09. Februar 2021 / 14:36 Uhr

Der Mann, der Wolfsburg in den Profi-Fußball führte: Vor 30 Jahren ging's los

Der Mann, der Wolfsburg in den Profi-Fußball führte: Vor 30 Jahren ging's los

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mit einem Anruf vor 30 Jahren fing alles an: Uwe Erkenbrecher ist wie kaum ein anderer Trainer mit der Fußball-Szene der Region verbunden.
Mit einem Anruf vor 30 Jahren fing alles an: Uwe Erkenbrecher ist wie kaum ein anderer Trainer mit der Fußball-Szene der Region verbunden. © imago/nph
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Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren klingelte in Köln das Telefon von Uwe Erkenbrecher. Der VfL Wolfsburg war dran und lockte den  weitgehend unbekannter Fußballlehrer nach Niedersachsen. Erke sollte dort Spuren  hinterlassen wie kaum ein anderer. Er führte den VfL in den Profi-Fußball, kehrte nach exotischen Ausland-Engagements immer wieder in die Region zurück und hat in drei Jahrzehnten auch stets polarisiert.

Die Zukunft des VfL Wolfsburg fing an einem Mittwoch an. An einem Mittwoch im Jahr 1991. In der 3. Liga. „Wahrscheinlich im Februar“, erinnert sich der Mann, mit dem die Zukunft begann. „Das genaue Datum weiß ich nicht mehr, aber an den Tag, an dem ich den Anruf bekam, es dürfte Peter Pander gewesen sein, erinnere ich mich. Ich sagte noch: ,Ich bin in Eile, wir haben gleich Tennis.‘ Denn mittwochs um zehn habe ich mit meiner Frau Petra immer zwei Stunden Tennis in Köln-Weiden gespielt.“ Der Anruf des damaligen Wolfsburger Liga-Obmanns Pander muss überzeugend genug gewesen sein. Mit Uwe Erkenbrecher, damals Nachwuchstrainer beim 1. FC Köln, begann die Fußball-Zukunft des VfL Wolfsburg vor genau 30 Jahren.

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Erkenbrecher, ein Trainer, der danach unglaublich viele Stationen hatte, und der andererseits eigentlich nie aus der Region weg war. Doch dazu später. Zurück zum Traum vom Profifußball in Wolfsburg.

Uwe Erkenbrecher 1974
Uwe Erkenbrecher 1974 ©

Der VfL war zwar zwischendurch auch mal in der 2. Liga gewesen, aber da war er mit seinen Teilzeitprofis meist Kanonenfutter und gleich wieder abgestiegen. Diesmal sollte es anders werden, hatte sich die 1991 neu aufgestellte Fußball-Sparte auf die Fahnen geschrieben. Und dazu sollte auch ein neuer Typ Trainer gehören. Jung, dynamisch, Fußballlehrer, hungrig. Peter Pander, der langjährige Manager, da am Anfang dieser Karriere, rief in Köln-Weiden an.

Bei Erkenbrecher. Eines Tages wird sein Name vielleicht im Schatten stehen nach einem deutschen Meistertitel unter Felix Magath und dem Pokalsieg mit Dieter Hecking, mit Champions-League-Triumph gegen Real Madrid und vielfachen Auftritten auf Europas Bühnen.

Erkenbrecher wiederum wurde nie ein Bundesliga-Trainer, hatte auch als Profi nicht die Vita eines Hecking oder Magath, dennoch war er das wohl entscheidende Teil im Puzzle, das der neue Fußball-Vorstand 1991 auf dem Planungstisch verteilt hatte. Das Team hatte einige gute Spieler, etwa Michael Geiger, Frank Plagge oder Heiner Pahl, alles Ex-Braunschweiger.

Wolfsburg aber war eine graue Maus. Die Eishockey-Profis des ESC hatten damals mehr Zuschauer, die Kulisse am Elsterweg war meist überschaubar. Davon ließ sich Erkenbrecher nicht abschrecken, obwohl er das fußballerische Vermögen der Volkswagenstadt erlebt hatte – als er 1977 19 Spiele für Wattenscheid 09 in der 2. Liga absolvierte – ging es unter anderem gegen den späteren krachenden Absteiger.


