05. Januar 2020 / 22:26 Uhr

1. FC Phönix Lübeck verteidigt Titel beim 7. Redetzki-Cup - Unfall überschattet das Hallenturnier

1. FC Phönix Lübeck verteidigt Titel beim 7. Redetzki-Cup - Unfall überschattet das Hallenturnier

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Neu-Adler Maurice Maletzki (l.) gegen Til Weidemann vom VfB Lübeck II.
Neu-"Adler" Maurice Maletzki (l.) gegen Til Weidemann vom VfB Lübeck II. © 54°/Garve
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Das Sportliche gerät kurz vor Schluss in den Hintergrund - 1100 Besucher verlassen Hansehalle vorzeitig

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Unschönes Ende eines gut organisierten Turniers: Es lief gerade die Siegerehrung bei der siebten Auflage des Martin-Redetzki-Gedächtnis-Cups in der Lübecker Hansehalle, als eine Frau von der Tribüne mit dem Kopf knapp drei Meter tief auf den harten Hallenboden stürzte. Entsetzen bei den Zuschauern und den teilnehmenden Teams. Zwei Krankenwagen kamen, sieben Sanitäter leisteten Erste Hilfe, ehe später auch noch die Polizei eintraf. Mit-Organisator Boris Hoffmann brach die Veranstaltung nach dem tragischen Unfall sofort ab, sagte mit betroffener Stimme, es gäbe wichtigeres im Leben, und schickte die Mannschaften zum Duschen und bat die Zuschauer, die Halle ruhig zu verlassen. „Das ist der absolute Horror“, so Hoffmann.

7. Martin-Redetzki-Gedächtnis-Cup: Bilder aus der Hansehalle

Adlerträger Marcello Meyer geht an Lübecks Samet Demircan vorbei.  Zur Galerie
"Adlerträger" Marcello Meyer geht an Lübecks Samet Demircan vorbei.  ©
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Zum Sportlichen: Der 1. FC Phönix Lübeck verteidigte seinen Vorjahrestitel vor rund 1100 Zuschauern dank eines 5:3 im Neunmeterschießen im Finale gegen Oberliga-Konkurrent SV Eichede, der erstmals am MRG-Cup teilgenommen hatte. Torjäger Marco Pajonk sicherte den „Adlerträgern“ als letzter Neunmeterschütze den verdienten Cupsieg und die Siegprämie von 350 Euro plus einen Teamgutschein für die Holstein-Therme. Beide Teams zeigten den besten Fußball und stimmten sich auf das bevorstehende Hallenmasters am kommenden Sonnabend (11. Januar) in Kiel ein.

Und was machte der VfB Lübeck (II)?, der dritte Teilnehmer beim Masters. Das Abschneiden der Grün-Weißen war einfach enttäuschend und absolut desolat – noch schlechter als eine Woche zuvor beim Confima-Cup. Die junge VfB-Auswahl, die durch die Regionalliga-Spieler Corvin Bock und Torwart Malte Schuchardt verstärkt wurde, blieb in den vier Gruppenspielen sieglos und wurde in der Gruppe A sogar Letzter (zwei Punkte, 10:14 Tore). Mit dem Auftritt im ersten Spiel gegen den Stadtrivalen Phönix Lübeck war VfB-Co-Trainer Nils Kjär, der Cheftrainer Serkan Rinal (Türkei-Urlaub) vertrat, noch einigermaßen einverstanden. Die Fans sahen beim fulminanten 7:4-Kantersieg der „Adlerträger“ das mit Abstand beste und temporeichste Spiel des Events. Ansonsten war das Niveau eher mäßig. Beim Masters treffen beide Mannschaften erneut in der Vorrunde aufeinander.

Dabei lagen die Grün-Weißen schon mit 2:0 dank der Treffer von Ramacan „Rambo“ Acer und Alper Gürsoy vorne. Doch die Phönixer drehten das brisante Duell. Einen perfekten Einstand feierte Winter-Neuzugang Maurice Maletzki (28, TSV Havelse), der gegen seinen früheren Klub (2015 bis 2017) gleich zweifach erfolgreich war und mit insgesamt fünf Treffern einen maßgeblichen Anteil am Cuperfolg hatte. „Ich bin zufrieden für das erste Mal“, meinte „Mo“ zu den LN. Die weiteren Phönix-Treffer erzielten Pajonk, Noor Al-Tamemy (beide 2) und Marcus Steinwarth. Lediglich Til Weidemann und Bock konnten zwischenzeitlich verkürzen. „Das erste Spiel sah noch gut aus. Die Leistung war akzeptabel. Wir haben aber zu viele Fehler gemacht. Für die Zuschauer war das ein ansehnliches Spiel“, resümierte ein verärgerter Kjär und fand deutliche Worte für die folgenden schwachen Leistungen der Grün-Weißen gegen die Verbandsligisten SC Rapid Lübeck (2:2) und Sereetzer SV (3:4) sowie Landesligist TSV Travemünde (1:1).

„Von der Disziplin war das gar nichts. Obwohl wir das im Vorwege eingefordert haben. Die Vorgaben wurden schlichtweg nicht eingehalten. Die Spieler beschäftigen sich mit zu vielen anderen Dingen, zum Beispiel mit dem Schiedsrichter. Das ist enttäuschend. Die Jungs wissen, was sie falsch gemacht haben. Im Hinblick auf das Hallenmasters am kommenden Sonnabend in Kiel erwarten wir nun eine Riesensteigerung. Das Masters in ein Bonbon. Das Problem ist, dass wir kein Tempo haben, zu viele Fehler machen und defensiv wie offensiv zu inkonsequent sind. Ich hoffe, dass sich jeder Spieler an die eigene Nase fasst“, analysierte Kjär die misslungene Generalprobe weiter. Man darf gespannt sein, ob Bock & Co. in Kiel tatsächlich ein anderes Gesicht zeigen werden...

