26. Februar 2021 / 19:07 Uhr

199 Vereine bereits dabei: „Amateursport in Sachsen“ fordert Perspektive im Corona-Lockdown

199 Vereine bereits dabei: „Amateursport in Sachsen“ fordert Perspektive im Corona-Lockdown

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Der Amateursport in Sachsen steht still - und fürchtet um seine Mitglieder und die Perspektiven junger Sportlerinnen und Sportler.
Der Amateursport in Sachsen steht still - und fürchtet um seine Mitglieder und die Perspektiven junger Sportlerinnen und Sportler. © dpa
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Fünf Tage nach der Gründung von "Amateursport in Sachsen" ist die Initiative bereits 199 Vereine stark. Der Zuwachs zeigt, wie groß die Sorgen der Amteursportvereine sind. Im Gespräch mit dem Sportbuzzer berichtet Gründer Oliver Herber vom VfL Pirna-Copitz 07 über die Sorgen und Hoffnungen der Hobbysportler.

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Leipzig. Dem Amateursport in Sachsen steht das Wasser bis zum Hals. Tausende Vereinsmitglieder haben sich über den Winter abgemeldet und zahlreiche Sponsoren die Zusammenarbeit beendet. Wenige Tage vor der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz bleibt die Zukunft der betroffenen Vereine dennoch ungewiss. Wie groß die Sorgen der Amateur-Klubs sind, untermauert der Zuwachs einer neuen Initiative. Seit Anfang dieser Woche haben sich unter dem Namen „Amateursport in Sachsen“ zahlreiche Vereine aus Chemnitz, Dresden, Leipzig und vielen anderen Städten zusammengetan und fordern eine Perspektive. „Wir sind inzwischen 199 Vereine und über 30.000 Mitglieder stark. Einen solchen Zuspruch haben wir in der Form nicht erwartet. Das zeigt aber, wie groß das Bedürfnis und wie wichtig dieses Thema ist“, so Oliver Herber am Freitag, der die Initiative als Geschäftsführer des VfL Pirna-Copitz 07 erst vor wenigen Tagen gestartet hat.

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Wir möchten nicht länger ignoriert werden und bei den nächsten Gesprächen über Lockerungen endlich eine Rolle spielen. Die Bedeutung des Amateursports in der Gesellschaft wurde bislang völlig ignoriert“, bringt Herber die Problematik auf den Punkt. Dass der Profisport auch im Lockdown fortgesetzt wurde, sei verständlich und richtig gewesen. Für die jüngsten Entscheidungen hat der Sachse aber weniger Verständnis. „Die Nachwuchsleistungszentren machen es doch vor, dass unter der Einhaltung der Hygieneregeln Training möglich ist“, erklärt Herber, der die Jugendarbeit in Amateursportvereinen für genauso wichtig hält.

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Kinder und Jugendliche seien nach seiner Auffassung besonders stark von den derzeitigen Maßnahmen betroffen. Seit Monaten bleibe der so wichtige Sport für sie aus. „Wir können nur hoffen, dass sie nach Ewigkeiten auf der Couch überhaupt noch zurück auf den Sportplatz wollen“, gibt er zu bedenken und führt aus: „Warum dürfen die Kinder und Jugendlichen am Vormittag wieder zusammen in der Schule sitzen, aber am Nachmittag nicht mit Abstand auf dem Fußballfeld spielen? Der Sport ist für die Entwicklung unglaublich wichtig und wird hier einfach nicht berücksichtigt.“

Damit die Nachwuchsathlinnen und -athleten aber überhaupt noch einen Verein vorfinden, wenn sie wieder trainieren dürfen, gibt es für die Sportvereine aktuell zahlreiche finanzielle Fragen zu klären. „Grundlegend haben alle Freizeit- und Amateursportvereine zur Zeit die gleichen Probleme. In Sachsen verzeichnen wir mehr als 20.000 Vereinsaustritte, das ist eine sehr alarmierende Zahl“, sagt Herber und vermutet, dass nicht alle Vereine diese Situation überstehen werden. Nicht nur Sponsoren fallen weg, auch die kommunalen Mittel werden knapp. Noch können wir uns über Wasser halten, aber wie lange geht das noch gut? Wir brauchen endlich eine Perspektive“, so der deutliche Appell.