06. Juni 2019 / 00:47 Uhr

Hansa-Trainer Jens Härtel wird 50: Vom Autohaus in den Profifußball

Hansa-Trainer Jens Härtel wird 50: Vom Autohaus in den Profifußball

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
So sieht man den Hansa-Trainer selten: Jens Härtel freut sich mit Amaury Bischoff über den Sieg im Landespokalfinale.
So sieht man den Hansa-Trainer selten: Jens Härtel freut sich mit Amaury Bischoff über den Sieg im Landespokalfinale. © Lutz Bongarts
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Der Trainer stieg mit dem 1. FC Magdeburg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga auf und soll Hansa Rostock wieder nach oben führen. Am Freitag feiert der Sachse seinen 50. Geburtstag.

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Der Weg von Trainer Jens Härtel in den Profifußball verlief nicht besonders geradlinig. Als er seinen ersten Job beim Verbandsligisten Germania Schöneiche antrat, verdiente der Sachse sein Geld in einem Autohaus. Trainer war er nur nach Feierabend. Nach Aufstieg und Klassenerhalt verließ er den brandenburgischen Verein, bei dem er 2005 seine Spielerkarriere hatte ausklingen lassen. Dass der einstige Zweitligaspieler wenige Jahre später den Ex-Europapokalsieger 1. FC Magdeburg wieder zum Leben erwecken und 2018 in die 2. Bundesliga führen würde, hätte er damals wohl selbst nicht für möglich gehalten. Seit Januar ist Härtel Chefcoach bei Hansa Rostock, am Freitag feiert er seinen 50. Geburtstag.

Seine kaufmännische Ausbildung im Autohaus schloss er „mit sieben Einsern und einer Zwei“ ab, wie sein damaliger Chef dem MDR erzählte: „Wenn Jens etwas gemacht hat, dann damals nur mit einhundert Prozent.“ Sein von vielen hervorgehobener Fleiß und seine Akribie dürften die Hauptgründe dafür sein, dass der gebürtige Rochlitzer in seinem Traumberuf als Trainer doch noch fest Fuß gefasst hat. „Er ist extrem akribisch, unglaublich detailversessen“, sagt auch Hansas Vorstandschef Robert Marien.

Hansa Rostocks Trainer seit 2000:

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Ex-Trainer von Hansa Rostock ©
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Von morgens bis abends sei er auf dem Klubgelände und arbeite daran, Hansa besser zu machen. „Er investiert unheimlich viel Zeit in seinen Job, ist ruhelos am Tüfteln“, so Martin Pieckenhagen, der seit fünf Monaten eng mit Härtel zusammenarbeitet und ihn seitdem als „sehr ehrgeizig und fleißig“ kennengelernt hat. „Er ist ein sehr strukturierter Trainer und Mensch, der den Jungs klar sagt, was er von ihnen erwartet“, erklärt Hansas Sportchef. Bei ihm werde nicht „rumgeeiert“. Geradlinigkeit, Disziplin, eine große innere Ruhe, Bescheidenheit und Bodenständigkeit sind Eigenschaften, die frühere Wegbegleiter Härtel bescheinigen.

Auf dem Trainingsplatz ist Co-Trainer Ronny Thielemann seit fünf Jahren, viereinhalb davon in Magdeburg, die rechte Hand seines Chefs. „Ronny ist ein sehr fleißiger, kommunikativer und lockerer Typ und vom Charakter her ein bisschen ein Gegenpol zu mir. Er weiß, wie ich ticke“, meint Härtel, der seit seiner Zeit beim SV Babelsberg 03 mit seiner Familie in Wilhelmshorst (Potsdam-Mittelmark) wohnt. So unterschiedlich die Charaktere der beiden Trainer sind, so ähnlich ist ihr Werdegang. „Eigentlich ist er fast identisch. Jens ist ein Kind der Kinder- und Jugendsportschule, ich genauso. Er war in Leipzig ich in Karl-Marx-Stadt“, erzählt Thielemann. Während Thielemann sich duzen lässt, sind die Spieler mit Chef Härtel per Sie. „Sie ergänzen sich unheimlich gut, arbeiten sehr harmonisch zusammen, verstehen sich ohne Worte. Jens ist sachlich, Ronny eher emotional“, beschreibt Marien.

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2007 hängte Härtel seinen Job im Autohaus in Schöneiche an den Nagel und nahm ein Angebot als Assistent von Dietmar Demuth beim SV Babelsberg an – sein erster bezahlter Job als Trainer. „Für mich war damals schon klar, dass er seinen Weg gehen wird“, sagte Demuth. Die Ausbildung zum Fußballlehrer schloss Härtel 2011 erfolgreich ab. In seinem Jahrgang waren mit Markus Gisdol (Hoffenheim, HSV), Markus Weinzierl (Augsburg, Schalke, Stuttgart), Roger Schmidt (Leverkusen), Tayfun Korkut (Hannover, Leverkusen, Stuttgart) und Thomas Schneider (Stuttgart) namhafte Kollegen, die schon in der Bundesliga gearbeitet haben.

In Bildern: Die Karriere von Jens Härtel, der seit Januar 2019 Cheftrainer bei Hansa Rostock ist.

Seine Karriere begann Jens Härtel bei Lok Leipzig, über Chemie, den FSV Böhlen und Sachsen Leipzig kam der Abwehrspieler 1993 zu Union Berlin. Für die Eisernen (hier mit Eckard Krautzun), bei denen er zwischen 1993 und 1996 sowie 1998 und 2001 spielte, stand er 137 Mal auf dem Platz. Zur Galerie
Seine Karriere begann Jens Härtel bei Lok Leipzig, über Chemie, den FSV Böhlen und Sachsen Leipzig kam der Abwehrspieler 1993 zu Union Berlin. Für die Eisernen (hier mit Eckard Krautzun), bei denen er zwischen 1993 und 1996 sowie 1998 und 2001 spielte, stand er 137 Mal auf dem Platz. © dpa/Imago

Für Härtel war Deutschlands Eliteliga nie das große Ziel, das ihn auf seinem Weg antreibt. „Ich wollte immer Trainer werden, aber das hätte am Ende auch ein Kreisligist sein können. Für mein Lebensglück ist es nicht notwendig, in der Bundesliga zu arbeiten. Das ist einfach nicht realistisch“, sagte Härtel mal im Wochenmagazin „Die Zeit“. Immerhin: In die 2. Liga hat er es schon mal geschafft. Der Aufstieg 2018 mit Magdeburg, es war der zweite in vier Jahren beim FCM, ist sein bisher größter Erfolg als Trainer. Es soll nicht der letzte bleiben.

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