Erkenbrecher, gebürtiger Delmenhorster, größer geworden in Aachen, dann als Jugendlicher in Bremen, hatte 24 Bundesliga-Einsätze für Werder, war bei Wattenscheid 09, später auch bei Göttingen 05. Ganz fremd war ihm Wolfsburg nicht, doch das lag beim Anruf 1991 schon weit zurück. In den 80ern betrieb er eine Tennisschule in Lippstadt, war Tennistrainer, die Kombination mit Fußball schien ihm passig. Bis ein Angebot von Christoph Daum und dessen Co-Trainer Roland Koch kam, um Nachwuchstrainer des 1. FC Köln zu werden. Tennis wurde nun zum Hobby. Den Fußballlehrerschein hatte er da längst in der Tasche, hatte ihn übrigens im Jahrgang mit dem früheren VfL-Torjäger Wilfried Kemmer gemacht.

Oft unterwegs: Uwe Erkenbrecher.
Oft unterwegs: Uwe Erkenbrecher. © imago sportfotodienst

Mit einem jungen, hungrigen Trainer aus dem zum Inventar der Oberliga Nord zählenden VfL Wolfsburg mehr machen – das war der Plan des neuen Fußball-Vorstandes gewesen, Manager Pander hatte die erste konkrete Vorarbeit geleistet. Bald nach dem ersten telefonischen Kontakt kam man sich näher. Raststätte Garbsen. März 1991. „Da traf ich mich zu einem persönlichen Gespräch mit Pander. Nicht viel später saß ich dann mit ihm, Manfred Aschenbrenner, dem damaligen Fußball-Chef, und Finanzleiter Claus Walter Schreinecke zusammen“, erinnert sich Erkenbrecher. „Beim Chinesen an der Aral-Tankstelle in Vorsfelde haben wir uns dann geeinigt. Und das Ganze finalisiert.“

Erkenbrecher weiter: „Peter Pander hatte erklärt, dass es vielleicht im Sommer zum Aufstieg reichen könnte, aber das werde schwierig, die Leistungsdichte fehle. Er sagte: ,In den nächsten zwei Jahren wollen wir aber hoch.‘“ Der VfL scheiterte in der Aufstiegsrunde am FC Remscheid, Erkenbrecher löste wie geplant Ernst Menzel ab. Wichtig für die Zukunft aber auch: Anfang 1991 war der Wolfsburger Junge Siggi Reich nach seiner langen Torjäger-Karriere in höheren Gefilden heimgekehrt, aber noch nicht spielberechtigt. Zur Saison 1991/92 war er dabei. „Der Verein hatte sich umstrukturiert, wollte in moderne Zeiten. Ich war ein junger Trainer, mit viel Fachwissen, kam aus Köln, ich glaube, zu der Zeit war das schon ein wenig exotisch“, erinnert sich Erkenbrecher. „Es gab noch kein Internet, andere Bundesländer waren fern, manche Klubs schienen unerreichbar, die hatten ganz andere Strukturen. Und die wirkten sooo viel größer. Man kannte die ja fast nur durch die Schlagzeilen. Zu manchen Klubs hat man aufgeschaut. Als ich als Jugendlicher bei Werder war – wenn man zu Turnieren kam, was die für Klamotten hatten, wie die aufliefen, da waren wir noch weit hinterher. Da der Informationsfluss spärlicher war, hatte man einerseits viel Respekt vor den großen Klubs und zugleich war es viel aufwendiger als heute, Informationen zu sammeln oder auch Wechsel in die Wege zu leiten.“

Vom Klub mit dem großen Namen FC in die niedersächsische Provinz – für Erke, wie er immer genannt wurde, war das kein Problem: Seine Fürsprecher Daum und Koch in Köln waren schon weg, „ich wusste, mein Vertrag wird nicht verlängert“, dazu das interessante Konzept des VfL.

Hauptamtlicher A-Jugendtrainer, im Prinzip Nachwuchsleiter, in Köln gab es zu der Zeit sogar einen hauptamtlichen B-Jugendtrainer - dagegen standen beim VfL Wolfsburg, wenn man vom Intermezzo Horst Hrubesch 1988/89 absieht (mit dem der Aufstieg nicht gelang), in der Regel nebenberufliche Trainer. Erkenbrechers direkter Vorgänger Ernst Menzel aus Wolfenbüttel war Hauptmann bei der Bundeswehr.

