05. Februar 2022 / 20:23 Uhr

2:3 nach offensivem Schlagabtausch: RB Leipzig scheitert bei Bayern auch an sich selbst

2:3 nach offensivem Schlagabtausch: RB Leipzig scheitert bei Bayern auch an sich selbst

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
spiel
Beide Teams hatten Grund zum Jubeln. Am Ende nahm der Rekordmeister die drei Punkte mit. © dpa / Imago/Eibner
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RB Leipzig kassiert beim FC Bayern München die erste Niederlage in 2022. Das 2:3 (1:2) ist eines der besseren Sorte. Beide Team lieferten sich über 90 Minuten einen offensiven Schlagabtausch. RB das beim Rekordmeister den eigenen Fehler Tribut zollen musste, hat weiterhin drei Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz.

München. Auch im siebten Anlauf ist RB Leipzig beim FC Bayern München kein Sieg gelungen. Auch zu einem Punkt reichte es nicht. 2:3 (1:2) hieß es nach 90 Minuten in der Allianz Arena. Es war die erste Niederlage in diesem Kalenderjahr. Kleiner Trost für die 500 mitgereisten RB-Fans (und im Nachgang vielleicht auch irgendwann für das Team): Der Vizemeister der Vorsaison verkaufte sich teuer, legte einen temporeichen und engagierten, insgesamt durchaus starken Auftritt hin. Weniger tröstlich: Die Sachsen unterstützten die Gastgeber vor allem im Spielaufbau immer wieder selbstlos mit absolut unnötigen Patzern, die regelmäßig zu Gegentoren führten.

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Fehler werden bestraft - beiderseits

Während Julian Nagelsmann auf Änderungen in der Startelf verzichtete, musste sein Gegenüber Domenico Tedesco wechseln. Überraschend fehlte Mohamed Simakan nach seiner Knieblessur im Training unter der Woche nun doch komplett. Für ihn rückte Lukas Klostermann in die Dreierkette. Den Job auf Rechts übernahm Nordi Mukiele. Die Kreativabteilung bekam Verstärkung von Dani Olmo. "Es wird Mut brauchen", sagte Tedesco vor dem Anpfiff und mutig gingen seine Jungs in die Partie. Nicht destruktiv, nicht defensiv, sondern kontrolliert, mit durchaus überlegten Aktionen nach vorn. Nach zehn Minuten hatte Olmo erstmals die Chance zum Abschluss, hauchzart strich sein Schuss am Gehäuse von Manuel Neuer vorbei. Soweit, so ordentlich.

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Packender Schlagabtausch: RB Leipzig unterlag nach einem mutigen Auftritt beim FC Bayern München mit 2:3. Zur Galerie
Packender Schlagabtausch: RB Leipzig unterlag nach einem mutigen Auftritt beim FC Bayern München mit 2:3. ©

Wäre da nicht dieser eine Aspekt gewesen, den Lukas Klostermann vorab im Interview mit dem SPORTBUZZER angesprochen hatte: "Es ist natürlich schon so, dass gegen solche Gegenspieler der eine oder andere Fehler ein bisschen härter oder direkter bestraft werden kann." Genau das passierte in der 12. Minute. Willi Orban leistete sich beim Herausspielen des Balles an der Strafraumgrenze einen kapitalen Patzer, schob das Leder quasi direkt auf den Fuß von Corentin Tolisso. Der bediente Robert Lewandowski. Den Schuss des Polen parierte Peter Gulacsi zwar stark, gegen den Nachschuss von Thomas Müller war dann aber nix mehr zu machen - 1:0 für den Rekordmeister.

