03. Juni 2021 / 08:22 Uhr

Mehr Derbys, mehr Tradition, mehr Zuschauer: Diese Super-Liga erwartet Hannover 96

Mehr Derbys, mehr Tradition, mehr Zuschauer: Diese Super-Liga erwartet Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Einige attraktive Duelle erwarten die Fans von Hannover 96 in der kommenden Zweitligasaison
Einige attraktive Duelle erwarten die Fans von Hannover 96 in der kommenden Zweitligasaison © Witters
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So prominent besetzt wie in der kommenden Saison war die 2. Bundesliga wohl noch nie. Für Hannover 96 hat das Vor- und Nachteile. Große Traditionsklubs wie Schalke und Werder steigern die Attraktivität und locken Zuschauer. Der Kampf um den Aufstieg wird allerdings härter denn je.

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Auf der europäischen Fußballbühne ist das Großprojekt gescheitert, in Deutschland aber kommt eine neue Superliga: Das Unterhaus der Bundesliga wird kräftig aufgemöbelt. „Die 2. Liga wird in der nächsten Saison besonders stark sein, das fühlt sich dann in einigen Stadien wie 1. Liga an“, meint Werder-Sportchef Frank Baumann.

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Mit den Bremern und den Schalkern hat die Zweitliga-Gesellschaft exklusive Spielpartner dazubekommen. Die Bundesliga muss sich dagegen mit Greuther Fürth und dem VfL Bochum bescheiden. Sportlich erfolgreich und verdiente Aufsteiger, aber keine Attraktivitätsmonster. „Es geht viel Tradition, Fan-Power und Bundesliga-Historie ein Stockwerk tiefer“, meint Lothar Matthäus. „Dafür gibt es eine 2. Liga, wie es sie noch nie gab.“

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Die Fans: Der Hoffenheimer Manager Alexander Rosen sorgt sich schon: „Wenn man bedenkt, welche Power viele Vereine haben, könnte es in der nächsten Saison in der 2. Liga mehr Zuschauer geben als in der Bundesliga.“ Immer vorausgesetzt, Publikum wird wieder zugelassen. Das größte Stadion hat Schalke. In Gelsenkirchen, so heißt es, müsse nur in der Arena das Licht angeknipst werden, dann rennen alle hin. Wenn das stimmt, dürften wie in der Bundesliga annähernd 60 000 Fans zu den Heimspielen kommen. Auch auswärts sind diese Fans eine Bank. „Mit Schalke und Bremen steigen zwei absolute Traditionsklubs ab, die immer zwischen 4000 und 8000 Fans mitgebracht haben“, ärgert sich Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann. 96-Chef Martin Kind erwartet „in mehreren Spielen eine ausverkaufte HDI-Arena“. Für die Lizenz kalkulierte 96 mit 34 000 Zuschauern im Durchschnitt pro Heimspiel. Auch die Aufsteiger aus Dresden haben eine große, aber nicht nur beliebte Fanbasis. Der Platzsturm von Dynamo-Anhängern nach dem Pokalspiel 2012 in Hannover ist Beispiel für die Krawallgefahr.



"Andererseits fehlen die illustren Namen in der Bundesliga"

Die Tradition: Schalke, Werder, Düsseldorf, Hamburger SV, Dresden, Nürnberg, Rostock und auch 96. „Das wird eine hochattraktive Liga“, freut sich Kind. „Diese Attraktivität bedeutet eine Exklusivität.“ Die Kehrseite benennt der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel. „Andererseits fehlen die illustren Namen der Bundesliga, das ist seltsam.“

Risikospiele drohen

Die Derbys: Gegen Langeweile und Bayern-Titel helfen Derbys. 96 gegen Werder und den HSV, Werder gegen HSV, HSV gegen St. Pauli, Dresden gegen Rostock und viele mehr. An vielen Spieltagen wird das Derby-Extra für Spannung sorgen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es wird mehr Ausschreitungen und Polizeipräsenz geben. Rostocks Polizeichef Achim Segebarth warnt schon vor mehr Risikospielen. Es sei bei An- und Abreise und während der Spiele mit „sehr massiven körperlichen Auseinandersetzungen“ zu rechnen. Hansa-Fans hatten schon bei der Aufstiegsfeier Tiraden gegen St. Pauli, HSV oder Dresden gebrüllt.

Die Trainer: Die Jugend greift an. Düsseldorf holt Christian Preußer aus der Regionalliga, auch Jan Zimmermann ist neu im Profigeschäft. Bei seiner Ausbildung hat der 96-Trainer mit Kiels Ole Werner ein Zimmer geteilt. Man schätzt sich. Der neue Werder-Trainer Markus Anfang hat sich 2019 bei 96 beworben, verpflichtet wurde Mirko Slomka. Mit Tim Walter soll beim HSV der vierte Anlauf zum Aufstieg gelingen.

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Die Warnung: Heidenheim ist seit 2014 dabei, stand sogar schon in der Relegation. Sportvorstand Holger Sanwald warnt die prominenten Neulinge: „Jeder Verein, der diese Liga unterschätzt, macht schon den ersten Fehler.“ In Hannover und Hamburg mussten sie das auch erst lernen.