In Köln hatte er sein eigenes Büro gehabt, in Wolfsburg musste erst einmal eines für ihn her. Erkenbrecher mit einem Schmunzeln: „Ich glaube, meines in Wolfsburg war vorher der Raum für die Reinigungskraft gewesen. Ich war der erste Trainer, der beim VfL ein Büro hatte, später hat das Manager Pander noch eine Zeit genutzt. Das war im Kabinentrakt am Elsterweg, in dem oben die Gaststätte ist.“

Aufstieg in zwei Jahren war der Plan, doch unter Erkenbrecher wurde es ein Start-Ziel-Sieg. Am Ende war das Team mit dem besten Torverhältnis mit vier Punkten Vorsprung Meister. Zwischendurch aber hatte es auch schon einmal geknirscht. Der Coach, mit damals 37 nicht viel älter als einige seiner obendrein als Fußball-Profis viel erfahreneren Leistungsträger wie Pahl oder Reich, ging manchem auch schon mal mit seiner akribischen Art auf die Nerven. Und vielleicht auch mit dem professionellen Angang, den mancher so in Wolfsburg noch nicht erlebt hatte. Doch die Rechnung ging auf.

Erkenbrecher sagt rückblickend: „Meine Stärke war vielleicht auch meine Schwäche. Meine Stärke war, dass ich überzeugt war von meinem Fachwissen, von dem, was ich kann. Ich bin geradeaus gegangen. In einigen Fällen war das gut, aber es war nicht immer gut.“ Über Details ist Gras gewachsen. „Wir hatten einige Führungsspieler. Es ist lange her. Aber auf dem Platz, spielerisch, habe ich die immer unter einen Hut gekriegt.“

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Impulsiv war er, manchmal wirkte er launisch. Er gibt zu: „Wenn mir was im Weg gestanden hat im Leben, war‘s wohl seltener das Fachliche, eher das Menschliche. Das ist zumindest das, was ich von anderen so gehört habe. Wenn ich sagen müsste, ich bin nicht ehrlich oder nicht offen, das würde mir mehr wehtun. Dass ich menschlich vielleicht mal ein wenig schwierig bin, das ist dann so. Der Typ, der jeden Tag fröhlich aufsteht und immer gute Laune hat – toll, das bewundere ich, aber das bin ich nicht. Und könnte mir das nicht mal antrainieren.“

 Man spürt im Gespräch, dass der Coach altersmilder geworden ist, er Fußball dennoch weiter atmet, man spürt, wie sehr der Coach, der sich selbst als einer „mit fordernder Art“ bezeichnet, auch heute noch stolz auf die Truppe von damals ist: „Die Mannschaft wollte sich beweisen und aufsteigen. Siggi Reich war trotz seiner Vita keiner der sagte: ,Ich habe ja auch einen Job bei VW, ich ruhe mich auf dem Platz aus.‘ Der wollte immer gewinnen. Die Mannschaft hatte hohes Potenzial, ich habe sie gereizt, viel Arbeit investiert. Von meiner Linie habe ich mich nie abbringen lassen, aber ich hatte auch das Glück, das kann ich wirklich so sagen, das Riesenglück, dass ich Top-Spieler zur Verfügung hatte. Bin ich mit Reich klargekommen, das wird ja oft gefragt. Der Siggi hat in 20 Monaten bei mir 43 Tore geschossen. Oberliga-Torschützenkönig mit 21 Toren, in der Aufstiegsrunde neun, dann noch 13 in der Zweitliga-Hinrunde, egal, wie wir miteinander klargekommen sind – er hat unter dem Strich seine Leistung gebracht!“ Und noch einer war wichtig im Puzzle: „Pander gehört auch dazu, der hatte die richtigen Schlüsse gezogen. Es hat gepasst.“

Im Sommer 92 erlebte Wolfsburg lange vermisste Fußball-Feiertage. „Wir waren froh, dass wir in die 2. Liga gekommen sind, wir waren ja nicht mal Favorit, von VW gesponsert zwar, aber schlecht angesehen bei den drei Ostvereinen. Es war eigentlich drei gegen eins, die hätten die Karten lieber unter sich gemischt, wenn das gegangen wäre, als uns hoch zu lassen. Das hat ja dann auch dieses 8:2 von Union Berlin am Schluss in Zwickau gezeigt.“ Wolfsburg aber patzte nicht und war durch.

