23. September 2020 / 16:44 Uhr

100-Kilometer-Lauf: Der Wille von Brinja Weiglein besiegt den Körper

100-Kilometer-Lauf: Der Wille von Brinja Weiglein besiegt den Körper

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Brinja Weiglein läuft die 100 Kilometer. © Norman Klaß
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Brinja Weiglein aus Obernkirchen lotet gerne ihre Grenzen aus. Am vergangenen Sonntag ging sie möglicherweise sogar darüber hinaus. SIe absolvierte einen 100-Kilometer-Lauf für einen guten Zweck.

„Gott sei Dank, endlich.“ Als die Obernkirchenerin Brinja Weiglein am Sonntagabend ins Ziel einläuft, schießt ihr dieser Gedanke als erstes durch den Kopf. Ihr ist die Erleichterung anzumerken. Ihre Beine sind zwar schwer und schmerzen, doch der Wille war an diesem Tag stärker.

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Nach 13:44,05 Stunden und 100,2 Kilometern kommt die 44-Jährige an ihrer sich selbst gesteckten Endstation am Mehrgenerationenhaus in Seggebruch an. „Ich wollte wissen, ob mein Körper das kann. Auch wenn das überhaupt nicht zur Nachahmung zu empfehlen ist“, erklärt die Personal-Trainerin den 100 Kilometer-Lauf durch Schaumburg und Ostwestfalen.

An der Schachtschleuse ist Brinja Weiglein noch guter Dinge. Später am Abend, nachf ast 14 Stunden kommt sie erschöpft im Ziel an. foto: norman klaß, pr.
Erschöpft aber glücklich kommt Brinja Weiglein im Ziel an. © pr.

Schon in diesem Sommer war die Obernkirchenerin immer wieder dabei, die eigenen Grenzen auszuloten. Zweimal innerhalb einer Woche absolvierte sie den sogenannten Megamarsch - eine 100-Kilometer-Wanderung durch das Weserbergland. Ihr dritter Versuch fiel vor einigen Wochen der großen Hitze zum Opfer. („So viel hätte man gar nicht trinken können, wie man da ausgeschwitzt hätte.“) So schön diese Touren auch waren, eine Sache störte Weiglein doch etwas: „Ich wollte noch mal einen solchen Megamarsch machen, aber nicht so lange brauchen.“ Also entschloss sie sich, die 100 Kilometer einfach zu laufen.

Ihre Strecke begann morgens mit der aufgehenden Sonne direkt vor der Haustür in Obernkirchen, führte am Achumer Flugplatz vorbei nach Bückeburg, über Cammer zur Schachtschleuse nach Minden. Von dort aus nach Petershagen und wieder zurück. Das Mehrgenerationenhaus in Seggebruch war nicht der zufällige Endpunkt, denn Weiglein suchte im Vorfeld nach Sponsoren, die für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro an die Einrichtung spenden würden. „Wir haben das im Vorfeld über Facebook beworben“, erklärt sie. „Das ist ein regionales und unterstützenswertes Projekt.“

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Das Mehrgenerationenhaus freute sich natürlich über die Unterstützung und zahlte es mit Pflegestationen an der Strecke zurück. An kleinen Tischen, die extra mit Luftballons geschmückt wurden, gab es Essen, Getränke und mentale Unterstützung. Die ersten 30 Kilometer ging die Läuferin noch alleine an. Teilweise noch mit Bodenfrost unter den Füßen lief anfangs alles nach Plan. Nach dieser Distanz hatten sich Freunde bereit erklärt, Weiglein mit dem Fahrrad, quasi als zusätzliche rollende Verpflegungsstation zu begleiten. Besonders ab Kilometer 76 waren diese auch bitternötig. „Ab da konnte ich eigentlich nicht mehr weiterlaufen“, blickt Weiglein zurück. Schlechte Aussichten, wenn noch 24 Kilometer, etwas mehr als die Entfernung zwischen Stadthagen und Rinteln, vor einem liegen.

Muskulatur schmerzt

Die Kondition war zwar noch vorhanden, doch die Erschütterung in der Muskulatur machte der Obernkirchenerin zu schaffen. „Es waren Schmerzen, die kaum noch auszuhalten waren. Ich war auch kurz davor zu gehen, aber das hätte mir zu lange gedauert.“ Statt knapp drei Stunden für die restlichen 24 Kilometer, hätte sie ansonsten vermutlich um die fünf Stunden benötigt. Und so ging es vor allem mit Willen und der langsam untergehenden Sonne ins Ziel. Die Freunde der Personal-Trainerin hievten sie im Anschluss ins Auto, halfen ihr die Treppen in die Wohnung rauf und brachten die erschöpfte Läuferin ins Bett.


Die Schmerzen sollten sie noch einige Tage begleiten („Am Morgen danach habe ich sieben Minuten für die Treppe gebraucht.“), doch werden Brinja Weiglein vermutlich nicht von einer Wiederholung abschrecken, denn ganz zufrieden war sie dann doch nicht. „Mich ärgert es etwas, dass ich am Ende so langsam geworden bin. Man kann an der Zeit also noch etwas optimieren. Vielleicht ja im nächsten Jahr.“