21. April 2020 / 07:15 Uhr

Lok Leipzigs Coach Wolf und die Wertung bei Saisonabbruch: "Objektivität wird überschätzt"

Lok Leipzigs Coach Wolf und die Wertung bei Saisonabbruch: "Objektivität wird überschätzt"

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
ARCHIV - 07.10.2019, Sachsen, Leipzig: Wolfgang Wolf, Sportdirektor beim Regionalligisten Lok Leipzig, sitzt auf der historischen Tribüne im Bruno-Plache-Stadion. (zu dpa ««Tod des Fußballs» - Lok Leipzigs Hürden auf den Weg in die 3. Liga») Foto: Jan Woitas/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wolfgang Wolf will mit dem 1. FC Lok aufsteigen. © dpa
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Wie es in der Regionalliga Nordost weitergeht, ist vom DFB und dessen Entscheidung über die dritte Liga abhängig. Lok Leipzigs Trainer Wolfgang Wolf rechnet jedoch in jedem Fall mit einem Aufstieg der Probstheidaer.

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Leipzig. Nächste Saison, da ist sich Wolfgang Wolf sicher, wird der 1. FC Lokomotive Leipzig nicht mehr mit der ungeliebten Pleiteliga Regionalliga Nordost vorlieb nehmen müssen, sondern ist in die langersehnte 3. Etage des deutschen Profifußballs eingezogen. „Davon gehe ich aus – entweder sportlich oder anders“, erklärt der Sportdirektor und Trainer der Probstheidaer dem SPORTBUZZER selbstbewusst.

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„Anders“ heißt in diesem Falle „am grünen Tisch“. Konzepte und Ideen zu Saisonfortsetzungen, -abbrüchen und -annullierungen werden viele genannt oder gefordert, eine Strategie für die dritte Liga und die darunter liegenden Regionalligen ist jedoch noch nicht ersichtlich. Hauptsache einheitlich, ist Wolfs erste Forderung. „Es muss eine Regelung her, bei der alle Verbände im Gleichschritt sind. Der eine spielt durch, der andere bricht ab und macht Urlaub bis zum 30. August, das funktioniert nicht.“

Nicht allen Recht machen können

Die zweite Forderung des 62-Jährigen lautet: „Entweder die Saison wird abgebrochen und der Punkteschnitt gewertet oder wir spielen ohne Zuschauer alles zu Ende.“ Der Pfälzer würde am liebsten die Saison auf dem Platz vor leeren Rängen über die Zielgerade bringen, hat jedoch nur wenig Hoffnung: „Bis jetzt sehe ich das nicht.“ Daher verlangt er das „norwegische Modell“, bei dem mit Hilfe des Quotienten aus Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele die Tabelle errechnet wird. Es erübrigt sich fast, zu sagen, dass Lok durch den höchsten Punktschnitt die Tabellenführung übernehmen würde.

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Objektivität wird überschätzt: Die Vereinsvertreter, die sich ihre Telefone gegenseitig heiß klingeln, sind in einem Interessenskonflikt. Die VSG Altglienicke ist zurzeit Erster, war Herbstmeister, möchte selbstverständlich nur die Hinrunde werten lassen. „Man wird es nicht allen Recht machen“, hat Wolf zwar Verständnis; wiederholt aber: „Das norwegische Modell wurde in fast allen Ligen gehandhabt, es ist einfach die fairste Lösung.“

Zweigleisige Dritte Liga?

Eine andere Variante, in der Lok ohne weiteres sportliches Zutun aufsteigen dürfte und die Wolf begrüßen würde, wäre eine zweigleisige Dritte Liga. Dies schlägt ein anonymer Drittligist in einem beim DFB eingereichten Konzept vor. Nach dessen Modell würde Liga drei, wie bereits Anfang des Jahrtausends, in eine Nord- und eine Südstaffel eingeteilt werden und die bestehenden 20 Teams würden auf 40 aufgestockt werden. Um die nun lange und leere Vereinsliste zu füllen, dürfte jede Regionalliga seine vier bestplatzierten Mannschaften hoch schicken – Lok wäre mit VSG Altglienicke, Energie Cottbus und Union Fürstenwalde aufgestiegen.

Abhängig ist die Entscheidung vom weiteren Verfahren des Deutschen Fußballbund (DFB) mit der laufenden Drittligasaison. Während acht Vereine, darunter die abstiegsgefährdeten FSV Zwickau, Carl Zeiss Jena, der Hallesche FC und der FC Magdeburg, per Schreiben an den DFB einen Saisonabbruch fordern, soll mehr als ein Dutzend Ligavertreter für Weiterspielen plädieren. Laut Sport1 wird am Dienstag der „Ausschuss 3. Liga“ allen Vereinen in einer PowerPoint aufzeigen, welche umfänglichen Folgen ein Saisonabbruch hätte. Anschließend soll ein schriftliches Votum bei der Ausfädelung des Wollknäuels behilflich sein, ein finales Ergebnis wird es jedoch noch nicht geben.