23. Oktober 2020 / 23:34 Uhr

Mit 17 Kreisliga, mit 32 Bundesliga: Was Ex-Mitspieler über Bielefelds Fabian Klos zu erzählen haben...

Mit 17 Kreisliga, mit 32 Bundesliga: Was Ex-Mitspieler über Bielefelds Fabian Klos zu erzählen haben...

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fabian Klos in Meinersen, Gifhorn, Wolfsburg und Bielefeld
Fabian Klos in Meinersen, Gifhorn, Wolfsburg und Bielefeld © Photowerk / dpa
Anzeige

Er startete in der Kreisliga - und dann startete er durch. Fabian Klos aus Meinersen hat eine der ungewöhnlichsten Karrieren im deutschen Profi-Fußball hingelegt. Mit 32 wurde er Bundesliga-Spieler, am Sonntag tritt er mit Arminia Bielefeld beim VfL Wolfsburg an. Wir haben uns bei drei ehemaligen Klos-Mitspielern nach ihm erkundigt...

Anzeige

Eine Karriere für Fußball-Romantiker. Mit 17, als seine heutigen Gegenspieler schon Ernährungspläne in Fußball-Internaten bekamen, kickte Fabian Klos in der Kreisliga, schoss dann mit 18 die SV Meinersen/Ahnsen/Päse zum Aufstieg (mit 45 Saisontoren) – und startete durch. Mit 19 der Wechsel zum MTV Gifhorn, Aufstieg in die Oberliga, 49 Tore in 58 Spielen. Dann meldete sich der VfL, Felix Magath und Bernd Hollerbach machten ihm den Wechsel in die U23 des Bundesligisten schmackhaft. Profi zu werden, das gab Klos später zu, wäre ihm auch zu diesem Zeitpunkt nicht in den Sinn gekommen.

Anzeige

Doch er traf weiter, auch in der Regionalliga – und Teams aus der 3. Liga klopften an. Er entschied sich für Arminia Bielefeld, und die Erfolgsgeschichte ging weiter. Aufstieg, Wiederaufstieg nach Abstieg, Drittliga-Torschützenkönig 2013 und 2015 – und 2020 schließlich Zweitliga-Torschützenkönig und der Aufstieg in die Bundesliga. Klos, mittlerweile 32 Jahre alt und seit 2015 verheiratet (Ehefrau Ann-Christin war 2019 bei „The Voice of Germany“ dabei), ist seit dieser Saison Erstliga-Spieler – und tritt am Sonntag (15.30 Uhr) erstmals als solcher beim VfL Wolfsburg an.

Iwan Hekk spielte mit Fabian Klos bei der SV Meinersen/Ahnsen/Päse in der Kreisliga
Iwan Hekk spielte mit Fabian Klos bei der SV Meinersen/Ahnsen/Päse in der Kreisliga ©

Klos in Meinersen: „Mit dem Megafon auf dem Vereinsheim-Dach“

Iwan Hekk spielte zusammen mit Fabian Klos bei der SV Meinersen/Ahnsen/Päse in der Kreisliga. „Ich habe mir als Herren-Spieler regelmäßig die A-Jugend-Spiele angesehen und da konnte man schon sehen, dass Fabian ein außergewöhnlicher Stürmer ist.“ Mit dem 18-jährigen Klos stieg Meinersen 2006 in die Bezirksliga auf. Hekk: „Man konnte auch schon bei seinen Anfängen im Herren-Bereich sehen, dass er außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.“ Und er war einer, der feiern konnte. „Nach dem Spiel stand Klos auf dem Dach des Meinerser Vereinsheims“, erinnert sich Hekk. „Da hat er bei den unten stehenden Fans per Megafon für Stimmung gesorgt...“ Die Mischung aus Leistung und guter Laune habe dabei immer gepasst: „Fabian ist ein lustiger Kerl, der aber auch sehr zielstrebig ist.“