Die Phönixer dagegen fahren mit breiter Brust in die Landeshauptstadt und ließen auch beim 4:1 gegen Sereetz (Tore von Maletzki, Connor Gnerlich, Marcello Meyer und Pajonk), 5:1 gegen Travemünde (Pajonk, Al-Tamemy (2), Steinwarth und Ilyaas Mirroche) und 3:0 gegen SC Rapid (Gnerlich, Al-Tamemy und Mirroche) nichts anbrennen und zogen somit souverän als ungeschlagener Gruppensieger (12 Punkte, 19:6 Tore) vor Vorjahres-Überraschungsfinalist SC Rapid (sieben Punkte, 4:5 Tore) ins Halbfinale ein. In der anderen Gruppen waren die Eicheder das Maß aller Dinge und blieben nach Siegen gegen Dornbreite (6:2), Pansdorf (3:1), Eichholzer SV (2:0) und Lübecker SC 99 (7:0) ebenfalls makellos und beenden die Vorrunde ebenfalls mit der maximalen Ausbeute von 12 Punkten und einem stolzen Torverhältnis von 18:3. Zweiter wurde der FC Dornbreite (sieben Punkte, 11:11 Tore). Zunächst hatte es gut für den Eichholzer SV ausgesehen. Kapitän Jannik Gerlach & Co. galten als Geheimfavorit. Doch ging das Team von Trainer Sebastian Wenchel nach zwei Siegen zum Auftakt die Luft aus. Am Ende wurde der ESV Gruppendritter.

Im ersten Halbfinale machte Phönix Lübeck kurzen Prozess mit Dornbreite. Nach Toren von Gnerlich, Pajonk, Maletzki und „Cello“ Meyer (beide 2) stand es 6:0. Mehr strecken musste sich Eichede beim knappen 1:0 gegen den SC Rapid. Abwehrspieler Gerrit Schubring erlöste die Stormarner eine Minute vor Schluss. Im anschließenden Spiel um Platz drei (wurde im Neunmeterschießen ausgetragen) avancierte FCD-Torwart Erik Karlberg zum Matchwinner, der alle drei Neunmeter vom Gegner hielt – Endstand 3:0. Das furiose Finale war nichts für schwachen Nerven. Marco Heskamp brachte Eichede in Führung, ehe Pajonk ausgleichen konnte. Auf die abermalige Führung durch Bennet Zaske wusste dann „Cello“ Meyer die richtige Antwort – Endstand 2:2 nach regulärer Spielzeit von 12 Minuten. Es musste also das Neunmeterschießen entscheiden. „Cello“ Meyer fing an und traf. Beim Confima-Cup waren ihm noch die Nerven versagt. Danach schoss Eichedes Christian Peters über das Tor. Steinwarth erhöhte, ehe SVE-Kapitän Sascha Steinfeldt ins rechte Eck erfolgreich war. „Ping-Pong-Pajonk“ machte schließlich alles klar und entschied sich für die gleiche Ecke.

„Das war eine sehr gute Vorstellung von uns. Wir haben verdient gewonnen, auch wenn es Eichede uns schwer gemacht hat“, zog Phönix-Trainer Daniel Safadi als Fazit. „Nun freuen wir uns auf das Hallenmasters. Alle haben Lust darauf. In Kiel darf es gerne so weitergehen.“ Danach folgte die Siegerehrung, die aber nach der Auszeichnung vom Dornbreiter Alexander Lening als besten Torschützen (neun Treffer) kurz nach 19 Uhr aus besagten Grund abgebrochen wurde. Die verunglückte Frau wurde stabilisiert und mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus geliefert. Die Ehrung wurde später im kleinen Kreis nachgeholt. Auf Siegerfotos wurde verständlicherweise verzichtet. Alle Beteiligten waren geschockt und wünschten der verunglückten Frau gute Besserung. Nachrichtlich: Als bester Spieler wurde Ugur Dagli (SV Eichede) ausgezeichnet. Der Stürmer erzielte fünf Treffer. Bester Torwart wurde der wiedergenesene Yilmaz Caglar vom Cupsieger 1. FC Phönix Lübeck.

Tabellen nach der Vorrunde:

Gruppe A       *Punkte           Tore*

1. 1. FC Phönix Lübeck          12                   19:6    

2. SC Rapid Lübeck                 7                    4:5

3. TSV Travemünde                4                    6:7

4. Sereetzer SV                       3                    5:12

5. VfB Lübeck (II)                    2                   10:14

Gruppe B                               Punkte           Tore

1. SV Eichede                         12                   18:3

2. FC Dornbreite                     7                   11:11

3. Eichholzer SV                      6                    6:7

4. TSV Pansdorf                      3                    4:9

5. Lübecker SC 99                   1                    2:11

Halbfinale:

1. FC Phönix Lübeck – FC Dornbreite 6:0

SC Rapid Lübeck – SV Eichede 0:1

Spiel um Platz 3:

FC Dornbreite – SC Rapid Lübeck 3:0 n.N.

Finale:

1. FC Phönix Lübeck – SV Eichede 5:3 n.N. (2:2 nach regulärer Spielzeit)

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