23. August 2020 / 09:29 Uhr

Absturz vom Champions-League-Kandidaten in die 3. Liga: Die neue Hoffnung bei 1860 München

Absturz vom Champions-League-Kandidaten in die 3. Liga: Die neue Hoffnung bei 1860 München

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach schwierigen Jahren und dem sportlichen Absturz kehrt bei 1860 München neue Hoffnung ein.
Nach schwierigen Jahren und dem sportlichen Absturz kehrt bei 1860 München neue Hoffnung ein. © Getty Images/imago images/Sven Simon (Montage)
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Am Sonntag vor genau 20 Jahren spielte 1860 München um den Einzug in die Champions League – seitdem ist viel passiert. Löwen-Präsident Robert Reisinger spricht über Ursachen und Folgen der Entwicklung. In dieser Saison soll zumindest die Rückkehr in die 2. Bundesliga gelingen. 

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Champions League statt 3. Liga? Viele Fans des TSV 1860 München würden diesen Tausch aktuell wohl gerne eingehen. Kein Witz: An diesem Sonntag vor genau 20 Jahren, als die Löwen gerade Bundesliga-Vierter geworden waren, war das Ticket für die Königsklasse greifbar. Doch nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel zog 1860 auch im zweiten Aufeinandertreffen der Qualifikation mit Leeds United den Kürzeren.

Figuren wie Weltmeister Thomas Häßler oder Torjäger Martin Max prägten die Mannschaft des "anderen“ Münchener Vereins Anfang des Jahrtausends. Der heutige Löwen-Präsident Robert Reisinger gehört dem Klub seit 1974 an. Der gebürtige Münchner hat beide Partien gegen Leeds als Fan im Stadion verfolgt. Über die damaligen Sechziger sagte er dem SPORTBUZZER: "Das war eine eingeschworene Truppe, die zudem über herausragende Einzelspieler verfügte.“

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Doch es war der Zenit eines Erfolgszyklus bei den Giesingern, deren rapider Absturz mit dem Abstieg 2004 erst am Anfang stand. "Es gab damals Funktionäre bei Sechzig, die sichtbar Schwierigkeiten hatten, Alltag und Highlights gedanklich auseinanderzuhalten“, erinnert sich Reisinger. Wen er damit meint, sagt er nicht. Doch es liegt nahe, dass es um den im März 2004 zurückgetretenen ehemaligen Löwen-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser ging. Unter dessen Führung baute 1860 mit dem Stadtrivalen FC Bayern die Allianz Arena im Stadtteil Fröttmaning. Die war bei den Fans ähnlich unpopulär und ähnlich überdimensioniert wie das Olympiastadion. 60 verhob sich an dem gigantischen Bauprojekt, später kaufte der rote Nachbar den Löwen deren Arenaanteile ab. Was aber einen eher kurzfristigen Effekt hatte. "Für einen Zweitligisten waren die Mietkonditionen in Fröttmaning nicht dazu angetan, wirtschaftlich Luft zu bekommen“, so Reisinger.

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In seiner Not ließ sich der Verein 2011 auf den jordanischen Investors Hasan Ismaik als Teilhaber an der Profifußballgesellschaft ein. "Mit seinem Einstieg verknüpften viele Fans große Erwartungen, die unser Mitgesellschafter auch zu nähren wusste“, so Reisinger. Ständig wechselnde Geschäftsführer, Sportdirektoren und Trainer ächzten unter dem Druck des in immer weitere Ferne rückenden Wiederaufstiegs. Von derlei Ambitionen hält Reisinger nichts. Schließlich sei die fixe Idee, man sei eigentlich zu Höherem berufen und nur wegen widriger Umstände grad mal eben nicht ganz oben dabei, "eine Lebenslüge“. Die personellen Rochaden der Vergangenheit missfallen ihm. "Typische Kennzeichen fehlender Geduld und überzogener Erwartungen“, eine „verhängnisvolle Hire-and-fire-Politik“.

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Den Absturz aufzuhalten, vermochten Ismaiks Investitionen nicht. Im Frühjahr 2017 stiegen die Löwen aus der 2. Liga ab und wurden aufgrund fehlender Drittligalizenz in die Regionalliga Bayern durchgereicht. In dieser Gemengelage wurde Reisinger Präsident. Über die Zusammenarbeit mit Ismaiks Vertrauensleuten sagt er: "Wir versuchen so gut wie nur möglich, ein abgestimmtes Handeln herzustellen.“ Bei aller Unterschiedlichkeit eint die Gesellschafter immerhin der Wunsch nach sportlichem Erfolg.

Präsident Reisinger: "Wir alle wollen nun zurück in die 2. Liga"

Und der stellte sich nach dem Crash von 2017 auf niedrigerem Niveau wieder ein. Unter Trainer Daniel Bierofka, der als Profi in beiden Spielen gegen Leeds in der Startelf gestanden hatte, glückte mittlerweile wieder im von den Fans geliebten Grünwalder Stadion (Reisinger: "Eine Unterstützung von den Rängen, die sich hinter den historischen Spielen nicht verstecken muss“) der Aufstieg in Liga 3. ­Bierofkas im November 2019 verpflichteter Nachfolger Michael Köllner blieb in 16 Begegnungen unbezwungen. "Wir alle wollen nun zurück in die 2. Liga und schaffen das auch. Mit wirtschaftlich vertretbarem Handeln und einem durchdachten sportlichen Konzept“, kündigt Reisinger an. Beides haben sie seit Leeds in Giesing häufig vermisst.