Dass er auch in höheren Ligen spielen könnte, war damals schon zu ahnen. Hekk: „Mit 19, 20 hätte er schon in der Regionalliga spielen können. Der Schritt nach oben war also schon früher möglich – aber im Nachhinein ist man immer schlauer.“ Hekk selbst spielte als Sechser im Mittelfeld, „da musste ich immer relativ viel laufen, Fabian war dagegen eher lauffaul, hat das durch seine Kaltschnäuzigkeit und Torgefahr aber mehr als wettgemacht – und uns regelmäßig zu Siegen geschossen.“


Als Klos dann nach den Stationen Gifhorn und Wolfsburg in Bielefeld gelandet war, drückten ihm die alten Mitspieler regelmäßig vor Ort die Daumen. „Von 2011 bis 2016“, so erzählt Hekk, „sind wir aus Meinersen mit einer Hand voll Leute regelmäßig nach Bielefeld gefahren. Manchmal wurden wir auch von Fabian eingeladen, je nach Verfügbarkeit der Karten hat er auch welche an der Kasse hinterlegen lassen. Nach den Spielen haben wir uns dann kurz getroffen, haben etwas geschnackt “

Hekk selbst ist VfL-Fan, war vor Corona regelmäßig im Stadion. Dass sein Ex-Mitspieler jetzt gegen den VfL antritt, sei schon „etwas surreal“. Aber er drückt die Daumen: „Wäre doch schon, wenn Fabi seinen ersten Bundesliga-Treffer in seiner alten Heimat macht. Zumal auch er viele Bekannte hat, die sich mit ihm freuen würden – auch wenn sie VfL-Fans sind.“

André Bischoff spielte mit Fabian Klos beim MTV Gifhorn
André Bischoff spielte mit Fabian Klos beim MTV Gifhorn ©

Klos in Gifhorn: "Habe immer versucht, mir andere Gegenspieler zu suchen"

2007 hatte Fabian Klos seinem Jugendverein, der SV Meinersen, den Rücken gekehrt, wollte sich weiterentwickeln und schloss sich dafür dem MTV Gifhorn an. Sein damaliger Mitspieler André Bischoff (jetzt Sportlicher Leiter bei Landesligist SSV Vorsfelde) erinnert sich gern zurück. „Wir hatten damals ohnehin eine gute Truppe, aber seine Verpflichtung war ein Riesengewinn – Fabi war schon absolut treffsicher“, sagt Bischoff. Auch menschlich hat er im Alter von 19 Jahren von Anfang an zum MTV gepasst. „Er war nicht der Lauteste, aber total angenehm“, blickt der Ex-Teamkollege zurück. Und: „Seine Leistungen haben immer gepasst. Wir wussten, dass wenn wir hinten sicher stehen, mit Fabi vorn drin immer etwas ging.“

Im Training aber wurde Bischoff (damals Verteidiger) oft selbst vom heutigen Bielefeld-Kapitän gefordert – meist mit dem besseren Ende für Klos. „Wenn wir Zweikampf-Training hatten, habe ich immer versucht, mir einen anderen Gegenspieler zu suchen, aber habe meist doch Fabi bekommen“, so Bischoff schmunzelnd. Wenn es aber um Ausdauer ging, hatte der Abwehrmann die Nase vorn. „Unter Klaus Fricke mussten wir in der Vorbereitung Läufe absolvieren. Die Puls-Uhr von Fabi war die einzige, die einen gewissen Ausschlag hatte...“, sagt Bischoff mit einem Lachen, betont aber: „Er hat immer mitgezogen. Wir waren damals überrascht, dass ein Spieler aus der Kreisliga so schnell so eingeschlagen hat.“ War seine weitere Karriere abzusehen? Bischoff: „Von uns aus ist er zu den Amateuren des VfL Wolfsburg gewechselt, da weiß man nie, wohin der Weg von dort aus führt. Aber Fabi hat sich für seine Loyalität, die in Bielefeld noch mal größer ist, belohnt. Das freut mich sehr für ihn.“

