18. Oktober 2020 / 09:29 Uhr

1. FC Lokomotive Leipzig kommt wieder ins Rollen

1. FC Lokomotive Leipzig kommt wieder ins Rollen

Rainer Kelch
Leipziger Volkszeitung
Jubel nach dem Tor von Leon Heynke im Spiel 1. FC Lok – TeBe Berlin
Die Mannschaft von Lok Leipzig hat wieder Grund zum jubeln, auf und neben dem Platz. © Alexander Prautzsch
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Nachdem Einzug ins Sachsenpokal-Achtelfinale, konnte Lok Leipzig auch in der Liga einen sicheren 4:0-Sieg gegen TeBe einfahren. Zudem fand am vergangenen Donnerstag der Fan-Talk in der LVZ-Kuppel statt. Am Montag kommen dann Sportbürgermeister Heiko Rosenthal und Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes nach Probstheida, mit einem Förderbescheid über 1,6 Millionen Euro, welcher für eine Regenwasserzisterne und Entwässerungsanlage verwendet werden soll.

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Leipzig. Auf ein Drittel der vergangenen Saison hat Regionalligameister 1. FC Lok Leipzig seinen Spieleretat zurückgeschraubt, erklärte Präsident Thomas Löwe am vergangenen Donnerstag beim Fan-Talk in der LVZ-Kuppel. Nach dem verpassten Aufstieg hatten Löwe, Geschäftsführer Martin Mieth und die Kollegen aus Präsidium und Aufsichtsrat innerhalb kürzester Zeit bei alten und neuen Sponsoren und Gönnern um Vertrauen geworben.

„Wir haben 300 bis 400 Gespräche geführt, um das Profitum bei unserer Regionalligamannschaft erhalten zu können. Das Ergebnis ist absolut positiv. Zieht man die Summe ab, die bislang von ETL gezahlt wurde, hat der 1. FC Lok noch nie so viel Geld über Sponsoring eingenommen wie jetzt“, erklärte Löwe, um jedoch nachzuschieben: „Durch die Corona-Krise haben uns letztlich vor allem unsere Fans getragen und so die Einnahmeausfälle aufgefangen. Unsere finanzielle Lage ist nicht rosig, aber unter Kontrolle.“

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel zwischen Lok und Berlin

Der 1. FC Lok Leipzig konnte sich souverän mit 4:0 gegen den Regionalliga-Aufsteiger Tennis Borussia Berlin durchsetzen. Zur Galerie
Der 1. FC Lok Leipzig konnte sich souverän mit 4:0 gegen den Regionalliga-Aufsteiger Tennis Borussia Berlin durchsetzen. ©

Selbiges trifft auch mehr oder weniger auf den sportlichen Bereich zu. Hier hat es Coach und Sportdirektor Almedin Civa mit den viel geringeren Mitteln als bisher geschafft, eine ordentliche, junge und hungrige Mannschaft zusammenzustellen. „Ich bin ein Typ, der die Herausforderung sucht. Der Verein musste im Sommer kämpfen – das liegt mir, denn ich bin auch ein Kämpfer!“, so Civa im LVZ-Fantalk.

Kritik gegen Civa wurde laut

Der Start war holprig – die Niederlage im Pokal-Halbfinale in Eilenburg schmerzt Civa immer noch sehr –dann aber kam seine Truppe immer besser in Fahrt. Was (zu) oft fehlte war die Abgezocktheit, auch knappe Spiele für sich zu entscheiden – unnötige Punktverluste gegen Jena, Chemnitz und Rathenow waren die Folge. Die Grenzen aufgezeigt bekam Lok zuletzt in Berlin, als Vorjahres-Vize VSG Altglienicke die Leipziger regelrecht an die Wand nagelte, die Blau-Gelben mit der 0:5-Niederlage noch gut bedient waren.

Danach wurde im Lok-Fanlager einige Kritik an Civa laut, der jedoch damit umgehen kann. „Wenn es konstruktiv und fair ist, habe ich damit überhaupt kein Problem. Ich habe ein dickes Fell, kann das einschätzen“, erklärte Civa, „ich weiß, wie unser Plan ist und wo wir stehen. Das bringt mich nicht aus der Ruhe. Auf der anderen Seite ändert sich das auch nicht, wenn wir hoch gewonnen haben – dann denke ich ja auch nicht, dass ich demnächst Trainer bei Real Madrid werde.“

Trend zeigt wieder nach oben

Am Freitag wiederum zeigte Lok sein anderes Gesicht, dominierte Gegner Tennis Borussia Berlin von der ersten bis zur letzten Minute, hätte schon nach einer Viertelstunde mit vier Toren führen können. Dass es am Ende insgesamt „nur“ vier Tore waren, lag an der nicht gerade optimalen Chancenverwertung, was Civa auch am Donnerstag schon als wunden Punkt seines Teams ausgemacht hatte: „Wir machen und tun, kombinieren ordentlich und erspielen uns Chancen – aber vorm Tor sind wir noch nicht gut genug, nutzen zu wenige unserer vielen Möglichkeiten.“

Sinnbildlich dafür die 47. Minute: Edvardas Lucenka bedient den im Fünfmeterraum lauernden Djamal Ziane – doch der Lok-Torjäger ballert die Pille aus drei Metern ebenso weit übers Tor. „Ich dachte, ich bin im falschen Film, konnte es gar nicht glauben. Spiel mir zehn Bälle so hin und ich schaffe es nicht nochmal, einen davon so hoch drüber zu schießen“, nahm es Ziane nach der Partie schon wieder mit (schwarzem) Humor. Konnte er aber auch, weil er nur 30 Sekunden später einen ungleich schwierigeren Schuss zum zwischenzeitlichen 3:0 im Tor versenkte.

Der Trend zeigt wieder nach oben, nun will Lok am kommenden Sonntag nachlegen – dann geht es wiederum nach Berlin zum SV Lichtenberg 47. Und auch im Umfeld tun sich wieder positive Dinge: Am Montag kommen Sportbürgermeister Heiko Rosenthal und Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes nach Probstheida, mit einem Förderbescheid über 1,6 Millionen Euro, die 2021 für eine Regenwasserzisterne und Entwässerungsanlage verwendet werden soll. Nach einem schweren Sommer kommt die Lok langsam wieder ins Rollen – auf und neben dem Platz.