03. Oktober 2021 / 19:17 Uhr

40. Geburtstag: Kanu-Ass Rauhe noch im Taumel der Emotionen und Wertschätzung

40. Geburtstag: Kanu-Ass Rauhe noch im Taumel der Emotionen und Wertschätzung

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor zwei Monaten hatte Ronald Rauhe als Noch-39-Jähriger in Tokio zum zweiten Mal Olympiagold geholt.
Vor zwei Monaten hatte Ronald Rauhe als Noch-39-Jähriger in Tokio zum zweiten Mal Olympiagold geholt. © imago images/Sven Simon
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Acht Wochen nach seinem Karriereabschluss mit Olympiagold feiert der Brandenburger sein Jahrestag-Jubiläum – aber entspannt, weil die Kraft nicht mehr reicht. Seine berufliche Zukunft liegt nun in der Bundeswehr und Selbstständigkeit.

Wenn Ex-Leistungssportler ihren 40. Geburtstag feiern, liegen die großen Erfolge für gewöhnlich bereits etwas länger zurück. Auf Ronald Rauhe, der am Sonntag die vierte Lebensdekade voll gemacht hat, trifft das nur teilweise zu. Der Rennsportkanute des KC Potsdam im OSC gewann zwar bereits 1999 seine erste WM-Medaille, wurde 2004 erstmalig Olympiasieger – aber eben holte er nach vielen weiteren internationalen Triumphen auch noch vor nur acht Wochen zum zweiten Mal olympisches Gold. Dazu durfte der Falkenseer bei der Abschlussveranstaltung die deutsche Fahnen tragen. „Das war ein Traumabschluss meiner Karriere. Wie nach Drehbuch”, sagt Rauhe.

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"Das ist stressig, aber ich genieße es"

Die vielen Emotionen rund um den Sieg im Kajak-Vierer über 500 Meter habe er noch immer nicht voll verarbeitet, sei bislang nicht zur Ruhe gekommen. „Ich taumel noch.“ Viele Termine hat der Vorzeigeathlet nach den Sommerspielen von Tokio wahrgenommen, im Fernsehen, im Radio, bei Unternehmen. „Das ist stressig, aber auch eine Wertschätzung, die ich genieße“, sagt der 16-fache Weltmeister. Für ihn gehe es dabei auch darum, seinen geliebten Sport ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. „Die Chance, die ich jetzt dazu habe, hatte ich vorher noch nie in meiner Karriere.“

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Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. Zur Galerie
Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. ©

An seinem Geburtstag zog es den gebürtigen Berliner aber in den privaten Kreis. Mit Familie und Freunden feierte er zu Hause ein „kleines „Oktoberfest“ mit Weißwurstfrühstück und einem entspannten Tag zusammen. Eine große Party, das gab er zu, hätte er „nicht durchgehalten“. Denn erst am Samstag war Rauhe aus Spanien zurückgekommen. Dort hatte er mit weiteren Spitzenathleten beim „Club der Besten“ der Deutschen Sporthilfe geweilt. „Es war eine Woche mit Erholung und Spaß, aber auch mit Feiern.“ Für eine rauschende Sause zum 40. reichte die Kraft nicht mehr.


Projekt: Ernährung für Familien

Vorfreudig und energiegeladen blickt Rauhe jedoch auf seine Zukunft in der Arbeitswelt. Nach vielen Jahren als Sportsoldat wurde er inzwischen zum Berufssoldaten ernannt. Seine Perspektive liege jedoch nicht beim Dienst an der Waffe, stattdessen wird ein Betätigungsfeld gesucht, das seiner Kernkompetenz entspricht. Dies könnte die Leitung einer Sportfördergruppe sein, das Gesundheitsmanagement innerhalb der Bundeswehr oder die Ausbildung von Kompanie-Trainern, die sich um die Fitness der Soldaten kümmern.

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Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  Zur Galerie
Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  ©

Selbst als Kanutrainer zu arbeiten, wie es seine früheren Nationalteamkollegen Katrin Wagner-Augustin und Andreas Dittmer in Potsdam tun, kommt für den fünffachen Olympiamedaillengewinner nicht infrage. „Ich will raus aus dem System. Ich brauche anderen Input, andere Reize, will mich in anderen Bereichen herausfordern“, erklärt er. „Ich genieße es, mich jetzt auszuprobieren.“ Dazu gehören auch Projekte in der Selbstständigkeit, die er entwickelt. Derzeit liegt der Fokus von Rauhe, verheiratet und Vater zweier Söhne, dabei intensiv auf dem Bereich Ernährung für Familien. „Da will ich mich gerne engagieren.“ Mit vollem Einsatz. So wie er es auch immer im Boot machte.