24. Juli 2020 / 15:03 Uhr

30 Jahre FC Bad Lausick: Der vierte Pokalsieg

30 Jahre FC Bad Lausick: Der vierte Pokalsieg

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Achtelfinale verlor Gastgeber SV Naunhof (rot) gegen Bad Lausick mit 1:3.
Im Achtelfinale verlor Gastgeber SV Naunhof (rot) gegen Bad Lausick mit 1:3. © Bettina Finke
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Trotz einer rekordverdächtigen Pokalpause von Mitte November bis Anfang Mai konnte sich der FC Bad Lausick am Ende der Saison "Pokalsieger 2009" nennen und sich den vierten Pokal in die Vitrine stellen.

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Bad Lausick. Nach dem knapp verpassten vierten Pokalerfolg gegen den 1. FC Lok Leipzig startete der FC Bad Lausick im August 2007 in den neuen Wettbewerb mit einem Spiel beim SV Rüsseina. Kurz nach der Auslosung wurde der FC informiert, dass die Partie in Zschaitz stattfindet, weil Rüsseina seinen Platz als nicht pokaltauglich einschätzte. Keine 24 Stunden später die Kehrtwende, nun doch in Rüsseina. Offen blieb, ob der Name der erfolgreichsten Pokalmannschaft der letzten Jahre oder die Hoffnung auf den Heimvorteil den Ausschlag gab. 250 Zuschauer, bestes Wetter – aber auch ein Platz, welcher von der Größe her an Thierbach und Fuchshain erinnerte und zudem eine mehr als gewöhnungsbedürftige Schräglage aufwies. Das (wie auch die Minikabinen) war aber nicht das Hauptproblem der Gäste: Es fehlte der Koffer mit der Spielkleidung!

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Der war, warum auch immer, in Bad Lausick vergessen worden. Es gelang einen nachreisenden Fan zur Umkehr zu bewegen und so trafen kurz vor Spielbeginn doch noch die Trikots ein. Rüsseina führte nach 12 Minuten 2:0, das Aluminium und Schötzke im Tor verhinderten ein komplettes Debakel zur Pause.

Dem schnellen Anschlusstreffer durch Hengst folgten zwei hundertprozentige Möglichkeiten des Gastgebers, der damit aber sein Pulver verschossen hatte, dem hohen Tempo Tribut zollen musste und durch Mathias Wipper (2) und Jens Mauersberger die entscheidenden Tore zur 2:4-Niederlage kassierte. Den sechs Toren in Runde eins ließen die Lausicker in Runde zwei gegen den SSV Stötteritz gar neun Treffer folgen. Auch dies war ein Spiel für die FC-Analen. Wie schon in Rüsseina lag der FC auf eigenem Platz nach 15 Minuten 0:2 zurück. Zur Pause stand es 2:2 (Mauersberger, Richter), bevor sich in der Schlussphase die Ereignisse überschlugen.

Torreicher Auftakt gegen Mügeln

Michel Richters Führungstreffer (73.) glichen die Gäste vom Punkt aus (Piontek, 76.). Erneut Richter (82.) und Hengst (87.) brachten zwar eine 5:3-Führung, aber keine Ruhe in die FC-Reihen, denn Bieleit brachte die Gäste nochmals auf 4:5 heran (89.). Im Achtelfinale ging die Reise zum Pokalsieger von 2005, nach Leipzig zu Rotation. Ein Feiertagsspiel, dem nur vier Tage später ein Punktspiel folgen sollte.

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Die schnelle Kurstädter Führung (Wipper, 9.) sorgte für Sicherheit. Das einzige Manko: man ließ einige Chancen zum 2:0 leichtfertig liegen und wurde am Ende bestraft. Nach dem 1:1 (85.) hatte Kleinert zweimal nur noch den Leipziger Keeper vor sich, doch dieser blieb Sieger. Damals noch unüblich, zog sich die Nachspielzeit in unerwartete Länge. Ein unnötiges Rückspiel führt zum letzten Eckball und aus einer Spielertraube heraus schraubte sich Völz am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. Das folgende Punktspiel ging ebenfalls mit 1:3 verloren, auch hier fiel der entscheidende Treffer erst in der Schlussminute.

