnug durch zweigleisige Liga Drei?

Daher sind aus dem Bruno-Plache-Stadion statt Jubelgesänge auch leisere Töne zu hören. „Ich kann verstehen, dass diese Entscheidung anderen Vereinen sehr wehtut. Daher nehmen wir es mit sehr viel Demut zur Kenntnis“, erklärt Löwe. Freuen werden sich die Blau-Gelben dennoch, die Vision „Dritte Liga 2020“ rückt in greifbare Nähe, durch einen Staffelsieg wäre nur noch die Hürde Relegationsspiele zu überwinden, dort würde aller Voraussicht nach der SC Verl lauern – sofern diese stattfinden können.

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„Es ist sehr schwierig für Regionalligisten, das Hygiene-Konzept für die Entscheidungsspiele, welches für die ersten beiden Ligen konzipiert wurde, umzusetzen“, bedauert ­Löwe, der jedoch verspricht: „Wenn es gefordert ist, werden wir uns der Herausforderung stellen.“ Eine Möglichkeit, bei der Altglienicke, Cottbus und Lok sich wieder in den Armen liegen würden, wäre die Reform zu einer zweigleisigen dritten Liga: Alle drei dürften eine Etage nach oben ziehen.