03. Dezember 2021 / 21:53 Uhr

18 Sekunden vorm Ende retten sich die Grizzlys in den Overtime-Sieg!

18 Sekunden vorm Ende retten sich die Grizzlys in den Overtime-Sieg!

Jürgen Braun und Sven Grosche
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Phil Hungerecker von den Grizzlys Wolfsburg jubelt nach seinem Treffer zum 1:0  gegen die Iserlohn Roosters.
Am Ende reichte es: Phil Hungerecker, der das 1:0 erzielte und die Grizzlys Wolfsburg bezwangen Iserlohn mit 3:2 in der Overtime. © City-Press Gmbh/Grizzlys Wolfsburg
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18 Sekunden fehlten zur Niederlage - dann drehten die Grizzlys das Spiel. Durch einen späten Ausgleich und einen Overtime-Treffer von Spencer Machacek gab's für das Wolfsburger DEL-Team einen 3:2-Sieg gegen die Iserlohn Roosters.

Ganz enges Eishockey-Erstligaspiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Iserlohn Roosters - Wolfsburg entschied es nach einer Energieleistung in der Overtime 3:2 (0:0, 1:1, 1:1) für sich. Phil Hungerecker mit seinem ersten Saisontor, Toto Rech (18 Sekunden vor Schluss!) und Spencer Machacek mit der Entscheidung trafen. Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams in dieser Saison hatte eine Raufereien und eine große am Ende beim Handshake gegeben. Diesmal blieb alles ruhig. Den Handshake nach Schluss gibt es zudem unter verschärften Corona-Regeln nicht mehr. Brent Aubin spielte erstmals vor seinen alten Fans in Wolfsburg, die zeigten ihm Transparente mit der Aufschrift: "Welcome Home, Aubi, einmal Wolfsburg, immer Wolfsburg".

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Das Personal

Bei den Grizzlys spielte der angeschlagene Dominik Bittner (Oberkörperbeschwerden) nicht, der zuletzt nicht berücksichtigte Armin Wurm ersetzte ihn. Beim Warmmachen musste dann Fabio Pfohl passen, für ihn kam im Angriff Phil Hungerecker (ebenfalls zuletzt überzählig). Im Sturm tauschten außerdem Jonas Enlund und Toto Rech ihre Plätze in den Reihen. Die Gäste verzichteten auf ihren neuen Verteidiger Alec McCrea, der Ex-Grizzly Kris Foucault, zugleich viertbester Scorer der DEL, fehlte verletzt.

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Das Spiel

Zum ersten Spiel unter 2G-Plus-Regeln kamen offiziell 1360 Zuschauer, demnach mehr als zuletzt unter 2G. Der Einlass dauerte wegen der Testüberprüfungen spürbar länger als sonst. Doch die, die nicht zu Beginn drin waren, verpassten auch nicht viel. Die Grizzlys trugen erstmals ihre goldenen Weihnachtstrikots, die Vorstellung war aber dem Wetter angepasst eher grau. Wolfsburg hatte gegen die Roosters (ein Sieg aus den vergangenen acht Spielen) mehr von der Partie und eigentlich meist alles im Griff. Aber: Es fehlte der Zug zum Tor, die beste Chance hatte noch Youngster. Thomas Reichel fälschte den Schlenzer von Steven Raabe an den Pfosten ab. Ansonsten war außer harmlosen Schüssen nichts. Iserlohn hätte führen können. Weil die Grizzlys halfen. Einmal verlor Julian Melchiori die Scheibe an Luke Adam, einmal legte Chris DeSousa am eigen Tor für Nick Schilkey förmlich auf - beide Male parierte Dustin Strahlmeier. "Es fehlt Konzentration in der defensiven Zone", war Björn Krupp zur ersten Pause unzufrieden.

Dank Rech in die Overtime

Gegen das mit Abstand beste Powerplay der Liga überstanden die Grizzlys früh im zweiten Drittel eine Unterzahl, wurden dann etwas griffiger. Darren Archibald scheiterte an Andi Jenike im Roosters-Kasten. Aufwand hatten die Niedersachsen genug betrieben, die Belohnung folgte. Ein Patzer von Ex-Grizzly und Roosters-Kapitän Torsten Ankert, Sebastian Furchner und Thomas Reichel spielten jeweils per Rückhand zu Hungerecker, der bewahrte dicht vor Jenike die Nerven, stoppte, lupfte - drin, 1:0. Die Roosters aber waren nicht geschockt, wenig später spielte Aubin Sven Ziegler frei - wieder Strahlmeier, der kurz danach aber gegen den ebenfalls in mangelhafter Wolfsburger Ordnung freistehenden Schilkey machtlos war. Archibald hätte Jenike mit einem Bauerntrick fast überlistet, der dann noch Glück hatte, dass sich ein abgefälschter Schuss von Trevor Mingoia nur beinahe über ihn senkte,

