15. August 2019 / 05:00 Uhr

Hansa Rostock: Gibt der Aufsichtsrat das Biankadi-Geld frei?

Hansa Rostock: Gibt der Aufsichtsrat das Biankadi-Geld frei?

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Wechselte vor der Saison von Hansa Rostock zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim: Offensivmann Merveille Biankadi (am Ball), hier im Zweikampf mit Wolfsburgs Robin Ziegele.
Wechselte vor der Saison von Hansa Rostock zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim: Offensivmann Merveille Biankadi (am Ball), hier im Zweikampf mit Wolfsburgs Robin Ziegele. © foto: Lutz Bongarts
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In der Sitzung bei Hansa Rostock geht es um 500 000 Euro, die in den Etat von Sportchef Martin Pieckenhagen fließen sollen – und um die Zukunft von Klubchef Robert Marien.

Vor vier Wochen verabschiedete sich Merveille Biankadi vom FC Hansa und wechselte zum 1. FC Heidenheim. 750 000 Euro überwies der Zweitligist für den schnellen Offensivmann nach Rostock. Doch Ersatz für den eigentlich fest eingeplanten Leistungsträger ist immer noch nicht in Sicht. Sportchef Martin Pieckenhagen konnte seitdem trotz gut gefüllter Kasse lediglich den bis dahin vereinslosen Mittelstürmer John Verhoek als Neuzugang präsentieren. Trainer Jens Härtel hatte nach dem schwachen Spiel in Unterhaching und nochmals nach dem Pokal-Aus gegen den VfB Stuttgart neues Personal gefordert, das seiner Mannschaft sofort weiterhelfen kann.

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Stattdessen stellten sich mit Stephan Andrist und dem Niederländer Dylan George im Mannschaftstraining und Kevin Weidlich (absolvierte zwei Fitnesstests) drei vereinslose Profis in Rostock vor – und konnten dabei nicht restlos überzeugen: Gestern teilte Hansa mit, dass „Stand heute“ keiner von dem Trio verpflichtet wird und man stattdessen „andere Optionen prüfen“ wolle. Pieckenhagen bleibt trotz des enttäuschenden Saisonstarts demonstrativ gelassen. „Wir haben bis zum 2. September Zeit, um in Ruhe Spieler zu verpflichten“, sagt er mit Blick auf die an diesem Tag endende Transferperiode für Spieler, die bei einem (anderen) Verein unter Vertrag stehen. Es sei „nicht immer so, dass hundert Prozent der Transfererlöse ausschließlich dem sportlichen Bereich zur Verfügung gestellt“ würden, meinte er etwas nebulös.

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Die 20 Abgänge, die dem FC Hansa Rostock die meisten Transfer-Einnahmen brachten. ©

Was der Sportchef nicht sagt: Sein Aktionsradius auf dem Spielermarkt ist begrenzt, denn die Einnahmen aus dem Biankadi-Transfer wurden vom Aufsichtsrat bisher offenbar nicht freigegeben. Nach OZ-Informationen will das siebenköpfige Gremium am Donnerstag in einer Sitzung darüber befinden, ob mit einem Teil des Geldes der Lizenzspieler-Etat erhöht wird. Dabei soll es um zwei Drittel der Gesamtsumme, also 500 000 Euro, gehen.

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Aus dem Erlös des Ioannis-Gelios-Transfers (für 300 000 Euro zu Holstein Kiel) flossen nach OZ-Informationen ebenfalls zwei Drittel in den Etat von Sportvorstand Pieckenhagen, der in Sachen Neuverpflichtungen nun endlich Nägel mit Köpfen machen könnte – wenn der Aufsichtsrat heute grünes Licht gibt. „Dass wir Verstärkung brauchen, ist selbstredend. Wir sind weiterhin auf der Suche“, meint der 47-Jährige, der jetzt liefern muss.

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Denn der Aufsichtsrat schaut ganz genau hin, welche Früchte die Arbeit des seit Jahresbeginn amtierenden Sportvorstandes trägt. In der Sitzung geht es heute auch um die Zukunft von Klubchef Robert Marien. Sein Arbeitsvertrag läuft – wie die Kontrakte von Pieckenhagen und Finanzvorstand Christian Hüneburg – zum Jahresende aus. Im Frühsommer schien eine Verlängerung der Verträge nur noch Formsache zu sein. Aufsichtsratschef Günter Fett bescheinigte dem Trio damals, „gute Arbeit“ zu machen. Dass die Verlängerung bis heute nicht über die Bühne gegangen ist, könnte mit dem mauen Saisonstart zusammenhängen (nur ein Sieg in fünf Pflichtspielen).

So viel scheint klar: Im Heimspiel am Sonnabend gegen Großaspach muss Trainer Härtel noch mit dem bisherigen Personal auskommen.