05. Dezember 2020 / 22:25 Uhr

22:30! SC DHfK Leipzig blamiert sich beim HC Erlangen

22:30! SC DHfK Leipzig blamiert sich beim HC Erlangen

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Torhüter Joel Birlehm bot erneut eine starke Partie. Die 22:30-Niederlage beim HC Erlangen konnte aber auch er nicht verhindern.
Leipzigs Torhüter Joel Birlehm bot erneut eine starke Partie. Die 22:30-Niederlage beim HC Erlangen konnte aber auch er nicht verhindern. © Klaus Trotter Photography
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Nach der 33:29-Gala im Ostderby gegen den SC Magdeburg ist das Team von Trainer André Haber hart auf dem Boden der Realität gelandet. Eine selten sattelfeste Abwehr sowie zu viele vergebene Möglichkeiten führten zur klaren Niederlage in Erlangen. 

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Erlangen. „Auf geht‘s HC, Kämpfen und Siegen“ schallte es aus rund hundert Kehlen durch die Arena des HC Erlangen in Nürnberg. Gesagt, getan – die Spieler von Cheftrainer Michael Haas hörten auf ihre lautstarken „Aufbauhelfer“ und zeigten den Handballern des SC DHfK ihre Grenzen auf. Durch zu viele Fehler und unnötige Fouls behinderten sich die Sachsen am Samstagabend vor allem selbst und unterlagen deutlich mit 22:30 (12:16).

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Däne Martin Larsen zurück auf der Platte

„Wir wollen und dürfen eine solche Leistung in der Bundesliga einfach nicht abliefern. Wir müssen schauen, wie wir jetzt die Kurve kriegen“, so DHfK-Coach André Haber nach der klaren Niederlage. Den Leipzigern bleibt damit auch in der fünften Bundesligasaison in Folge ein Sieg beim HC Erlangen verwehrt. In der Halle wartete ein hochmotivierter HCE, der nach zwei Niederlagen in Folge wieder heiß auf Punkte war. Mit lauter Unterstützung aus den Rängen, zeigten sich die gänzlich in schwarz gekleideten Erlanger von Beginn an kämpferisch. Sicherlich wollte die Truppe von Coach Michael Haaß die beachtliche Anzahl an Aufbauhilfen nicht enttäuschen, denn knapp Einhundert maskierte Stimmungsmacher hatten sich auf der Tribüne versammelt. Poltergeist-Stimmung, die die zehn kleinen Trommler in der Arena Leipzig in den Schatten stellte.

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Nach dem überzeugenden Sieg im Ostderby gegen den SC Magdeburg folgte für den SC DHfK Leipzig die große Ernüchterung. Beim HC Erlangen unterlag die Mannschaft von Trainer André Haber unerwartet deutlich mit 22:30. Zur Galerie
Nach dem überzeugenden Sieg im Ostderby gegen den SC Magdeburg folgte für den SC DHfK Leipzig die große Ernüchterung. Beim HC Erlangen unterlag die Mannschaft von Trainer André Haber unerwartet deutlich mit 22:30. ©

Eigentlich war Marc Esche in dieser Woche wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen, doch fehlte er in Aufgebot von Coach Haber und auch Abwehrspezialist Bastian Roscheck musste nach einem Zusammenprall im Training pausieren. „Er hat sich am Knie verletzt. Ich hoffe er ist in ein paar Tagen wieder einsatzbereit“, verriet Haber. Stattdessen präsentierte der Leipziger Cheftrainer eine echte Überraschung im Kader. Nach langer Corona-Pause stand Martin Larsen zurück im Aufgebot für den rechten Rückraum und auch Nachwuchsspieler Finn-Lukas Leun war mit nach Nürnberg gereist.