Szenen vom DEL-Spiel der Grizzlys Wolfsburg gegen die Iserlohn Roosters

Szenen vom DEL-Spiel der Grizzlys Wolfsburg gegen die Iserlohn Roosters am 3. Dezember 2021 Zur Galerie
Szenen vom DEL-Spiel der Grizzlys Wolfsburg gegen die Iserlohn Roosters am 3. Dezember 2021 © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH, Britta Schulze

Im Schlussdrittel begannen die Gastgeber mit Druck und vielen Schüssen, es sah so aus, als ob es in der Kabine eine deutliche Ansage gegeben hätte. Doch weder Jonas Enlund noch Jan Nijenhuis, Hungerecker, DeSousa, Mingoia oder Garrett Festerling hatten Glück. Was nicht vorbei ging, hielt Jenike. Strahlmeier hatte praktisch nichts mehr zu tun, wurde immer kälter - und sah dann beim 1:2 durch Luke Adam nicht gut aus, der einfach mal abzog, obwohl er Gerrit Fauser noch vor sich hatte. Doch nun bekamen die Wolfsburger noch ihr Tor: Toto Rech fälschte 18 Sekunden vor Ende der regulären Zeit zum Ausgleich ab, als die Grizzlys es mit einem sechsten Feldspieler versuchten. Die Overtime musste es entscheiden. Da rettete Jenike seine Roosters erneut mit Glanzparaden in Unterzahl, ehe er dann doch bezwungen wurde. "Wir haben es mit der Brechstange durchgedrückt", war Strahlmeier erleichtert. "Es war nicht einfach, in den Slot zu kommen, aber ich glaube trotzdem, dass wir die bessere Mannschaft waren. Die Jungs haben gut gekämpft", man habe den Gegner müde gemacht.

"Siegen tut immer gut", freute sich Hungerecker, der sein erstes Saisontor erzielte und der erst mit dem Warm-Up ins Aufgebot gerutscht war. "Das war ein befreiendes Gefühl", sagt er.


Grizzlys-Coach Mike Stewart sagte: "Das erste Drittel hat Iserlohn gehört, wir waren langsam, schlampig, sind nicht in die Zweikämpfe gegangen, und wenn, haben wir sie nicht gewonnen. Iserlohn war bereit, wir nicht. Punkt. Im zweiten Drittel waren wir einen Tick besser." Sonderlob gab es für Hungerecker, der sich nach Pfohls Ausfall schnell umgezogen hatte. Stewart: „Er war nicht vorgesehen, spielte dann als Center, obwohl er zuiletzt meist Außen war. Er einer der wenigen, die schon im ersten Drittel bereit waren. Im letzten Drittel haben wir unser Eishockey gespielt.“ Und auch, dass Toto Rech seine Trefferflaute beendet hatte, freute den Wolfsburger Coach, „denn er ist ein Torjäger. Und auch er hat sich belohnt.“

Sonntag in Mannheim

Am Sonntag (14 Uhr) gastieren die Grizzlys bei Spitzenreiter Adler Mannheim. Das erste Saisonduell in Wolfsburg ging mit 6:2 an das Team von Ex-Grizzlys-Coach Pavel Gross. Die Adler sind nach drei Niederlagen in Folge (unterbesetzt; viele Corona-Ausfälle) inzwischen wieder besser besetzt und wieder in Schwung gekommen, holten aus den vergangenen beiden Partien (beide gegen München) fünf Zähler.

Statistik

  • Grizzlys: Strahlmeier - Krupp, Melchiori; Wurm, Murray; Button, Möser; Raabe - Machacek, Fauser, Mingoia; Archibald, DeSousa, Enlund; Furchner, Hungerecker, Reichel; Nijenhuis, Festerling, Rech.
  • Roosters: Jenike - Acolatse. O’Connor; Labrie, Riefers; Szemsky, Ankert – Button, Möser; Rausch - Whitney, Adam, Bailey; Ewanyk, Jentzsch, Ziegler; Broda, Schilkey, Cornel; Schymainski, Aubin.
  • Schiedsrichter: Bruggeman/Kohlmüller.
  • Zuschauer: 1360. - Strafminuten: Grizzlys 4 / Iserlohn 4.
  • Tore: 1:0 (30:06) Hungerecker (Reichel/Furchner), 1:1 (33:46) Schilkey (O'Connor/Cornel), 1:2 (57:41) Adam (Bailey/Acolatse), 2:2 (59:42) Rech (Murray/Button - 6:5), 3:2 (63:43 Machacek (Furchner/Melchiori).