Am Saisonende ging, trotz des erneut guten vierten Platzes, der Trainerstaffelstab von Rene Vierig auf Ingmar Nehring über. Den Auftakt im August 2008 bildete das Match beim BC Mügeln. Kein Problem, denn bereits zur Pause waren mit 4:0 alle Messen gesungen. Am Ende hieß es gar 7:0 für den FC. In Runde zwei sah es etwas anders aus, denn beim SV Liebertwolkwitz hingen die Trauben für den FC immer hoch. Das 3:1 war letztlich verdient.

Packendes Finale gegen SG LVB

Im Achtelfinale gab es mit dem Derby gegen den SV Naunhof ein echtes Highlight. Erneut begegneten sich die Kontrahenten innerhalb von wenigen Tagen zweimal. Das Pausen-1:1 (Kleinert/1., Riczisi/43.) geriet zur Nebensache. Denn innerhalb von 20 Minuten schieden Mauersberger, Naß und Wirth verletzt aus – die angeforderte Notarztbesatzung staunte nicht schlecht. Kleinert und Wipper sorgten nach der Pause für den 3:1-Erfolg. Die dann auch im Punktspiel mit 2:0 in Naunhof erfolgreich blieben. Im Viertelfinale kam Wurzen nach Bad Lausick. Beim ATSV war kurz zuvor der Trainer zurückgetreten, hinzu kam der Ausfall mehrerer Stammkräfte. Ein 8:0 hatte beim FC trotzdem keiner auf der Rechnung, dank vier Tore innerhalb von 19 Minuten war bereits vor der Pause alles klar. Das Halbfinale ließ lange auf sich warten – bis heute ein Phänomen der Saisonplanung.

Von Mitte November bis Anfang Mai dauerte die Pokalpause. Zu Gast war mit dem FV Bad Düben eine Mannschaft, die als Tabellenletzter dem an die Spitze strebenden Lausickern zum Jahresende 2008 eine blamable 0:3-Niederlage auf dem Grimmaer Kunstrasen beigebracht hatte. Davon konnte diesmal keine Rede sein. Vor 350 Zuschauern trafen Kleinert (24.und 88.), Metzler (44.) und Wipper (68.) zum klaren 4:1. Die Gäste sorgten ihrerseits nur nach dem zwischenzeitlichen Treffer zum 2:1 (65.) kurz für Spannung.

Das Los hatte den FC Bad Lausick erneut das Heimrecht im Endspiel beschert, Gegner war zu Pfingsten 2009 die SG LVB. Auch hier ungewöhnlich: Erst eine Woche zuvor gab es das Duell um Punkte, beim 0:0 in Leipzig galt das Motto möglichst keine Verletzungen riskieren und nicht zu zeigen, was man im Finale vorhatte. Rund 500 Zuschauer sahen ein packendes Spiel, zur Pause stand es 1:1. Kleinerts Führung (33.) glich Sorgatz in der Nachspielzeit vom Punkt aus.

In einer Riege mit Fortuna Leipzig und Motor Grimma

Der Spannung folgte Dramatik nach der Pause. Strafstoß für den FC: Reimann im LVB-Kasten blieb Sieger, foulte aber den nachsetzenden Liebeheim, es ertönte der nächste Strafstoßpfiff. Liebeheim schoss selbst – doch wieder war Reimann zur Stelle.

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Die Entscheidung folgte nach 68 Minuten, als Kleinert in eine Flanke lief und Reimann per Kopf zum 2:1 überwinden konnte. Die Schlussphase wurde zur Nervenschlacht, Kirilow ließ frei vor Schötzke das 2:2 liegen (80.). Dann flog Michel Richter mit glatt Rot vom Platz (89.), sorgte somit für fast sechs Minuten Nachspielzeit, ehe sich Spieler und Zuschauer freudig in den Armen lagen. Eine volle Dekade Pokalspiele (1999 bis 2009) endete mit dem vierten Sieg des FC Bad Lausick.

Dazu drei Halbfinalteilnahmen – dies können im Bereich des Leipziger Verbandes nur noch Fortuna Leipzig (1929 bis 1932) und Motor Grimma (1954,1986,1969 und 1971) vorweisen. hpw