25. November 2019 / 16:09 Uhr

Hansa Rostock: Ist die Krise auch eine Härtel-Krise?

Hansa Rostock: Ist die Krise auch eine Härtel-Krise?

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Trainer Jens Härtel musste auf dem Betzenberg eine schwache Leistung seiner Mannschaft mit ansehen.
Hansa-Trainer Jens Härtel musste auf dem Betzenberg eine schwache Leistung seiner Mannschaft mit ansehen. © Lutz Bongarts
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Zum ersten Mal unter dem seit elf Monaten amtierenden Trainer haben die Koggekicker drei Liga-Spiele in Folge verloren. Der Auftritt von Hansa Rostock in Kaiserslautern offenbarte eklatante Defizite.

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Viele Fehler, keine Torchance, kaum Willen. Die indisponierte Leistung des FC Hansa am Sonntag in Kaiserslautern sorgte bei den Verantwortlichen für Ratlosigkeit und Frust. Sportchef Martin Pieckenhagen stampfte nach dem 0:2 auf dem Betzenberg restlos bedient durch die Katakomben des Fritz-Walter-Stadions. Trainer Jens Härtel suchte nach Erklärungen, warum seine Mannschaft – mal wieder – zum Aufbauhelfer für einen strauchelnden Klub geworden war. „Da hat uns alle ein Stück weit überrascht“, räumte Härtel ein und wunderte sich darüber, warum seine Spieler derart „körperlos agiert haben“, so dass der abstiegsbedrohte FCK bei seinem erst zweiten Heimsieg der Saison wenig Mühe hatte. Hansa in der fast schon obligatorischen Herbst-Krise – und keiner weiß genau warum.

Der Negativtrend ist alarmierend. Zum ersten Mal in der knapp einjährigen Amtszeit des Trainers hat sein Team drei Liga-Spiele in Serie verloren. Hansa steht derzeit schlechter da als vor einem Jahr: 22 Punkte, Platz zehn, sieben Zähler Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. In der Saison 2018/19 waren die Rostocker unter Härtel-Vorgänger Dotchev mit 25 Punkten Siebter und hatten nur vier Zähler Rückstand. „Wir müssen zusehen, dass wir möglichst schnell die Kurve kriegen. Am besten schon zu Hause gegen Würzburg“, sagte Härtel mit Blick auf das vorletzte Heimspiel der Hinrunde am kommenden Sonnabend.

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Der 50-jährige Sachse wird sich gegen die ebenfalls kriselnden Franken (Tabellen-15.) etwas einfallen lassen müssen. In Kaiserslautern war über 90 Minuten nicht zu erkennen, wie die Rostocker zum Erfolg kommen wollten. „In den Zweikämpfen waren wir gar nicht präsent, vorne konnten wir uns nur ganz selten durchsetzen. Unter dem Strich war das deutlich zu wenig“, haderte der Coach. Angedeutet habe sich dieser blutleere Auftritt zuvor nicht. In der Trainingswoche seien die Spieler „extrem aggressiv“ gewesen, meinte Härtel: „Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, als wir hergefahren sind. Aber wir haben es zu keiner Phase auf den Platz gebracht.“

Die personellen Wechsel nach der über weite Strecken überzeugenden Leistung im Heimspiel gegen Spitzenreiter Duisburg (1:2) zwei Wochen zuvor – Julian Riedel, John Verhoek, Nils Butzen und später Tanju Öztürk für den verletzten Nikolas Nartey kamen neu in die Mannschaft – überraschten nicht nur. Sie brachten auch nicht den offenbar vom Trainer erhofften Effekt. Im Gegenteil, Hansa ließ die sechste Saisonniederlage nahezu wehrlos über sich ergehen.

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„Auf die Art und Weise darf man hier nicht verlieren!“, ärgerte sich Torwart Markus Kolke, der hinter einer schlecht funktionierenden Fünfer-Abwehrkette hielt, was zu halten war. „Die Fehler müssen ganz klar angesprochen werden. Hinter verschlossenen Türen muss man sich mal deutlich die Meinung sagen!“, forderte der Vize-Kapitän Klartext. Mangelndes Selbstvertrauen nach zwei Niederlagen in Folge wollte der Keeper als Ursache für den schwachen Auftritt in der Pfalz nicht gelten lassen: „Selbstvertrauen holt man sich selber durch gute Aktionen, das gehört vielleicht auch zum Charakter jedes Spielers dazu.“

Für Angreifer Pascal Breier war die erste Rostocker Niederlage auf dem Betzenberg seit elf Jahren vor allem eine Frage der Einstellung. „Es war insgesamt von jedem zu wenig. Da muss sich jeder mal hinterfragen, ob das alles war, was er kann“, meinte Hansas Top-Schütze (sieben Treffer), der zunächst auf der Bank saß und nach seiner Einwechslung auf der ungeliebten Außenbahn spielen musste. Offensiv-Neuzugang Rasmus Pedersen war nicht mal für den 18-er-Kader nominiert worden. Bei den ins 800 Kilometer von Rostock entfernte Kaiserslautern mitgereisten Fans müsse man sich für diesen Auftritt entschuldigen, meinte Breier: „Die sind auch zwei Tage unterwegs, und dann spielen wir so einen Rotz, das ist zum Kotzen.“

Kaiserslautern konnte so zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr zwei Siege in Folge landen, während Hansa mit der neuerlichen Herbst-Krise hadert. „Wenn man drei Spiele hintereinander verliert, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass man sich in einem Abwärtsstrudel befindet“, sagte Markus Kolke: „So eine Serie darf in dieser Liga nicht passieren, denn ruckzuck hängt man wieder unten drin.“

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Hansa-Coach Jens Härtel vor der Partie. ©

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