Das Aufstiegsjahr hätte kein unglücklicheres sein können. Durch eine neue Ligenstruktur spielte die 2. Liga mit 24 (!) Teams, sieben (!) Absteiger sollte es geben. Mit dem 26. Rückrunden-Spieltag war Erkenbrechers Zeit als Coach in Wolfsburg (erst einmal) vorbei. Nach einem 1:2 gegen die Stuttgarter Kickers stand der VfL auf Abstiegsplatz 19, Erke musste gehen. Interessante Randnotiz: Für die Stuckis hielt Claus Reitmaier wie „ein Weltmeister“, so Erkenbrecher. Er kostete mit Glanzparaden für den Karlsruher SC später auch Willi Reimann das Amt als Wolfsburger Bundesliga-Trainer. Auch an einem 26. Spieltag. Was Erkenbrecher wiederum im Anschluss sein einziges Spiel als (Interims-)Coach in der Bundesliga bescherte (0:2 in Bremen). Dann kam Wolfgang Wolf und ein paar Monate später Reitmaier zum VfL.

Das Aus beim VfL – in einer Saison mit einer 24er-Liga, „das war brutal. Ich glaube zwar, wir hätten es auch mit mir geschafft, vielleicht fehlte mir damals in der Situation die Erfahrung, mit der prekären Situation umzugehen, Peter Pander vielleicht auch.“ Eckhard Krautzun wurde Erkes Nachfolger.

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Der VfL rettete sich haarscharf, unter anderem, weil ihm direkt nach Erkes Beurlaubung unter Co-Trainer Dieter Winter beim späteren souveränen Aufsteiger SC Freiburg ein 3:1 durch drei Treffer von Reich gelang. Mit dem Klassenerhalt war der Grundstein für Wolfsburgs Profi-Karriere gelegt.

Erkenbrecher wurde als Trainer ein Wanderer. Doch sein Lebensmittelpunkt blieb praktisch immer Calberlah. „Das kam durch die Kinder, Yannick ist in Paderborn geboren, Steffen in Geseke, ich hatte ja in Paderborn gespielt. Nach dem Wechsel zum VfL suchte ich in der Nähe eine Wohnung, Calberlah war mir eigentlich zu weit weg, dann habe ich festgestellt, ist gar nicht so weit, dann haben wir erst über der Schwimmschule gewohnt, 1994 dann ein Haus gekauft.“

Da liefen schon die Wanderjahre. VfL 93 Hamburg, Jena, noch mal VfL 93 Hamburg. Ein Umzug war kein Thema. „Yannick fühlte sich super wohl in der Schule, Steffen war im Kindergarten. Wir haben uns nach einem Haus umgehört, vielleicht Ehmen, Mörse... Yannick war der Wortführer, meinte: ,Calberlah! Ansonsten bleibe ich hier und ziehe in die Garage.‘ Wir hatten uns in Calberlah immer wohlgefühlt, Petra hat gespürt, dass es im Profifußball schnell hin- und hergehen kann. Da sind wir halt dageblieben. Ein bisschen norddeutsch bin ich ja sowieso.“ Nur für ein Engagement in Lübeck war das Haus mal vermietet, dann kam man zurück. Erkenbrecher erzählt: „Yannick und Steffen hatten einen großen Freundeskreis, beide waren gut im Fußball, Yannick auch im Tennis. Petra und die Kinder waren so richtig integriert und beliebt im Dorf. Und ich?“ Erke muss schmunzeln, als er sagt: „Ja, ich war der Trainer, ich weiß gar nicht, wie man das formulieren soll, ich hab‘ irgendwie nicht so richtig dazugehört.“

Erkenbrecher, der durchaus immer humorvoll war, kann heute auch leichter über sich selbst lachen. „Dazu kommt, wenn du Trainer bist, weiß jeder im Dorf, was du am Sonntag gemacht hast, was auf dem Platz wieder los war.“ Und mancher scherzte hinter vorgehaltener Hand: Bald ist der Erke wieder hier. War ja auch so.

