09. Juni 2021 / 17:23 Uhr

24-Stunden-Rennen: Klein Lengdener sind mittendrin im Geschehen

24-Stunden-Rennen: Klein Lengdener sind mittendrin im Geschehen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der Startaufstellung mit Reinhard Kofler, der den X-Bow auf Platz 21 steuerte.
In der Startaufstellung mit Reinhard Kofler, der den X-Bow auf Platz 21 steuerte. © foto: R/Katrin Vogel
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Die Firma Kappa optronics aus Klein Lengden baut digitale Außenspiegel für den Motorsport. Nun durften die Mitarbeiter den Einsatz ihrer Technik beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring hautnah miterleben. Ein Bericht aus der Boxengasse.

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Für die Mitarbeiter der Klein Lengdener Firma Kappa optronics war das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring etwas ganz Besonderes: Das Unternehmen hatte vier KTM-X-Bow-Rennwagen mit digitalen Außenspiegeln ausgestattet – und der 15 Mann starke Kappa-Tross durfte das härteste Langstreckenrennen der Welt hautnah in der Box verfolgen. Mit Starkregen, Nebel-Unterbrechung und vielen Unfällen hatte die 49. Auflage des Klassikers viel Dramatik zu bieten.

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„Durch die Startaufstellung zu laufen war schon klasse“, sagt Fabian Claus. Der Business-Unit-Manager von Kappa berichtet: „Der fliegende Start war der Wahnsinn, wenn mehr als 120 Rennwagen auf der Start-Ziel-Geraden an einem vorbeischießen.“ Die pure Geschwindigkeit zu sehen und den infernalischen Motorensound aus zigtausend PS live zu erleben, dafür Worte zu finden sei schwierig. Der eifeltypische Regen setzte noch in der ersten Runde ein. „Das erste, was man am Fernseher sah, war ein brennender Porsche“, fügt Claus hinzu. „Da fühlt man mit“, denn dadurch, dass man nah an den Teams dran gewesen sei, merke man, mit wie viel Herzblut und Fleiß die Teams dabei seien.

Mehr Schwimmen als Fahren

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Die Regenfälle wurden immer mehr, ein Drittel der Strecke war trocken, auf den anderen zwei Dritteln der mehr als 20 Kilometer langen „Grünen Hölle“ habe es so stark geschüttet, dass „gefühlt 50 Autos unfreiwillig von der Strecke abgeflogen waren“, sagt Claus. Auf der Start-Ziel-Geraden, wo er stand, hätten viele die erste Kurve nicht gekriegt. „Es gab viele Unfälle auf der Nordschleife, teilweise war es echt kritisch. Man hat sich richtig Sorgen gemacht.“



„Die sind geschwommen, nicht gefahren“, erzählt Katrin Vogel. Die Kappa-Pressesprecherin fügt hinzu: „Mit dem Aquaplaning war es manchmal so unfassbar knapp“ – und manchmal ging sich die Sache auch nicht gut aus. So landete einer der mit den digitalen Außenspiegeln aus Klein Lengden ausgestatteten KTM ziemlich heftig in der Leitplanke. Dabei waren nicht nur Blech und Carbon am Auto beschädigt worden, auch die Spiegelkamera hatte Wasser ins Gehäuse bekommen. Doch das konnten die Kappa-Techniker schnell beheben. Zu diesem Zeitpunkt sorgten Nebelbänke bereits für schlechte Sicht auf der Strecke. Als schließlich die Streckenposten sich gegenseitig nicht mehr sehen konnten, entschied die Rennleitung auf Unterbrechung.

Eine Stunde für einen neuen Kabelbaum

„Wir haben gemeinsam in der Box mit dem Team gewartet“, sagt Claus. Die Profis hatten schon vermutet, dass es erst morgens weitergeht – dabei war es noch nicht einmal 22 Uhr, das Rennen keine sieben Stunden alt. Der durch den Unfall stark demolierte KTM wurde wieder fahrbereit gemacht. Und als feststand, dass es erst am nächsten Tag weitergeht, „fand das Team sogar Zeit, die Front des Wagens zu folieren“, staunte Vogel. Normalerweise stünde für so etwas eine Ersatzfront bereit, doch die wurde bereits am Tag vorher in ein anderes Auto verbaut. Binnen einer Stunde verlegten die Mitarbeiter von True Racing am Auto mit der Startnummer 75 zudem einen kompletten Kabelbaum – „ein unfassbarer Aufwand, unfassbar professionell“, meint Claus.

Auch die Emotionen der Rennfahrer ungefiltert mitzuerleben sei toll gewesen, sagt Vogel. „Laura Kraihammer kam in die Box und sagte, sie muss jetzt erst mal runterkommen, bevor sie wieder ans Steuer kann“, berichtet sie. Das sei eine unheimliche Leistung von und für Mensch und Material.

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Als faszinierend empfanden es die Klein Lengdener, wie mit ihnen in der Box umgegangen wurde. „Wir haben gedacht, wir sind immer im Weg“, lacht Vogel. Claus ergänzt: „Trotz der Hektik an der Box, wo so viele Techniker sind, die die wichtigen Leute heranpfeifen, waren alle so was von cool.“ So berichtet Vogel, wie der Österreicher Reinhard Kofler, der den X-Bow mit der Startnummer 114 auf den 21. Gesamtrang steuerte, ihr angeboten habe: „Wenn ihr ein Foto machen wollt, sagt Bescheid.“ Er müsse aber um 14 Uhr in die Startposition. Der Blick auf die Uhr offenbarte: Es war 13:53 Uhr – „Da wäre ich gar nicht mehr ansprechbar gewesen“, meint Vogel.

Von Tobias Christ