14. Dezember 2018 / 15:06 Uhr

1. FC Lok Leipzig: Ominöser Brief, schwere Vorwürfe, unklare Autorenschaft

1. FC Lok Leipzig: Ominöser Brief, schwere Vorwürfe, unklare Autorenschaft

Fabian Held
Leipziger Volkszeitung
Stadion mit Lok-Logo
In Probstheida rumort es. © Armin Kühne / André Kempner
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Ein Offener Brief sorgt für erhebliche Unruhe im Umfeld des Regionalligisten. Konkret geht es um Zweckentfremdung von Spenden, eine mögliche Liquiditätslücke von mehr als 400.000 Euro und schwierigen Umgang mit den Mitgliedern. Doch wer den Brief geschrieben hat, bleibt unklar. Eine Reaktion des Vereins steht nach wie vor aus.

Leipzig. "Wir lieben diesen Verein. Die Loksche begleitet uns seit Kindheitstagen. [...] Wir wünschen uns für den Verein nur das Beste. Seit langer Zeit sind wir in Sorge." So beginnt der ominöse Offene Brief aus dem Umfeld des 1. FC Lokomotive Leipzig, der weiter für Unruhe im Umfeld des Vereins sorgt. Denn noch ist völlig unklar, wer der Absender ist. Der Verein möchte am Montag zu den Vorwürfen Stellung beziehen, die in dem Schreiben von Montag gegen ihn erhoben werden.

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Die nächste Ziegenbalg-Attacke?

Vor allem der Autor und seine Intentionen mit diesem Brief sind aktuell sehr nebulös. Ohne Rechtschreibfehler und mit wirtschaftlichem Fachwissen geschrieben, erfordert so ein Schreiben mehr Bildung, als unter manchen Fischerhut in der Kurve passt. Insofern wurden immer wieder zwei mutmaßliche Autoren genannt: Der Wirtschaftsrat und Wolf-Rüdiger Ziegenbalg und dessen Umfeld.

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Mit beiden hat der SPORTBUZZER gesprochen. Knut Göbel, einer der Sprecher des Wirtschaftsrats und Sponsor des Clubs, macht deutlich: „Es war niemand von uns“. Da ihm gegenüber mehrfach dieser Verdacht geäußert wurde, habe er extra mit seinen Kollegen gesprochen.

Auch Ziegenbalg sagt, dass er mit dem Brief nichts zu tun hat. Er sei von Dresden aus eh weit weg und habe mit den rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Club zu tun. Es geht dabei um die aus Ziegenbalgs-Sicht ausstehenden Zahlungen aus einem Berater-Vertrag, sowie Diffamierungen und Beleidigungen gegen ihn aus dem Lok-Umfeld, sowie einer Fan-Seite im Internet.

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Liquiditätslücke von 215.000 bis 419.00 Euro?

Im Umfeld des Vereins heißt es: Wer bei der Mitgliederversammlung genau hingehört habe, für den seien die Anschuldigungen aus dem Brief logisch und nicht neu. Eben dieser Abend scheint die Autoren bewogen zu haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Was wir zur Mitgliederversammlung [...] gesehen haben, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Präsidium, Aufsichtsrat und Geschäftsführer haben erneut eine Chance vertan, die Vereinsmitglieder und treuen Unterstützer der Loksche [...] ehrlich und vollständig zur Situation im Club zu informieren. Das muss ein Ende haben!", heißt es im Brief.

In dem anonymen Schreiben werden schwere Vorwürfe erhoben. Dabei geht es vor allem um die wirtschaftliche Situation, die angespannter sei, als es der Vereine kommuniziere, so der Vorwurf. So habe zum Bilanzstichtag im Juni 2018 eine Liquiditätslücke zwischen 215.000 und 419.000 Euro bestanden. Weiterhin würde intransparent gearbeitet und das Geld aus den beiden Crowdfunding-Aktionen für Kunstrasen (rund 77.000 Euro) und Familien-Block (rund 110.000 Euro) sei zweckentfremdet worden, um die Bilanz zu schönen. Als ein Indiz dafür nennen die Autoren den immer wieder mit neuen Begründungen verschobenen Bau des Familienblocks. In diesem Zusammenhang sei bei der Polizei Leipzig eine Anzeige erstattet worden, da die Gesamtumstände nach über zwei Jahren untragbar seien und "dringend einer unabhängigen Prüfung" bedürfen. Auf SPORTBUZZER-Nachfrage teilte die Polizeidirektion Leipzig mit, die könne den Eingang einer Anzeige bis dato nicht bestätigen. Laut Sprecher Uwe Voigt sei es aber möglich, dass der Vorgang noch bei der Staatsanwaltschaft liege und bisher nicht weitergeleitet worden sei.

"Hingehalten, getrickst und verschleiert"

Die Kritik der Briefschreiber geht weiter. So seien die Mitglieder erst mit zweimonatiger Verzögerung über die Bestellung von Martin Mieth zum Geschäftsführer des Vereins in Kenntnis gesetzt worden. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass systematisch und bewusst hingehalten, getrickst und verschleiert wird. [...] Wir sind erschüttert. Gegenüber der Öffentlichkeit und der Presse müssen sicher nicht alle Vereinsinterna offen gelegt werden. Den Mitgliedern steht aber eine voll umfängliche und ehrliche Information zu."

Die Motivation hinter dem Schreiben ist indes völlig unklar: Geht es um einen Machtkampf innerhalb der Gremien? Sind es Lok-Anhänger, die mehr Mitsprache wollen? Oder Sponsoren, die unzufrieden mit dem sportlichen Abschneiden sind? Solange diese Hintergründe unklar sind, lassen sich die Vorwürfe nicht zur Gänze nachprüfen. Vielleicht kann der Verein am Montag Licht ins Dunkel bringen.

(mit ahr)

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