19. September 2021 / 17:06 Uhr

1. FC Phönix Lübeck dreht Spiel und gewinnt 4:2 bei Altona 93

1. FC Phönix Lübeck dreht Spiel und gewinnt 4:2 bei Altona 93

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Nach dem spät erkämpften Sieg bei Altona 93 feiern die Spieler von Phönix Lübeck sich selbst.
Nach dem spät erkämpften Sieg bei Altona 93 feiern die Spieler von Phönix Lübeck sich selbst. © Volker A. Giering
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Mit einer fulminanten Aufholjagd dank eines absoluten Traumtors behalten die "Adlerträger" im Duell mit Liga-Schlusslicht Altona 93 am Ende die Oberhand.

Das war nichts für schwache Nerven. Der 1. FC Phönix Lübeck gewinnt nach einem 1:2-Rückstand am Ende noch verdient mit 4:2 bei Regionalliga-Schlusslicht Altona 93 und verbessert sich auf den siebten Tabellenplatz. „Das war ein unfassbar wichtiger Sieg“, sagte Torwart Kevin Tittel vor dem kollektiven Jubel nach dem Kellerduell.

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Phönix-Leistungsträger Graudenz muss passen

Die Erleichterung war den Lübeckern anzumerken. In der Kabine lief laute Partymusik. „Mama Laudaaa“ dröhnte aus den Boxen, die Spieler tanzten ausgelassen. Trainer Daniel Safadi wirbelte seine Mannschaft zwei Wochen nach dem letzten Punktspiel beim FC St. Pauli II (1:3) ordentlich durcheinander. Gleich auf vier Positionen nahm der 40-Jährige eine personelle Veränderung vor. Nicht zur Verfügung stand Mittelfeldabräumer Fabian Graudenz, der sich tags zuvor im Abschlusstraining einen Pferdekuss zuzog. „Wir haben alles versucht. Es geht nicht“, sagte Sportdirektor Frank Salomon den LN vor dem Spiel.

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Erfolgreiches Debüt für niederländischen Neuzugang bei Phönix Lübeck

Sein Startelfdebüt feierte der kurzfristig verpflichtete Niederländer Christophe van Zutphen in der Innenverteidigung neben Dustin Thiel. Sean Vinberg war nicht im Kader. Der Abwehrspieler fiel der U23-Regelung zum Opfer. „Das Spiel ist sehr wichtig und richtungsweisend. Auch im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben gegen Weiche Flensburg und VfB Lübeck“, erklärte Salomon. In der ersten Halbzeit agierten die Lübecker viel zu passiv. Kapitän Fischer & Co. standen zu tief. „Im Nachhinein vielleicht die falsche Ausrichtung“, resümierte Safadi.


Kevin Hübners Doppelsalto ist zurück

Durchatmen hieß es, als der Hamburger Kapitän Dennis Rosin aus 16 Metern die Latte traf (6.). Die anschließende 1:0-Führung durch Kevin Hübner (14.) aus 17 Metern ins linke Eck nach Vorlage vom Dänen Morten Knudsen fiel aus dem Nichts. Dem Ex-Eutiner war es egal und feierte seinen zweiten Saisontreffer mit seinem Markenzeichen, einem doppelten Salto. Die Freude bei den Lübeckern wahrte aber nicht lange. Auf der anderen Seite bekam die Abwehr den Ball nach einem Freistoß von Dennis Rosin aus dem Sechzehner nicht geklärt. Der ehemalige Eicheder Eudel Monteiro (18.) behielt die Übersicht und schob aus kurzer Distanz ein.

Tittel ahnt die Ecke beim Strafstoß

Die Gastgeber taten vor 650 Zuschauern an der ausverkauften Adolf-Jäger-Kampfbahn mehr für das Spiel. Tittel musste seine ganze Klasse gegen Ole Wohlers (25.) zeigen, ehe Stürmer Haris Hyseni an Altonas Torhüter Jasin Jashari scheiterte (25.). In der 35. Minute zeigte Schiedsrichter Jost Steenken auf den Elfmeterpunkt – nach einem ungestümen Schubser von Yassine Bouchama an Peer Mahncke. „Den hält Tittel“, sagte Phönix-Fan Michael Howe auf der Tribüne. Der Schlussmann war zwar mit der rechten Hand dran, konnte den strammen Strafstoß von Kapitän Dennis Rosin (35.) zur nicht unverdienten 2:1-Halbzeitführung nicht verhindern.

Traumtor von Kobert läutet Phönix Lübecks Aufholjagd ein

Safadi reagierte und brachte im zweiten Durchgang Kubilay Büyükdemir für den Gelb-Rot gefährdeten Hübner. „Kubi“, der von 2019 bis 2020 bei Altona (19 Spiele) kickte, hatte auch gleich den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber nach Knudsen-Vorarbeit an Jashari (56.). Die Adler stemmten sich gegen die drohende Pleite und investierten jetzt mehr. Es fehlte entweder der letzte Pass oder das notwendige Quäntchen Glück wie bei Hyseni (62.). Kurz zuvor brachte Safadi mit Michael Kobert einen zweiten Angreifer. Diese Einwechselung sollte sich auszahlen. Nach einem Freistoß nahm Kobert den Ball gekonnt mit der Brust an und erzielte mit einem Fallrückzieher ins rechte Eck den verdienten 2:2-Ausgleich (78.) – ein Traumtor mit dem rechten Fuß. Die Hamburger forderten indes Strafstoß nach einem Zweikampf von Dustin Thiel gegen Rosin (80). Es kam noch besser aus Lübecker Sicht: Hyseni (87.) nahm sich ein Herz und knallte die Kugel wuchtig ins Netz – Spiel gedreht! Den Schlusspunkt unter einer furiosen und tollen Aufholjagd setzte Knudsen (90.) mit einem Gewaltschuss aus 16 Metern zum 4:2. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

„Altona hat erste Halbzeit über Limit gespielt. Es war klar, dass sie das Tempo nicht halten können“, strahlte Salomon. „In der Halbzeit haben wir darauf hingewiesen, dass wir die Punkte nicht spielerisch holen werden. Das hat die Mannschaft zweite Halbzeit perfekt umgesetzt.“

Statistik zum Spiel:

Altona 93: Jashari – Mundhenk, Mahncke, Wallenborn, Monteiro – Gumpert (60. Wachowski) – Gohoua, Feka, Rosin, Wohlers (69. Krottke) – Akyol (83. Abdullatif)

Phönix Lübeck: Tittel – Gnerlich (73. Ibraimo), van Zutphen, Thiel, Fischer – Knudsen, Kwame – Budimbu (73. Iraqi) , Bouchama (60. Kobert), Hübner (46. Büyükdemir) – Hyseni

SR.: Jost Steenken (SV Vorwärts Nordhorn). Zs.: 650 (ausverkauft). Tore: 0:1 Hübner (14.), 1:1 Monteiro (18.), 2:1 Rosin (FE, 35.), 2:2 Kobert (78.), 2:3 Hyseni (87.), 2:4 Knudsen (90.). Gelbe Karten: Gohoua – Kwame, Gnerlich, Hübner