14. Mai 2020 / 09:04 Uhr

2. Liga im Klassenkampf: Darum waren die letzten 96-Siege so wichtig 

2. Liga im Klassenkampf: Darum waren die letzten 96-Siege so wichtig 

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dass die 96er John Guidetti (links, beim 3:1 gegen Holstein Kiel) sowie Genki Haraguchi und Marc Stendera (rechts beim 3:0 in Nürnberg) noch jubeln konnten, ist jetzt einiges wert.
Dass die 96er John Guidetti (links, beim 3:1 gegen Holstein Kiel) sowie Genki Haraguchi und Marc Stendera (rechts beim 3:0 in Nürnberg) noch jubeln konnten, ist jetzt einiges wert. © Florian Petrow / imago images/Sven Simon
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Die Corona-Zwangspause erwischte Hannover 96 mitten im Formhoch. Was ärgerlich ist, aber auch Vorteile mit sich bringt. Denn die Roten schafften noch den Sprint aus dem Abstiegskampf. Das könnte bei einem Abbruch der Saison entscheidend sein.

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Immer mehr Videokonferenzen werden notwendig, deren Ablauf sich jetzt aber verändert. Die DFL ist ja so etwas wie das Zentralkomitee des Profifußballs – das ZK sagt den Klubs, wie es zu laufen hat mit der Fortsetzung der Saison. Bisher waren es „Infoveranstaltungen“, wie 96-Chef Martin Kind aus Zuhörererfahrung berichtet. Wortmeldungen aus den Vereinen gab es kaum.

Das hat sich seit gestern verändert und wird sich auch heute fortsetzen. Die jeweils 18 Klubs der 1. und 2. Liga hielten gestern Teil-Konferenzen ab – da wurde klar: Der Klassenkampf ist offen ausgebrochen. Wer steigt ab oder auf, wenn die Saison abgebrochen werden muss – das ist nun auch unter den Zweitligisten umstritten.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

DFL will Notfallmodell für Saisonabbruch festlegen

Der 96-Boss appelliert zwar, „es gibt einen gemeinsamen Beschluss, die Saison zu Ende zu spielen, daran sollten sich alle halten“. Der sei „bewusst getroffen worden, Auf- und Absteiger sollen ausgespielt werden, auch als klares Signal an Dresden“.

Im Notfallszenario will die DFL ein Modell festlegen für den Fall, dass die neun Spieltage nicht mehr durchgeführt werden können. Dann soll nach dem DFL-Antrag die aktuelle Tabelle gewertet werden.

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96 müsste bei schnellem Abbruch keinen Abstieg befürchten

Gut also für 96, dass die letzten beiden Begegnungen gewonnen wurden. Durch das 3:1 gegen Kiel und das 3:0 in Nürnberg gelang der Mannschaft gerade noch rechtzeitig vor der Corona-Pause der Sprint aus der Abstiegszone. Als Neunter gehört 96 zur Mittelschicht – und hätte bei einem schnellen Abbruch nicht zu befürchten, in die 3. Liga heruntergerechnet zu werden.

Die direkten Abstiegsplätze besetzen aktuell Karlsruhe und Dresden. Der Verdacht besteht ja, dass die Corona-Bedenken desto höher sind, je größer die Abstiegsgefahr ist. In der 3. Liga sind neben den beiden Spitzenreitern Duisburg und Mannheim auch die sechs Letzten für den Stopp – natürlich mit dem Ziel, dass keiner absteigen darf.

So werden die Heimspiele von Hannover 96 in Zeiten von Corona laufen

Geisterspiele in der HDI-Arena. Der SPORTBUZZER erläutert, wie sie ablaufen. Zur Galerie
Geisterspiele in der HDI-Arena. Der SPORTBUZZER erläutert, wie sie ablaufen. ©

Dresden legt Schwachpunkt des Hygienkonzepts offen

Dresden ist Tabellenletzter der 2. Liga, und mit der zweiwöchigen Quarantäne der gesamten Mannschaft wackelt gehörig das Konstrukt, die Saison beenden zu wollen. Am Dienstag gab es dazu ein Gespräch zwischen DFL-Vertretern und Dynamo-Bossen. Darin wurde der Klub mit den Vorwürfen konfrontiert, die Liga zu spät über die positiven Tests informiert zu haben. Das Gesundheitsamt in Dresden hatte anders als in Köln – und auch von der DFL erhofft – nicht nur die Infizierten, sondern die gesamte Mannschaft kaserniert.

Damit ist auch der Schwachpunkt der Neustartpläne des Profifußballs offengelegt worden: Die DFL kann die Gesundheitsämter nicht anweisen, wie sie zu entscheiden haben. Fallen aber mehrere Teams wochenlang aus, ist der schöne Wir-ziehen-das-durch-Plan dahin.

Nächster Spieltag immer noch nicht terminiert

Wie schwer sich die DFL damit tut, zeigt sich auch daran, dass 96 noch immer nicht weiß, wann genau in Osnabrück gespielt werden soll: nächste Woche Freitag, Samstag, Sonntag oder Montag? Kenan Kocak wüsste es gern für seine Trainingssteuerung.

"Wir wollen das Thema sportlich regeln"

Die Begegnung gegen Dresden in Hannover fällt sicher aus, danach auch das Dynamo-Heimspiel gegen Greuther Fürth. Gestern bat der Verein nun auch darum, die Partien in Bielefeld abzusagen, die etwa drei Tage nach dem Hausarrest geplant ist. Geschäftsführer Ralf Minge sagte auch, dass man einen Abbruch der Saison auf jeden Fall vermeiden wolle. „Wir wollen das Thema sportlich regeln.“ Man wird abwarten müssen, inwieweit Worte und Taten auseinanderklaffen.