11. August 2020 / 10:16 Uhr

2:2 bei Liebertwolkwitz: Wermsdorfs Aufholjagd macht Appetit auf Halbfinale

2:2 bei Liebertwolkwitz: Wermsdorfs Aufholjagd macht Appetit auf Halbfinale

Justus Keller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dominik Weidner und sein Bruder Pascal Weidner (9) versuchen gemeinsam, einen Liebertwolkwitzer zu stoppen.
Dominik Weidner und sein Bruder Pascal Weidner (9) versuchen gemeinsam, einen Liebertwolkwitzer zu stoppen. © André Kamm
Anzeige

Nordsachsenligist Blau-Weiß Wermsdorf erreicht ein 2:2-Unentschieden bei Landesklasse-Vertreter SV Liebertwolkwitz - und scheint bereit zu sein für das Pokalhalbfinale.

Wermsdorf. Zum Abschluss seiner Testspielreihe in Vorbereitung auf das kommende Halbfinal-Pokalwochenende gastierte Blau-Weiß Wermsdorf am Samstag beim SV Liebertwolkwitz und erreichte ein achtbares 2:2 (0:1). Nach 0:2-Rückstand brachten Tore von Florian Böttger und Justus Keller noch das verdiente Unentschieden.

Anzeige

Die Partie beim Landesklasse-Vertreter war der letzte und absolute Härtetest für den Fußball-Nordsachsenligisten. Zum Klassenunterschied und der Favoritenrolle des Kontrahenten kam noch eine schier unerträgliche Hitze dazu, eine kräftezehrende Angelegenheit zeichnete sich ab. Trotz tropischer Temperaturen waren die Hubertusburger nicht angetreten, um das schöne Wetter im Leipziger Umland zu genießen. Sie wollten sich die entscheidende Wettkampfhärte abholen, den Verteidigungsapparat feinjustieren und noch mal eine Stange Selbstvertrauen tanken.

Gäste-Pressing überrascht

Untermalen können die Schützlinge von Trainer Dierk Kupfer diese Ansprüche bereits früh, als Robby Staude in der 3. Minute nach erzwungenem Aufbaufehler der Platzbesitzer schnell schaltet und per Kopf abzieht, den Ball allerdings um Zentimeter am Pfosten vorbei setzt.

Tom Köppe und Meik Eckert (dahinter) schirmen den Kasten von Keeper Benjamin Schönitz ab.
Tom Köppe und Meik Eckert (dahinter) schirmen den Kasten von Keeper Benjamin Schönitz ab. © André Kamm

Das bevorzugte Mittel der Heimelf sind zunächst weite Bälle über die Außen, wo Wermsdorf Lücken und Probleme offenbart und Torwart Benjamin Schönitz nach 6 Minuten erstmals zugreifen muss.

Auf der anderen Seite legen die Gäste ihr Pressing überzeugend an, überraschten Liebertwolkwitz mit entschlossener Gangart sichtlich. Dominic Arendt erzwingt nach gut einer Viertelstunde einen Ballverlust in der SV-Abwehr, setzt nach und hat nur noch Torwart Felix Hell vor sich, der aber aufmerksam bleibt und den Schussversuch blockt.

Rückstand trotz guter Chancen

Im Gegenzug tankt sich Sebastian De Schultz über die rechte Seite durch und findet in der Mitte Pascal Rosin, der unbedrängt zum 1:0 einnetzen kann (18.). Während Wermsdorf abermals zum Scheibenschießen ansetzt, ist der Gegner also auf der Höhe und kommt zur nicht unverdienten Führung. Mit der nach 22 Zeigerumdrehungen kollektiv dringend benötigten Trinkpause ändert sich dieses Bild.


Wermsdorf findet den Zugang zum Spiel, zeigt sich hinten präsent und in der Offensive hellwach. Den Auftakt macht Denny Beckedahl, der einen Freistoß aus 18 Metern an den Pfosten zirkelt. Die wohl größte Möglichkeit der ausgeglichenen Partie bietet sich Stürmer Pascal Weidner in der 36. Minute, als er nach starkem Laufweg durchbricht und nur noch den Torwart vor sich hat, statt selbst abzuschließen jedoch querlegen will, dabei aber weder Freund noch Feind mit seinem Antritt Schritt halten können und das Spielgerät im Niemandsland austrudelt.