Julian Klamt spielte mit Fabian Klos beim VfL Wolfsburg II
Julian Klamt spielte mit Fabian Klos beim VfL Wolfsburg II ©

Klos beim VfL II: "Bei den Waldläufen hat es ihn auch mal umgehauen“

„Wir waren damals ein verschworener Haufen“, erinnert sich VfL-Urgestein Julian Klamt gern an seine gemeinsame Zeit mit Fabian Klos in der U23. „Viele Jungs kamen damals aus Wolfsburg und Umgebung. Wir haben alle viel zusammen unternommen.“ Im Sommer 2009 war der heutige Armine vom MTV Gifhorn zum VfL gewechselt und blieb für zwei Jahre, Klamt war damals schon im Team, rückte ein Jahr zuvor aus der A-Jugend in die zweite Mannschaft hoch. Dass Klos kein Nachwuchsleistungszentrum durchlaufen hatte, machte sich bemerkbar. „Wir hatten alle die VfL-Ausbildung, Fabi war ein anderer Fußballer“, sagt Klamt und ergänzt mit einem Lachen: „Unter Lorenz-Günther Köstner haben wir viele Waldläufe gemacht, da hat es ihn am Anfang auch mal umgehauen.“

Doch Klos gab nicht auf, blieb ehrgeizig. „Er musste sich viel selbst erarbeiten, hat sich von uns in der Zeit wohl am meisten entwickelt“, freut sich Klamt für seinen ehemaligen Mitspieler. Und schon damals war Klos ein großer Faktor im VfL-Spiel. „Er war vorn wie ein Leuchtturm für uns, hat Bälle festgemacht. Er ist in der Box einfach brutal gut.“ Außerdem hat sich schon bemerkbar gemacht, dass der heutige Bielefelder Kapitän das Zeug zum Führungsspieler hat. Klamt lobt: „Fabi ist ein Lautsprecher. Er steht zu seiner Meinung, auch wenn das nicht die ist, die alle hören wollen.“ Diesen Stellenwert bestätigt er aber auch mit seiner Leistung. Doch nicht nur auf dem Platz hat Klamt gern Zeit mit dem Sturm-Hünen verbracht. „Fabi ist nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich ein absoluter Teamplayer – und für jeden Spaß zu haben“, erinnert sich Klamt mit einem Lachen. „Er kommt eben vom Dorf. Wenn etwas los war, war er auch dabei.“

24 starke Fußballpreise aus dem #GABFAF-Adventskalender gewinnen! Mitmachen: gabfaf.de/advent

Klos' Trainer beim VfL II war damals Lorenz-Günther Köstner, der sich in der Woche vorm Spiel in einem Kicker-Interview an seinen ehemaligen Schützling erinnert: "Es hieß zunächst: Der Junge hat zwar Übergewicht und steht eigentlich fast nur vorne drin. Aber wenn er an den Ball kommt, zeigt er eine unglaubliche Gefährlichkeit. Also luden wir Fabian ein. Ich weiß noch, wie unsere Spieler, die ja fast alle eine NLZ-Vergangenheit hatten, ungläubig geguckt haben, als er in Wolfsburg auftauchte. Es war ja auch eine sehr spezielle Angelegenheit damals..."

Köstner und sein Assistent Alexander Strehmel mussten Klos zum Einzelgespräch bitten. Sie sagen ihm "'Tu' mehr für dich, geh' laufen, mach Gymnastik!'", wie sich Köstner erinnert. "Und wir haben seine Ernährung umgestellt. Fabian hatte eben nichts von dem, was man heute einen top-ausgebildeten Spieler oder angehenden Profi nennen würde. Das hat er ja auch selbst zugegeben. Aber: Er war immer positiv, ihm war nichts zu viel. Er war auf seine Art bei den anderen beliebt. Und er hatte einen unbändigen Willen, alles herauszuholen und auch noch das letzte Trainingsspiel zu gewinnen. Mit diesem Ehrgeiz hat er sie mitgezogen, auch so klappte es schließlich mit ihm."