X
Fußball in Deutschland
Fußball International
Fußball-WM
Fußball in den Regionen
Motorsport
Fußball-Quiz spielen
Tischfußball

25 Jahre nach Atlanta-Gold: Leipziger Udo Quellmalz auch in Tokio an der Matte

Udo Quellmalz bei den Olympischen Spielen in Tokio. © Privat

1996 wurde Judoka Udo Quellmalz Olympiasieger im Halbschwergewicht. Bei den Spielen in Tokio ist der Leipziger wieder im Einsatz. Diesmal aber als Videoschiedsrichter. 

Tokio. Während der ersten Olympia-Woche feierte Judoka Udo Quellmalz sein 25-jähriges Gold-Jubiläum. Der 25. Juli 1996 war der größte Tag im Sportlerleben des gebürtigen Leipzigers: Der bis dahin schon zweifache Weltmeister im Halbleichtgewicht krönte sich mit dem Finalsieg gegen den Japaner Yukimasa Nakamura zum Olympiasieger im Halbleichtgewicht. Was gibt es Schöneres, als diese Erinnerung ein Vierteljahrhundert später erneut in der olympischen Judo-Halle zu begehen.

Anzeige

Der Leipziger, der bei seinem Heimatverein JCL (hervorgegangen aus dem SCL) als Vereinstrainer arbeitet, gehörte in den vergangen acht Tagen zu den wichtigsten Persönlichkeiten im imposanten japanischen Judo-Heiligtums Nippon Budokan, in dem die 14. 000 Plätze wegen der Pandemie freibleiben mussten. Quellmalz reist seit einigen Jahren als Supervisor zu den wichtigsten des Weltverbandes IJF um den Erdball. Nun wurde dem Sachsen die Ehre zu Teil, auch bei den Olympischen Spielen als einer der drei Videoschiedsrichter dabei zu sein.

Schick im Anzug: Udo Quellmalz (4.v.r.) als Videoschiedsrichter bei den Olympischen Spielen in Tokio. © Privat

Dieses Trio war vom ersten Vorkampf bis zum letzten Finale die höchste Instanz über die Wertungen. „Das ist eine riesige Verantwortung. Wir verfügen aber auch über fantastische Zeitlupen aus allen möglichen Perspektiven, um die Aktionen zu bewerten.“ Während der Videoschiedsrichter im Fußball im Keller sein Dasein fristet, saß Quellmalz im blauen Anzug mit roter Krawatte an der Tatami. Müdigkeit wegen Jetlag durfte er sich nicht erlauben. Der 54-Jährige ist ein alter Hase in Sachen Fernost-Reisen. Zum gefühlt 20. Mal war er im Judo-Mutterland zu Gast. Sein Rezept gegen Jetlag: Am Anreisetag nicht nur aufbleiben bis zum Abend, sondern nach der Ankunft etwas Sport treiben.

Quellmalz findet Mixed-Teams attraktiv

Vieles hat sich im Judo seit 1996 geändert. Die damals üblichen Beinfasser sind verboten. „Das hat dem Judo nicht geschadet“, meint Quellmalz: „Es ging vor allem darum, dass wieder aufrechter gekämpft wird, um unsere Sportart vom Ringen abzuheben.“ Dass heute bei Remis im Golden Score bis zur Entscheidung weitergekämpft wird, hätte ihm in Atlanta vielleicht die Goldplakette gekostet. Denn in seinem Finalkampf stand es am Ende Remis, die Kampfrichter entschieden sich für den aktiveren Kämpfer. „Für mich lief es im Finale nicht perfekt. Ich spürte, dass ich hinten liege. Zum Glück habe ich ihn noch auf den Bauch geworfen.“ Dies brachte zwar keine Wertung, aber den so wichtigen letzten Eindruck. Mit 2:1 Stimmen ging Quellmalz als Sieger hervor. „Ich hatte in der Nacht zuvor Gedanken im Kopf, die vor einem Finale nichts zu suchen haben. Zum Beispiel, welche Klamotten nehme ich mit, falls ich zum Siegerinterview ins Fernsehstudio muss.“

Die deutsche Judo-Legende Udo Quellmalz (l.) feiert mit Sebastian Seidl über seine Bronzemedaille. © dpa

Zwei andere Judo-Neuerungen hätte er gern damals schon erlebt. Die Olympiapremiere des Mixed-Teams findet er eine attraktive Sache. Seine Gewichtsklasse wurde von 65 auf 66 Kilo rauf gesetzt. „Nach meinem WM-Sieg 1995 wog ich um die 72 Kilo. Ich habe zum Bundestrainer gesagt: Ich trete noch genau einmal bis 65 Kilo an – in Atlanta.“ Dietmar Höttger willigte ein, gab Quellmalz seine Entscheidung schriftlich und verteidigte sie gegen alle Widerstände aus dem Verband und der Öffentlichkeit, zumal kurz vor Atlanta ein anderer Deutscher Europameister wurde.

Seinen Atlanta-Finalgegner, den er bereits 1995 bei der WM in Tokio besiegt hatte, begrüßt „Quelle“ ab und an bei großen Turnieren. Dicke Freunde sind sie nie geworden, was auch an der unterschiedlichen Kultur und Mentalität liegen könnte. Die Familienehre der Nakamuras stellte übrigens der jüngere Bruder Kenzo wieder her. Er bezwang den unbequemen Deutschen namens Quellmalz 1997 bei der WM in Paris – jedoch im 71-kg-Limit.

Region/Leipzig sportmix Sportmix Leipzig