Er trainierte Greuther Fürth, ging mit seinem alten Kumpel Roland Koch nach Teheran, war Coach in Estland und bei Rot-Weiss Essen, in Indonesien und in der Region. Beim VfB Fallersleben, dem MTV Gifhorn und immer mal wieder beim VfL Wolfsburg II. Insgesamt sieben Jahre stand er in Diensten des VfL, wenn auch meist beim VfL II. Zu Pander und auch zum späteren langjährigen Fußball-Chef Wolfgang Heitmann hatte er stets ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis. Den VfL II hatte er in die 3. Liga geführt, wer auch mal als Willi Reimanns möglicher Co-Trainer im Gespräch, Reimann aber wollte Dietmar Demuth. Unter Gerd Roggensack war er 1995 wieder ein Kandidat für den Co-Trainer-Posten, aber Roggensack flog, bevor das konkret wurde. Interims-Trainer unter Wolfgang Wolf war er dann bis zum Ende der Saison 1997/98.

Bedauert er, nie richtiger Bundesliga-Coach gewesen zu sein? Erkenbrecher sagt: „Rückblickend betrachtet würde ich meine Karriere anders angehen, aber ich bin der Typ, der eine Aufgabe annimmt, sich reinkniet.“ Das führte nie in die Bundesliga, und es beschäftigte ihn auch nicht so sehr, sagt er. „Mit Greuther Fürth waren wir nahe dran, verspielten aber die Chance, es am letzten Spieltag noch in der Hand zu haben. Wenn das damals geklappt hätte… Alles in allem war die Bundesliga eigentlich meist zu weit weg von meinen Teams, als dass der Gedanke an die Bundesliga zu einem Traum hätte reifen können.“

Hätte er gedacht, dass es mit Wolfsburg mal so weit geht? „Nein“, sagt der Fußballlehrer. „Ich glaube, es war irgendwann 1995, da hat Pander zu mir gesagt: ,Die 2. Liga ist nix, wir wollen in die erste Liga!‘, und ich weiß noch, wie ich mit meiner Frau darüber gesprochen habe, meinte: ,Petra, weißt du, was der Pander möchte? Bundesliga möchte er.‘ Und ich dachte: Mein lieber Freund, das sind mutige Gedanken. Die waren 14 oder 15 Jahre lang nicht in der 2. Liga gewesen, dann zwei, drei Jahre mal wieder in der 2. Liga. Nein, Bundesliga habe ich nicht für möglich gehalten. Und dann habe ich es quasi direkt miterlebt!“ Er war U23-Trainer des VfL, während das Profi-Team aufstieg.

In der Rückschau auf 30 Jahre muss der Aufstiegsmacher von 1992 auch heute noch Worte suchen. Verständlich, denn eigentlich ist es ein Wunder, das Erkenbrecher treffend skizziert: „Wahnsinn, diese Entwicklung ist Wahnsinn. Vereine, die in so langer Zeit die neu erreichte Klasse nie wieder nach unten verlassen haben, die sind doch ganz selten.“

Und er erinnert sich: „Beim Treffen 2017, da waren ja fast alle Spieler aller Zeiten da, von Diego Klimowicz über Marcelinho bis hin zu Edin Dzeko. Wenn man die ganze Palette an Spielern durchgeht, die in Wolfsburg waren – einfach unglaublich. Die Stadt hat sich ja auch wahnsinnig entwickelt, wirklich enorm. Aber im Vergleich mit der sportlichen Entwicklung des Wolfsburger Fußballs liegen da immer noch Lichtjahre dazwischen.“

Erkenbrecher arbeitet als Ganztagsbetreuer für Schulen bei der Stadt Gifhorn. Doch auch mit inzwischen 66 Jahren hat er immer noch Fußball-Feuer. In der Abteilungsleitung, wie er es für Vahdet Braunschweig mal machte, oder als Trainer, „jungen Leuten etwas vermitteln“, das möchte er noch. Erke, 2017 mit seiner Frau („Petra stammt aus Düsseldorf, ist eigentlich ein absoluter Stadtmensch, die Kinder waren aus dem Haus“) nach Braunschweig gezogen, sagt: Die Trennung vor einem Jahr bei Oberligist Lupo/Martini – „mit dem ganzen Corona-Jahr, das dann folgte, so will ich eigentlich nicht aufhören“.

Das Sonderheft zur VfL-Rückrunde
Das Sonderheft zur VfL-Rückrunde ©

Der Text stammt aus dem AZ/WAZ-Sonderheft zum Rückrundenstart, erschienen am 23. Januar 2021.