28. April 2020 / 11:04 Uhr

100. Geburtstag: Erinnerung an jüdischen Sportverein Bar Kochba muss verschoben werden

100. Geburtstag: Erinnerung an jüdischen Sportverein Bar Kochba muss verschoben werden

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Der jüdische Verein Bar Kochba gehört zur Sportgeschichte der Stadt Leipzig.
Der jüdische Verein Bar Kochba gehört zur Sportgeschichte der Stadt Leipzig. © imago images / Kempner / Tüpfelhausen
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1920 gründete sich der jüdische Sportverein Bar Kochba in Leipzig. Der 100. Geburtstag sollte unter anderem mit dem 6. Internationalen Fußballbegegnungsfest gefeiert werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wird es nun zunächst bei einer Gedenktafel sowie einem Buch bleiben.

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Leipzig. „Wir leben Demokratie“ – so lautet das Motto für das „6. Internationale interkulturelle Fußballbegegnungsfest – 100 Jahre Bar Kochba“. Ausgerichtet vom Familienportal Tüpfelhausen sollte vom 26. bis 28. Juni ein volles Programm an die Gründung des Vereins und den Wert der Demokratie in der heutigen Gesellschaft erinnern. Doch wie bei so vielen anderen Veranstaltungen auch, macht die Corona-Pandemie die Pläne zumindest in Teilen zunichte. Die Feierlichkeiten müssen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. „Es stimmt uns sehr traurig, diese Entscheidung bekannt geben zu müssen, aber sie ist unausweichlich“, so die Organisatoren gegenüber dem SPORTBUZZER.

Gedenktafel soll erinnern

Von dieser Entscheidung betroffen sind das Turnier um den Max & Leo Bartfeld-Pokal der internationalen Jugend, das Freundschaftsspiel einer israelischen Profiauswahl gegen den Regionalligisten BSG Chemie Leipzig im Leutzscher Holz sowie die Ausstellung über Opfer des NS-Terror- und Gewaltregimes. In den vergangenen Jahren gab es mehrfach Gedenkspiele. 2019 empfing das Team Blau-Weiß Leipzig/Bar Kochba aus diesem Anlass die Chemiker am Kantatenweg. Auch im Alfred-Kunze-Sportpark wurde in der Vergangenheit schon zur Erinnerung an den jüdischen Club gekickt.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Gedenkspiel 2019

Im Rahmen des 5. Internationalen Fußballbegegnungsfestes trafen 2019 Bar Kochba/Blau-Weiß Leipzig und die BSG Chemie Leipzig aufeinander. Die Partie endete 2:11. Zur Galerie
Im Rahmen des 5. Internationalen Fußballbegegnungsfestes trafen 2019 Bar Kochba/Blau-Weiß Leipzig und die BSG Chemie Leipzig aufeinander. Die Partie endete 2:11. © Thomas Fritz

Trotzdem soll es einige Aktivitäten geben, die 100 Jahre nach seiner Gründung an den jüdischen Sportverein erinnern. Am 31. August plant die Stadt die Einweihung einer Tafel am ehemaligen Sportplatz von Bar Kochba an der Delitzscher Straße. Sie findet im Rahmen der Initiative Historische Sportroute statt. Das Sportmuseum initiierte die Route, um Orte der Sportgeschichte sichtbar werden zu lassen. Die ersten Tafeln finden sich in der Leplaystraße für die erste Turnhalle und am Fockeberg für den Beginn des Fußballs auf den Bauernwiesen.

1920/21 holten die Kicker von Bar Kochba den Meistertitel in der 3. Klasse.
1920/21 holten die Kicker von Bar Kochba den Meistertitel in der 3. Klasse. © Tüpfelhausen
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Buch "100 Jahre Bar Kochba" erscheint

An der Delitzscher Straße zwischen Autohaus und Baumarkt erinnert heute nichts mehr an den Sportplatz. 2016 wurden die letzten Zeugnisse der jüdischen Geschichte abgerissen. Das ist vor allem deshalb bedauerlich, weil in Leipzig gern vergessen wird, dass die Messestadt einer von vielen "Vorreitern" in der Ausgrenzung von Menschen jüdischen Glaubens nach 1933 war. Viel früher als in anderen deutschen Kommunen durften sie öffentliche Schwimmbäder und Parks nicht mehr besuchen. Der Sportplatz war so der einzige Ort, auf dem sie Sport treiben und sich erholen konnten. Hier wurden unter anderem Hand- und Fußball sowie Tennis gespielt und Leichtathletik betrieben.

2016 rollten an der Delitzscher Landstraße in Leipzig die Bagger an und tilgten die letzten Zeugnisse des jüdischen Vereins Bar Kochba.
2016 rollten an der Delitzscher Landstraße in Leipzig die Bagger an und tilgten die letzten Zeugnisse des jüdischen Vereins Bar Kochba. © André Kempner

Über die Geschichte des Vereins wird das Buch „100 Jahre Bar Kochba“ umfangreich Auskunft geben. Geschrieben vom Historiker Yuval Rubovitch erscheint es demnächst im Hentrich & Hentrich-Verlag. Ebenso plant Tüpfelhausen das Filmprojekt „Eine Reise gegen das Vergessen – 100 Jahre SK Bar Kochba“.