Ohne Kapitän Milosevic und Roscheck waren alle Augen am Samstagabend auf Kreisläufer Maciej Gebala gerichtet, der von Beginn an ablieferte und Bilder aus dem Ostderby wachrief. Der Zwei-Meter-Mann erzielte erneut die ersten beiden Treffer für die Haber-Sieben. Doch in das Spiel der Leipziger schlichen sich ab dem 4:4-Zwischenstand unnötige Fehler ein, die die Hausherren eiskalt in einen 3:0-Lauf umwandelten. Die unsanft geweckten DHfK-Handballer stellten die Fehlerquellen für einen Moment ab und machten es ihrem Kontrahenten nach. Drei Treffer in Folge glichen das Spiel wieder aus und brachten Patrick Wiesmach und Lukas Binder auf den Außenpositionen ihre ersten Treffer ein.


Keine Besserung nach Wiederanpfiff

Zehn Minuten vor der Pause zeigten sich erneut die ärgerlichen Fehler. Im Rückraum scheiterte Philipp Weber an einer Ballannahme, im Tempospiel lief sich Wiesmach den Ball wegschlagen. Mehrfach bissen sich die DHfK-Spieler an Keeper Klemen Ferlin die Zähne aus und kamen kaum noch zu eigenen Treffern. Eine gewohnt gute Performance präsentierte nur der Leipziger Schlussmann Joel Birlehm, der sein Team vor einem höheren Rückstand bewahrte. Mit 16:12 ging es für die Mannschaften in die Kabine – Birlehm blieb mit einer Banane auf der Platte zurück und behielt seinen Blutzuckerspiegel unter Kontrolle.

Auch der Wiederanpfiff brachte keine Besserung und die Hausherren nur noch weiter in Front. Es mangelte an einer überzeugender Abwehrarbeit, an Wegen durch die starke Abwehrreihe des HCE und an Trefferquoten über 50 Prozent, denn kaum ein Leipziger bekam regelmäßig einen Ball an Torhüter Ferlin vorbei. In der 40. Minute lag der DHfK mit 16:23 zurück.

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Weder Youngster Leun noch Nicolas Neumann oder Notfallbesetzung Philipp Müller brachten deutliche Besserung in das Spiel der Gäste. Handball hat der Sportkoordinator zwar nicht verlernt, aber für den verbrauchten Gebala war er nicht der beste Ersatz. Ein weiteres Problem für die Grün-Weißen: Siebenmeterwerfer Florian von Gruchalla, der gegen Birlehm nach Belieben traf und fünffach vom Punkt verwandelte. Erst Nachwuchstorhüter Christian Ole Simonsen gelang es, einen Heber des Torgaranten zu verhindern.

Stromausfall in Nürnberg

Beim 17:26-Rückstand in der 51. Minute quälte sich der DHfK durch eine doppelte Unterzahl und zeigte von dem Feuer aus der vergangenen Woche nur noch wenig bis gar nichts. Doch auch die letzten Anstrengungen jeglicher Schadensbegrenzung verliefen kaum erfolgreich. Der SC DHfK kassiert mit 22:30 die deutlichste Niederlage der Saison – und wird bis zum nächsten Wochenende einiges aufarbeiten müssen.

„Glückwunsch an Erlangen zu einer so starken Leistung, vor allem unter der Maßgabe, dass heute wichtige Spieler bei ihnen gefehlt haben und andere in die Bresche gesprungen sind. Das war beeindruckend – das hätte ich mir heute auch von uns gewünscht“, so Haber unzufrieden.

Den Fans der Grün-Weißen blieb die schwache zweite Hälfte ihrer Mannschaft in Erlangen erspart, denn aufgrund eines Stromausfalls in der Arena in Nürnberg konnte der Pay-TV-Sender Sky das Spiel nicht weiter übertragen. „Ich hoffe, dass alle, die heute zumindest die erste Halbzeit sehen konnten, sich schon genauso auf die Zeit freuen, wenn Handball vor Zuschauern endlich wieder möglich sein wird“, kommentierte HCE-Trainer Haaß.