Dennoch ist Coach Kupfer zur Pause zufrieden mit seinen Schützlingen, die keinen Klassenunterschied erkennen lassen. Entsprechend groß die Ambitionen für Durchgang zwei und umso größer die Enttäuschung, als Franz Dittrich mit der ersten Aktion nach leichtfertigem Aufbaufehler der Gäste umgehend auf 2:0 stellen kann (46.).

Mit großer Moral zum Ausgleich

Die folgenden Minuten werden für Blau-Weiß zur Bewährungsprobe. Die Abstände stimmen nicht und man bekommt keinen Zugriff auf Ball und Gegner. Doch der Kreisoberligist ergibt sich keinesfalls seinem Schicksal und zeigt auch bei 35 Grad im Schatten, dass seine Moral nicht zu brechen ist. Konzentration und Überzeugung kehren zurück. Kampfgeist und der Wille, sich teuer zu verkaufen und ein Ausrufezeichen vorm Pokalkracher zu setzen, lassen die Collm-Kicker zusätzliche Reserven mobilisieren.

Nach über einer Stunde zeigt Pascal Weidner, wie schön und einfach Fußball sein kann. Nach Steilpass von Bruder und Flügelbegleitung Dominik geht die Nummer 9 entschlossen in den freien Raum und flankt von der Grundlinie auf den zweiten Pfosten, wo Luftwaffe Böttger hochsteigt und zum Anschlusstreffer (65.) einnickt.

Mehr zum Fußball in Nordsachsen

Zeit, nach den Sternen zu greifen. Und tatsächlich lassen die Blau-Weißen wenig später die Hausherren wie unterklassige Statisten aussehen. Der eingewechselte Johannes Keller, am Samstag mit seinem Herrendebüt für die Hubertusburger, passt nach 73. Minuten in die Spitze auf Böttger, der zur Seite abprallen lässt, was Justus Keller frei in Szene setzt. Der Mittelfeldmann, mit gewohnt stolprigem ersten Kontakt plötzlich ungewollt im spitzen Winkel, murmelt die Kugel dann aber doch irgendwie ins lange Eck und stellt auf 2:2.

Remis als gefühlter Sieg

Die Kupferlinge haben in der Schlussphase den längeren Atem. Liebertwolkwitz muss noch mal mächtig Abwehrarbeit leisten und findet nach vorne nicht mehr zwingend statt. So hat Blau-Weiß bis zum Abpfiff die nicht unverdiente Möglichkeit zum Auswärtserfolg, verpasst aber den goldenen Moment. Der entnervte SV pöbelt und motzt sich nun durch die Prärie und zeigt, dass Landesklasse nicht immer mit Niveau einhergeht.

Unterm Strich ist das Remis leistungsgerecht, bedeutet für Wermsdorf in Anbetracht von Rückstand, Klassenzugehörigkeit und Hitze sogar einen gefühlten Sieg.

Am kommenden Samstag, wenn das Team im Halbfinale den SV Zwochau empfängt, wird abgerechnet und es wird sich zeigen, was die harte Arbeit wert war. Zwochau ist nicht Liebertwolkwitz, Meißen oder Burkartshain. Die Vorbereitungsspiele haben zwar bewiesen, dass die Wermsdorfer eine gute Frühform besitzen, dürfen aber keinesfalls als Maßstab herhalten.

Anzeige

Es gilt, die blau-weiße DNA über 90 oder mehr Minuten auf die Wiese zu bringen, dann muss man den von Torhüter Benjamin Schönitz angeführten Kampfhaufen erstmal schlagen. Das Team ist bereit und heiß, das Hygiene-Konzept steht in den Startlöchern und die Sachsendorfer Straße freut sich auf ein Spektakel. Es ist angerichtet für den Pokal.

Blau-Weiß Wermsdorf: Schönitz, Dominik Weidner, Beckedahl, Böhm (Plakinger), Eckert (Robyn Staude), Köppe, Arendt (Jülich), Justus Keller, Pascal Weidner, Böttger, Robby Staude (Johannes Keller).

Torfolge: 1:0 Rosin (18.), 2:0 Dittrich (46.), 2:1 Böttger (65.), 2:2 Justus Keller (73.). Zuschauer: 30.