15. Dezember 2019 / 14:26 Uhr

Hansa Rostock: Nichts geht mehr

Hansa Rostock: Nichts geht mehr

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Kapitän Julian Riedel (l.) und Nils Butzen stellen sich den Hansa-Ultras auf der Südtribüne.
Kapitän Julian Riedel (l.) und Nils Butzen stellen sich den Hansa-Ultras auf der Südtribüne. © LUTZ BONGARTS
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Hansa Rostock rutscht immer tiefer in die Krise. Am Ende der Hinrunde präsentiert sich die Härtel-Elf gegen den auswärts bis dahin sieglosen Chemnitzer FC nach der Pause in einer Besorgnis erregenden Verfassung.

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Sportvorstand Martin Pieckenhagen zog es vor, gar nichts zu sagen – Trainer Jens Härtel musste sich stellen und sprach sichtbar mitgenommen von einem „ganz bitteren Nachmittag“. Nach der 1:2 (1:1)-Pleite gegen den auswärts bis dahin sieglosen Chemnitzer FC entlud sich am Sonnabend bei vielen der 13 661 Zuschauer im Ostseestadion der ganze Frust über einen in der zweiten Halbzeit insdiskutablen Auftritt des Koggenklubs in wütenden Sprechchören. „Das hat mit Fußball nichts zu tun“ und: „Außer Kolke könnt ihr alle geh’n“, skandierten die Ultras auf der Südtribüne. Nach der fünften Niederlage in den vergangenen sechs Spielen steckt die Härtel-Elf in der Krise. Derzeit geht nichts mehr bei Hansa.

Angesichts der anhaltenden Talfahrt könnte das letzte Spiel 2019 am Freitag bei Viktoria Köln für den Trainer schon zum Endspiel werden. Zumal Pieckenhagens Rückendeckung für den Sachsen bereits vor dem Ostduell gegen den Tabellen-17. halbherzig geklungen hatte. Härtel stellte sich dagegen trotz der Pleite vor seine Spieler. „Die Mannschaft hat bis zum Ende alles versucht. Vom Engagement her war es ein guter Auftritt. Aber letztlich haben uns die Mittel gefehlt, um uns gegen die tief stehende Chemnitzer Abwehr durchzusetzen“, urteilte der 50-Jährige, der personell einiges ausprobierte. Den erhofften Effekt hatten die personellen Wechsel nicht: Rasmus Pedersen durfte erstmals von Beginn an ran, Julian Riedel kehrte in die Startelf zurück, und die Außenverteidiger Christian Neidhart und Nils Butzen tauschten die Seiten.

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Markus Kolke: ©

Im ersten Durchgang schien Härtels Kalkül aufzugehen. Hansa dominierte das Geschehen und erspielte sich mehrere gut Möglichkeiten durch Korbinian Vollmann und vor allem durch Pascal Breier, der nach 25 Minuten aus kurzer Distanz CFC-Torwart Jakubov tunnelte, zur umjubelten Führung traf und mit seinem achten Saisontor seine wochenlange Torflaute beendete. „Eigentlich muss ich ein, zwei Tore mehr machen. Dann läuft das Spiel vielleicht auch ein bisschen anders“, befand der Mittelstürmer selbstkritisch.

Stattdessen ließ sich die Hansa-Abwehr noch vor der Pause düpieren: In der Nachspielzeit glich Hosiner gegen eine einmal mehr indisponierte Rostocker Verteidigung für die Gäste aus.

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Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff nutzte Chemnitz einen kapitalen Fehler von Tanju Öztürk aus, der an der Mittellinie ein Luftloch schlug, und drehte durch den gerade eingewechselten Tallig das Spiel. Wie eine Woche zuvor gegen Uerdingen (1:4) gaben die Rostocker eine Führung aus der Hand. „Plötzlich liegst du mit 1:2 hinten und weißt nicht warum“, haderte Härtel. Danach musste der Trainer eine der schwächsten Halbzeiten seiner Mannschaft in dieser Saison mit ansehen.

„Am Ende ist es Scheiße! Vor Weihnachten wollten wir hier unbedingt gewinnen. Ich verstehe die Fans, dass sie stinksauer sind“, war Breier maßlos enttäuscht vom schwachen Auftritt der Hansa-Profis, die nach der dritten Heimniederlage Pfiffe und Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. „Es gibt sichere schönere Momente, aber so etwas gehört dazu, wenn man Fans hat die sehr enthusiastisch sind“, sagte Kapitän Riedel nach einem „Meinungsaustausch“ vor der Südtribüne mit Hansa-Ultras. „Es ist deren Recht, Kritik zu äußern, auch in der Vehemenz, aber beleidigen lassen müssen wir uns nicht. Das gehört sich nicht – bei allem Frust und aller Emotionalität“, meinte Riedel.

Auch Härtel übte Kritik an den Zuschauern, die schon während der zweiten Halbzeit ihren Unmut äußerten. Grundsätzlich könne er das zwar nachvollziehen, meinte der Trainer, „aber während des Spiels hilft uns das natürlich nicht. Man hat gemerkt, dass der eine oder andere dadurch verunsichert war.“ Die Stimmung auf der Hansa-Weihnachtsfeier am Sonntag war jedenfalls gründlich verdorben.

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Bildergalerie: Hansa Rostock - Chemnitzer FC 1:2 (1:1).


Nils Butzen (r.) gegen den Chemnitzer Daniel Bohl. Zur Galerie
Nils Butzen (r.) gegen den Chemnitzer Daniel Bohl. ©

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