09. Juni 2020 / 06:18 Uhr

Mit Trainer Lukas Kwasniok als "Sektenführer": 1. FC Saarbrücken träumt im DFB-Pokal vom Final-Coup

Mit Trainer Lukas Kwasniok als "Sektenführer": 1. FC Saarbrücken träumt im DFB-Pokal vom Final-Coup

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Lukas Kwasniok vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken freut sich auf das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bundesligist Bayer Leverkusen - gelingt sogar der Final-Coup?
Trainer Lukas Kwasniok vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken freut sich auf das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bundesligist Bayer Leverkusen - gelingt sogar der Final-Coup? © imago images/Jan Huebner/Sven Simon (Montage)
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Der 1. FC Saarbrücken steht als erster Viertligist der DFB-Pokal-Geschichte im Halbfinale. Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Voraussetzungen für den Regionalliga-Klub vor dem Jahrhundert-Spiel gegen Bayer Leverkusen aber deutlich erschwert.

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"Jede Widrigkeit trägt den Keim eines noch größeren Vorteils in sich." Dieses Zitat verwendet Lukas Kwasniok gern. Es kommt vom US-Schriftsteller Napoleon Hill – und könnte vor dem DFB-Pokal-Halbfinale des 1. FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen am Dienstag (20.45 Uhr, ARD und Sky) nicht treffender sein. Der Trainer des saarländischen Regionalligisten beruft sich gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Krise und vor dem ungleichen Duell, gern auf dieses Motto.

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Die Worte, mit denen Kwasniok seine Rolle vor dieser Partie beschreibt, sind eindringlich. "Seitdem wir uns auf das Halbfinale vorbereiten, bin ich quasi mehr Sektenführer als Fußballtrainer. Ich muss den Glauben daran entfachen, dass wir eine sportgeschichtliche Sensation schaffen können", sagt der 39-Jährige.

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Das Bundesliga-Gründungsmitglied hat es als erster Viertligist in der Geschichte in die Vorschlussrunde des DFB-Pokals geschafft. Doch weil Corona den unterklassigen Fußball hart getroffen hat, sind die Unterschiede zwischen dem Außenseiter und dem Favoriten noch gewachsen. Leverkusen hat bereits fünf Bundesliga-Partien seit dem Restart absolviert. Ein Spiel gab es in der Regionalliga Südwest seit dem 12. März nicht mehr. Ende Mai erklärte der Ligaverband die Saison für beendet, der Tabellenführer aus Saarbrücken stand damit als Aufsteiger in die 3. Liga fest.

Der Aufstieg war das Ziel

Das war stets das Ziel des Klubs in dieser Spielzeit. "Dieses haben wir nicht so geschafft, wie wir das wollten, und zwar auf dem Platz", sagt Geschäftsführer David Fischer. "Doch das Selbstvertrauen, das die Spieler daraus ziehen können, ist gleich."


Diesen Effekt will Trainer Kwasniok nutzen – und der fehlende Spielbetrieb ist aus seiner Sicht durchaus nützlich. "Wir treten nicht unter der Woche zwischen zwei Ligaspielen an, sondern sind ausgeruht und legen alles darauf aus, ins Pokal-Finale einzuziehen", sagt er. Ähnlich sieht das Saarbrückens Mittelfeldspieler Kianz Froese. "Die Liga hatte immer Priorität. Nun können wir uns voll auf dieses eine Spiel konzentrieren", sagt er.

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Besonders schwer wird die Aufgabe dennoch: kein Spielbetrieb seit drei Monaten, kein gewohnter Rhythmus – und auch kein Publikum in der aktuellen Heimstätte des FCS in Völklingen. "Die 6800 Zuschauer haben bisher in jedem Spiel für einen Hexenkessel gesorgt", erinnert sich Klub-Boss Fischer. Und Coach Kwasniok meint: "Die Fans fehlen. Bislang haben wir immer zwölf gegen elf gespielt, nun müssen wir im Elf-gegen-elf bestehen."

Die Geisterkulisse und ihre Folgen

Die Geisterkulisse beim Jahrtausendspiel hat für Saarbrücken neben der emotionalen auch eine wirtschaftliche Komponente. "Die fehlenden Ticketing-Einnahmen sind im Vergleich zu den Einnahmen aus dem Halbfinaleinzug nur ein Randaspekt. Klar ist aber: Jeder Euro ist wichtig", meint Geschäftsführer Fischer.

Beim künftigen Drittligisten dreht sich schon viel um die nächste Saison. Der bis jetzt gelungene Pokal-Coup ist "gut für unsere wirtschaftliche Gesamtsituation", sagt Fischer. "Das ändert aber nichts daran, dass es für die kommende Saison eine gewisse planerische Unsicherheit gibt."

Pokalwunder: Die größten Sensationen der DFB-Pokal-Geschichte

Der Berliner AK fegt Hoffenheim im Jahr 2012 mit 4:0 vom Platz, Vestenbergsgreuth besiegt 1994 den deutschen Meister FC Bayern um Torwart Oliver Kahn mit 1:0. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die größten Sensationen in der Geschichte des DFB-Pokals. Zur Galerie
Der Berliner AK fegt Hoffenheim im Jahr 2012 mit 4:0 vom Platz, Vestenbergsgreuth besiegt 1994 den deutschen Meister FC Bayern um Torwart Oliver Kahn mit 1:0. Der SPORTBUZZER zeigt die größten Sensationen in der Geschichte des DFB-Pokals. ©

Stadion-Frage noch ungeklärt

Das trifft unter anderem auf die Stadionfrage zu. "Wir hoffen darauf, dass uns der Ludwigspark (das Stadion in Saarbrücken, d. Red.) für die kommende Saison zur Verfügung steht. Doch das hängt von vielen Faktoren ab: Wann beginnt die Spielzeit? Werden Zuschauer zugelassen? Und letztlich: Wie ist der Baufortschritt bis dahin?", gibt der Vereinsobere zu bedenken. Seit 2016 wird das heimische Stadion umgebaut, die Kosten sind von 16 Millionen Euro auf 46,5 Millionen Euro explodiert. Die Pokal-Millionen helfen nur bedingt, denn "Bauherr des Stadions ist die Stadt Saarbrücken. Wir können dort also finanziell gar nicht wirklich unterstützen", stellt Fischer klar.

Doch aktuell liegt der Fokus auf dem Spiel gegen Leverkusen. Und dafür gibt es einen sehr klaren Matchplan. "Wir müssen die ersten 15 bis 20 Minuten überleben, das Tempo rausnehmen, das Spiel langsam gestalten", erklärt Coach Kwasniok. "Dann sehe ich für uns keinen Nachteil mehr, dann bin ich guter Dinge. Das muss uns gelingen." Allen Widrigkeiten zum Trotz.