25. September 2021 / 16:16 Uhr

2:3 im Paradies! BSG Chemie Leipzig verliert in letzter Sekunde

2:3 im Paradies! BSG Chemie Leipzig verliert in letzter Sekunde

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Chemie Leipzigs Florian Brügmann erzielte den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2. 
Chemie Leipzigs Florian Brügmann erzielte den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2.  © Picture Point (Archive)
Anzeige

Der Fußballgott wollte es heute anders: 0:2 lag die BSG Chemie beim FC Carl Zeiss Jena bereits in Rückstand, kämpfte sich durch Treffer von Kirstein und Brügmann zum zwischenzeitlichen 2:2. Doch Jenas Eisele zerstörte mit seinem Treffer die Leutzscher Hoffnungen auf einen Punktgewinn. 

Jena. Chemie im Paradies - die Stimmung schwankte ein wenig zwischen Hoffnung und Trotz. "Klar können wir hier was mitnehmen", waren sich die angereisten Verletzten Alex Bury und Lucas Surek sicher. Von der langen Verletztenliste hatte sich wenigstens Andy Wendschuch verabschiedet, der auf der Bank saß, Stephané Mvibudulu und Ben Keßler fehlten ebenfalls noch, hinzu gesellte sich der Außenverteidiger Philipp Wendt, der sich im Abschlusstraining eine Zerrung im Oberschenkel zugezogen hatte. Überraschend saß Denis Jäpel zunächst ebenfalls auf dem Hartholz an der Seitenlinie und schaute erst mal zu. Auf der Baustelle unter den Kernbergen hatte auch die alte Anzeigetafel ihr Leben ausgehaucht, so dass das Provisorium Ernst-Abbé-Sportfeld endgültig eine perfekt "unperfekte" Anmutung aufwies.

Anzeige

Das Spiel begann mit einem Mega-Schock:Der erste Eckball schwebte ein, Eisele stieg zwischen zwei Chemikern hoch und nickte ein. Der Matchplan: Makulatur. 1:0 für Jena. Danach musste man Angst haben, denn Jena hatte praktisch jeden Ball und drängte nach vorn. Doch Chancen erarbeiteten sich die Hausherren keine nennenswerten, denn die Chemiker hielten nun sehr konzentriert dagegen und kämpften sich ins Spiel. Vor allem Florian Kirstein war das Ziel der Flanken und Pässe. Nach 13 Minuten hätte es 1:1 stehen können, doch als "Kirsche" nach Pass von Florian Brügmann schon am Torwart vorbei war, war er auch etwas abgedrängt und versuchte es mit einem Zuspiel auf Brügmann.

Mehr zur Regionalliga Nordost

Doch der drosch den Ball auf die Baustelle hinter dem Tor. Zweimal noch versuchte es die BSG auf diese Weise, doch beide Male hatte Kirstein keine Fortune und schloss zu schwach ab. Nach dem Wechsel verpassten viele der wieder auf die Tribüne strömenden Zuschauer zwei Knallbonbons.Erst führte gleich der erste Angriff der zweiten Hälfte zum 2:0, als Drinkuth eine Hereingabe verwertete (46.), dann traf endlich Kirstein bei einem erneuten Konter mit Schuß ins lange Eck zum Anschluss (47.).

Der fulminante Auftakt zu einer zweiten Halbzeit voller Drang und Biß mit einem offenen Schlagabtausch. Chemie jetzt komplett auf der Höhe, agierte mit aggressivem Forechecking, zwang Jena zu Fehlern. Endlich stimmten auch die Passwege und das Timing, endlich belohnten sich die Leutzscher, als Mauer auf Kirstein ablegte und der Auge hatte für den besser platzierten Brügmann, der zum umjubelten 2:2-Ausgleich einschob (52.). Die Grün-Weißen waren nun näher an der Führung als die konsternierten Gastgeber. Wieder Kirstein verpasste die Gelegenheit, als er viel zu lange zögerte vor dem gegnerischen Torwart (55.). Wenn "Kirsche" nur etwas kaltblütiger wäre, er würde jede Torjägerliste mit Vorsprung anführen...

Weiter ging es munter hin und her. Eisele zimmerte erst einen Flankenball drüber, dann tat es ihm Kirstein gleich (68.). Bellot rettete per Fußabwehr gegen Wolfram (72.). Der eingewechselte Benny Luis tat es Kirstein gleich und vergab in bester Position vor Torwart Müller, der mit letzter Mühe hielt (82.). Chemie mit riesiger Energieleistung, in jeden Ball warfen sich die Karau und Co, als Jena in der Schlussphase nochmals alles auf eine Karte setzte. Dann der bittere Schlussakt in diesem Drama: Im letzten Angriff der Jenaer passierte dem Capitano Stefan Karau ein Handspiel im Strafraum der Chemiker, der Schiri gab Elfmeter und Eisele verwandelte zum 3:2. Es wurde nochmal angepfiffen, und fast hätte der Fußballgott gezeigt, dass er an diesem Spiel Gefallen gefunden hatte und Gerechtigkeit walten lassen wollte. Ausgerechnet Karau hielt den Kopf in die letzte Flanke von Brügmann, aber irgendwie sollte es nicht sein - ein Jenaer rettete auf der Linie. Der Schlusspfiff ertönte und ganz Jena lag sich in den Armen, als hätte man soeben den Aufstieg geschafft.