10. Januar 2021 / 17:58 Uhr

1. Luckenwalder SC: „Momentan weiß keiner, wo er steht“

1. Luckenwalder SC: „Momentan weiß keiner, wo er steht“

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Führungsduo des 1. Luckenwalder Sportclubs (LSC): Jörn Levermann (l., Präsident) und Erik Scheidler (Vizepräsident und Geschäftsführer des Vereins). 
Das Führungsduo des 1. Luckenwalder Sportclubs (LSC): Jörn Levermann (l., Präsident) und Erik Scheidler (Vizepräsident und Geschäftsführer des Vereins). © Frank Neßler
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Für Jörn Levermann, Präsident des 1. Luckenwalder SC, sind die Ringer des Vereins durch die pandemiebedingten Absagen ihrer Wettbewerbe in einer schwierigen Situation.

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Jörn Levermann und Erik Scheidler bilden als Präsident sowie Vize-Präsident und Geschäftsführer das Führungsduo des 1. Luckenwalder SC. Im Interview sprechen sie darüber, welche Spuren das Coronajahr 2020 im Club hinterlassen hat, über Chancen von Luckenwalder Ringern für die Olympia-Qualifikationsturniere und über die Fläminghalle, die zum Impfzentrum umgebaut wird und 2021 deshalb nicht als Wettkampfstätte zur Verfügung steht.

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Das Sportjahr 2020 ist Geschichte. Wie sieht die Bilanz aus Sicht des Luckenwalder SC aus?

Jörn Levermann: Es ist traurig, dass unsere Aushängeschilder – die Mannschaftskämpfe – nicht zustande gekommen sind. Durch die Corona-Pandemie sind alle Regionalligaduelle, bis auf eines, ausgefallen. Die Oberliga wurde schon im Vorfeld abgesagt. Das ist vor allem traurig für die, die sich bemüht haben, mit dem Gesundheitsamt und mit der Stadt ein Hygienekonzept zu erarbeiten. Es ist schade um ihr Engagement, aber am Ende war es nicht zu ändern. Generell fanden seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 alle Wettkämpfe, egal, ob für Jung oder Alt, nicht statt.

Wie wirken sich die Wettkampfabsagen auf die Entwicklung von Leistungssportlern aus?

Jörn Levermann: Ich sehe darin ein Problem. Wettkämpfe sind gerade im Leistungssportbereich unglaublich wichtig für die Einordnung der Athleten. Sie müssen sehen, wo sie stehen. Diese Standortbestimmung ist für junge, aber auch für Spitzensportler derzeit sehr schwierig. Momentan weiß keiner, wo er steht. Das halte ich für eine komplizierte Situation. Deshalb hoffe ich für 2021, dass es spätestens im März oder April möglich ist, zumindest mit kleinen Mannschaften wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu können.

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Welche Termine stehen im Wettkampfplan für dieses Jahr?

Jörn Levermann: Manch ein Termin ist sogar ziemlich zeitnah. So findet Mitte Januar ein Ranglistenturnier in Nizza statt. Die Sportler sind schon in Frankreich. Weil der Veranstalter die Teilnehmeranzahl begrenzen musste, dürfen in diesem Jahr nur Mannschaften mit höchstens 15 Sportlern starten. Auch das deutsche Länderteam musste reduziert werden. Fixe Termine gibt es zudem für die diesjährigen Olympia-Qualifikationsturniere. In Budapest im März und in Sofia im April wird es für die deutschen Ringer um die Tickets für Tokio gehen. LSC-Sportler haben noch Minimalchancen, zumindest um einen Startplatz kämpfen zu dürfen. Alle Termine der nationalen Meisterschaften sind dagegen verschoben worden. Sie sollen ab April oder später bis in den Juni/Juli hinein stattfinden.

Wer von den Luckenwalder Ringern wird sich für internationale Aufgaben in diesem Jahr empfehlen können?

Jörn Levermann: Lennard Wickel hat sich in der Freistil-Gewichtsklasse bis 74 Kilogramm zuletzt sehr gut entwickelt. Er ist zwar für Nizza wegen der Teilnehmerbegrenzung durchs Raster gefallen, aber er ist wieder in den Fokus der Nationalmannschaft gerückt. Er wird sicherlich noch die Möglichkeit bekommen, sich bei dem einen oder anderen Lehrgang in Szene zu setzen. Vielleicht reicht es ja, um bei einem der Olympia-Qualiturniere zu starten. Das wäre für unseren Club sehr schön. Als LSC-Ringer stehen Franco Büttner und Martin Obst weiterhin in dieser Gewichtsklasse im Rampenlicht. Obst ist zwar wegen seines verweigerten Dopingtests noch gesperrt, aber eine Entscheidung dazu wird bald erwartet. Ilja Matuhin wird ebenfalls versuchen, in der 97-Kilogramm-Freistil-Kategorie noch einen Quali-Turnier-Startplatz zu bekommen.

Wie sieht in Lockdown-Zeiten das Training der LSC-Ringer aus?

Jörn Levermann: Trainieren dürfen derzeit generell Zehntklässler und die Abiturienten, also wie in allen Sportschulen Brandenburgs die Schüler der Abschlussklassen sowie Kaderathleten in den olympischen Disziplinen. Und dazu gehört das Ringen. Ungefähr 25 Schüler der 7. bis zur 9. Klasse werden aktuell im Homeschooling von den Trainerkollegen betreut. Veranstaltet werden dabei sogenannte Workouts. Trainer machen per Video die Übungen vor. Ihre Sportler müssen dann verschiedene Aufgaben abarbeiten. Diese werden anschließend von den Trainern ausgewertet, bewertet und benotet.

Kann man dabei schummeln?

Jörn Levermann: Sicherlich, das kann man. Es dürfte jedoch nicht im Interesse der Sportschüler sein.

Welche Folgen hat der Umbau der Fläminghalle zum Impfzentrum für den 1. Luckenwalder SC?


Erik Scheidler: Der Umbau betrifft alle unsere in diesem Jahr geplanten Wettkämpfe. Für den 8. Mai standen die Mitteldeutschen Meisterschaften in der Fläminghalle auf dem Programm. Auch unser traditionelles Kadetten-Turnier, der Brandenburg-Cup, und unsere Liga-Kämpfe Ende des Jahres sind davon betroffen.
Jörn Levermann: Aktuell laufen Gespräche mit der Zweckgemeinschaft, die die Mitteldeutschen Meisterschaften veranstaltet, um Alternativen zu finden. Wir könnten in Luckenwalde keine Titelkämpfe auf drei Matten in irgendeiner Schule machen. Deshalb würden wir die Mitteldeutschen Meisterschaften vielleicht im nächsten Jahr wieder veranstalten. Fakt ist aber, es ist immer schlecht, traditionelle Wettkämpfe auszusetzen oder zu verschieben. Der Brandenburg-Cup ist ja bereits 2020 ausgefallen. Wenn der nun in diesem Jahr wieder ausfällt, dann gerät so ein Turnier in Vergessenheit. Es fällt einfach hinten runter, weil sich viele Gästeteams wettkampfmäßig umorientieren. Das wäre schade, weil wir eine gute Adresse sind.