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Viel Tempo, viel Intensität

Vorsicht war also geboten im Spielaufbau. Das galt aber ebenso umgekehrt. Denn als André Silva in der 27. Minute den völlig verdienten Ausgleich erzielte - Olmo hatte zuvor zwei weitere Großchancen nicht genutzt - resultierte der aus einem Fehler im Aufbau. Tolisso bekam nach einem Zuspiel den Ball nicht unter Kontrolle, RB schaltete blitzschnell um, zu schnell für die Gastgeber. Über Christopher Nkunku legte nach rechts raus zu Konrad Laimer, der chippte das Leder Richtung Tor, wo der Portugiese richtig stand. Er war es dann allerdings auch, der wenig später mit einem unnötigen Hackenpass einen weiteren Fehler produzierte. Doch Müller konnte sich nur kurz über seinen vermeintlichen Doppelpack nach Flanke von Serge Gnabry freuen. Denn zuvor hatte Robert Lewandowski Verteidiger Josko Gvardiol gefoult. Schiri Sven Jablonski bekam einen Wink aus dem Kölner Keller, schritt zum Videobildschirm und entschied auf Abstoß statt Tor.

Mit 2:1 für den FC Bayern, der die Schlagzahl zwischenzeitlich deutlich erhöht hatte, ging es dennoch in die Kabinen. Denn kurz vor der Pause konnte Kingsley Coman unbedrängt flanken, Lewandowski hatte keine Mühe bei Kopfball. Fazit zum Seitenwechsel: Viel Tempo, viel Intensität bei beiden Kontrahenten, die sich aber auch beide anfällig im Spielaufbau zeigten. Der FCB mit der konsequenteren Chancenverwertung. Die Führung demzufolge nicht unverdient.

Hilfe für den FCB mittels Eigentor

Tedescos Zeichen zu Wiederbeginn war deutlich: Er brachte Dominik Szoboszlai für Kevin Kampl und damit noch ein Stück mehr Kreativität und Offensive. Die Spieler nahmen den Hinweis auf, marschierten - und belohnten sich. Nach tollem Pass von Laimer eilte Nkunku allein auf Neuer zu, vollendete zum 2:2 (53.). Doch erneut war die Freude kurz und erneut war es ein absolut unnötiger individueller Patzer im Spielaufbau, in diesem Fall ausgerechnet von Gulacsi. Der Keeper wollte den Ball rausspielen, natürlich genau auf einen gegnerischen Fuß. Den folgenden tollen Schuss von Gnabry fälschte Josko Gvardiol dann entscheidend ab - Eigentor, 3:2 für München. Unnötig.

Auch wenn der RB-Coach erneut reagierte, Emil Forsberg und Amadou Haidara für Olmo und Laimer brachte, der dritte Rückstand zog den Sachsen erst einmal den Zahn. Die besseren Chancen hatten nun die Hausherren. So scheiterte Lewandowski nur knapp. Doch mit andauernder Spielzeit arbeiteten sich die Leipziger raus aus dem selbst verursachten Tief. Und wieder gab Tedesco die Richtung vor. "Willi, alles nach vorn, Yussi komm'!", rief er rund zehn Minuten vor Ultimo, schickte Yussuf Poulsen für Silva auf's Feld. Nutzen hatte das nicht mehr, auch wenn seine Jungs noch einmal alles versuchten. Der FC Bayern sicherte, nun etwas defensiver auf- und eingestellt, die drei Punkte erfolgreich ab.

Die Statistik zum Spiel:

München: Neuer - Pavard, Süle, Hernandez (73. Upamecano) - Gnabry, Kimmich, Tolisso (63. Musiala), Coman (84. Nianzou) - Müller (84. Sabitzer), Sane - Lewandowski.

Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Orban, Gvardiol - Mukiele (72. Henrichs), Laimer (60. Haidara), Kampl (46. Szoboszlai), Angelino - Nkunku, Olmo (60. Forsberg) - Silva (80. Poulsen).


Tore: 1:0 Müller (12.); 1:1 Silva (27.); 2:1 Lewandowski (44.); 2:2 Nkunku (53.); 3:2 Gvardiol (58./ET).

Zuschauer: 10.000.