29. März 2021 / 13:51 Uhr

30 Artikel für Menschenrechte: Das steckt hinter der DFB-Aktion mit den umgedrehten Trikots

30 Artikel für Menschenrechte: Das steckt hinter der DFB-Aktion mit den umgedrehten Trikots

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutschen Nationalspieler protestierten vor dem Spiel gegen Rumänien für Menschenrechte. Worum genau ging es dabei?
Die deutschen Nationalspieler protestierten vor dem Spiel gegen Rumänien für Menschenrechte. Worum genau ging es dabei? © dpa/SPORTBUZZER/Montage
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Die deutsche Nationalmannschaft setzt sich für die Menschenrechte ein. Auch beim zweiten WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien gab es wieder einen Protest von Manuel Neuer, Joshua Kimmich & Co. - diesmal mit umgedrehten Trikots. Doch was hatte es damit auf sich?

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Der Protest der deutschen Nationalspieler vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island (3:0) am vergangenen Donnerstag war nicht zu übersehen und zog weite Kreise: Nachdem die DFB-Stars um Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Kapitän Manuel Neuer die Botschaft "Human Rights" zeigten, war das Echo zunächst einhellig: Ein starkes Zeichen vor allem an WM-Gastgeber Katar, seit Jahren wegen Verletzungen von Menschenrechten in der Kritik. Später gab es jedoch auch zum Teil heftige Missbilligung für die Aktion, nachdem der DFB ein hochproduziertes Video mit einer Art "Making Of" veröffentlichte.

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Subtiler gingen Neuer & Co. am Sonntag vor der Partie gegen Rumänien zu Werke - man musste schon genauer hinschauen, um die Aktion richtig deuten zu können, die sich die Nationalspieler diesmal einfallen ließen: Als sie ihre Jacken für das obligatorische Teamfoto abstreiften, kamen darunter umgedrehte Trikots zum Vorschein. Erst nachdem das Bild im Kasten war, wurde das Jersey wieder richtig herum angezogen - die Ersatzspieler auf der Bank taten es ihren Kollegen in der Startelf gleich. Der DFB twitterte dazu: "Wir für 30!" Doch was hatte es damit auf sich?

Was bedeutet der Protest mit den umgedrehten Trikots?

Die nach vorne gerichteten Rückennummern sollten die Zahlen der insgesamt 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) der Vereinten Nationen (UN) symbolisieren. Ohne den Namen des kommenden WM-Gastgebers Katar zu erwähnen, sorgte die DFB-Auswahl damit erneut für ein Zeichen gegen die Zustände im Emirat, die auch schon die Teams aus Norwegen, Dänemark und den Niederlanden mit ähnlichen Aktionen kritisiert hatten. Besonders die Bedingungen für Gastarbeiter in Katar werden seit Jahren von Menschenrechtsorganisationen kritisch bewertet.



"Es ist etwas, was im Moment die Welt sehr prägt. Deswegen wollten wir da wieder ein kleines Zeichen setzen", sagte Kai Havertz gegenüber RTL. "Wir hoffen, dass solche kleinen Zeichen eine große Wirkung haben. Deswegen haben wir uns entschieden, das so zu machen."

Was steht in den 30 Artikeln für Menschenrechte?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN wurde am 10. Dezember 1948 in Paris verkündet. Dabei geht es um allgemeine Rechte, die ohne Ausnahme jedem Menschen auf der Welt zustehen sollen. In der Präambel erklärt die Generalversammlung der UN die Erklärung "als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal" .

Die UN-Generalversammlung legte in der AEMR vor allem grundlegende Ansichten über die Menschenrechte dar, in denen es etwa um Aspekte wie Freiheit, Verbot von Diskriminierung, Verbot von Sklaverei oder Folter, Gleichheit vor dem Gesetz, Anspruch auf ein faires Verfahren, Asylrecht, Religionsfreiheit, Recht auf Arbeit, Bildung und Wohlfahrt geht.

In Artikel 1 etwa steht wörtlich: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."

Warum berufen sich die Nationalspieler auf die 30 Artikel?

"Wir stehen alle für Fairplay, nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Und wir stehen für diese 30 Menschenrechtsartikel, für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Das wollten wir damit zeigen", sagte DFB-Kapitän Manuel Neuer bei RTL. "Wir sind natürlich gegen Diskriminierung und stehen auch für Toleranz und Vielfalt. Das ist auch das Gesicht der Mannschaft." Joachim Löw lobte seine Spieler. Es sei "absolut gut, dass sie nochmal ein Zeichen für Menschenrechte gesetzt haben", so der Bundestrainer. Die Idee sei "aus der Mannschaft" gekommen.

Die FIFA verzichtete nach den Aktionen des DFB-Teams, von Norwegen, Dänemark und den Niederlanden bislang auf Sanktionen gegen die Teams, obwohl politische Statements bei Spielen eigentlich untersagt sind.

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