25. Juni 2020 / 15:01 Uhr

45 Millionen Miese in der Saison 2018/19: Wolfsburger Kader war immer noch (zu) teuer

45 Millionen Miese in der Saison 2018/19: Wolfsburger Kader war immer noch (zu) teuer

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sportlicher Erfolg: 2019 bejubelte der VfL Platz sechs - die wirtschaftlichen Zahlen aber sind noch geprägt von den Jahren davor, wie Geschäftsführer Schumacher (r.) erklärt.
Sportlicher Erfolg: 2019 bejubelte der VfL Platz sechs - die wirtschaftlichen Zahlen aber sind noch geprägt von den Jahren davor, wie Geschäftsführer Schumacher (r.) erklärt.
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Die DFL hat die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Klubs für die Saison 2018/19 veröffentlicht. Der VfL Wolfsburg war in dieser Spielzeit sportlich erfolgreich, wirtschaftlich sah es eher mau aus. Finanzgeschäftsführer Tim Schumacher erklärte die Hintergründe.

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Am Samstag geht die Bundesliga-Saison zu Ende, der VfL Wolfsburg zieht zum zweiten Mal in Folge in einen internationalen Wettbewerb ein. Dass sportlicher Erfolg nicht immer und vor allem nicht immer sofort für Geld in der Kasse sorgt, geht jetzt aus den Finanzkennzahlen für die Saison 2018/19 hervor, die die DFL am Donnerstag veröffentlichte. Der VfL beendete die Spielzeit 2019 mit einem 8:1 gegen Augsburg und auf Platz sechs - und machte doch mehr Miese als in der Saison davor. 44,8 Millionen Euro beträgt das VfL-Defizit aus der Saison 2018/19 - ein Jahr zuvor waren es noch 19,7 Millionen gewesen. Hauptgrund waren die immer noch hohen Personalkosten. Der VfL hatte einen (zu) teuren Kader. „Wir sind noch immer mitten in der Konsolidierung, die vergangene Saison war stark davon geprägt", sagt Wolfsburgs Finanzgeschäftsführer Tim Schumacher. "Die Konsolidierung dauert mehrere Spielzeiten und wird daher auch noch weitergehen.“

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131,4 Millionen Euro stehen beim VfL für die Saison 2018/19 in der Rubrik "Personalaufwand". In dieser Summe stecken zwar alle Angestellten, von der Sekretärin bis zur U23 und dem Frauenteam, aber die Bundesliga-Profis (und ihre Trainer und ihr Staff) machen mit rund 100 Millionen den mit Abstand größten Teil aus. In der Saison 2017/18 war der Personalaufwand ähnlich groß, lag bei 127,9 Millionen - und der VfL landete in der Relegation. „Wir haben mit vergleichbarem Personalaufwand den sechsten statt den 16. Platz erreicht, das ist positiv", so Schumacher.

Aber: Bei den Personalkosten gehört der VfL immer noch zur Liga-Spitze. Nur der FC Bayern (365,1 Millionen), Borussia Dortmund (205,1 Millionen) und Bayer Leverkusen (136,6) gaben mehr aus. Allerdings sind die Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar, Bayer Leverkusen gehört zu den wenigen Klubs, deren Geschäftsjahr nicht der Saison, sondern dem Kalenderjahr entspricht. Ungefähr auf Augenhöhe mit dem VfL liegen Leipzig (125,2 Millionen) und Schalke (123,8 Millionen).

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Dass die VfL-Saison 2018/19 sportlich erfolgreich war, wird sich erst mit Verzögerung auswirken. „Die Zahlen sind weitgehend geprägt vom sportlichen Misserfolg der vorhergehenden beiden Relegationsjahre", so Schumacher. Denn: "Die wirtschaftlich positiven Effekte wie beispielsweise durch die Qualifikation für die Europa League und die damit verbundenen Einnahmen machen sich erst in 2019/20 bemerkbar." Der zweimalige Fast-Abstieg dagegen hat dafür gesorgt, dass TV-Einnahmen (die an Tabellenplätze über mehrere Jahre gekoppelt sind) und auch Sponsoring- und Zuschauer-Einnahmen sanken. Schumacher: "Die Attraktivität des VfL hatte damals durch die sportlich negativen Vorjahre mit der zweimaligen Relegation insgesamt gelitten." Und so nahm der VfL in der Saison 2018/19 weniger ein als im Jahr davor - 193,6 statt 218,8 Millionen. Auch das trägt erheblich dazu bei, dass der VfL ein größeres Minus machte.

Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer, die seit zwei Jahren für die VfL-Balance zwischen sportlichem Ertrag und wirtschaftlicher Vernunft verantwortlich sind, haben einen Kurswechsel eingeleitet, überzogene Transfer- und Gehaltsausgaben soll es beim VW-Klub nicht mehr gehen. Aber noch laufen viele Spielerverträge, die vor 2018 abgeschlossen wurden und die zum Teil den Profis jährlich steigende Gehälter garantieren, ohne dass das an Leistungen oder Erfolge gekoppelt wäre. „Wir hatten", so Schumacher, "insbesondere während der Relegationsspielzeiten zahlreiche Spieler, die gemessen am sportlichen Ergebnis zu viel verdient haben. Der Kader war viel zu teuer für Abstiegskampf.“ Mittlerweile läuft es sportlich besser - Aufwand und Ertrag stehen in einem günstigeren Verhältnis.

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An Eigner Volkswagen ist die VfL-GmbH über einen "Gewinnabführungsvertrag" gekoppelt, der seit 2011 besteht und der 2021 ausläuft - eine Verlängerung gilt als sicher. Dieser Vertrag legt fest, dass VW Gewinne des VfL einstreicht und Verluste ausgleicht. Das 45-Millionen-Defizit müssen also die Autobauer tragen, entsprechend kritisch wird die kickende Tochtergesellschaft beäugt. "Wir achten immer darauf, wirtschaftlich vernünftig zu handeln", sagt Schumacher. "Wir haben gegenüber Volkswagen die Verantwortung, stark kostenreduziert zu arbeiten und uns immer zu optimieren." Wichtiges Argument auf Seiten der VfL-GmbH: In der Vergangenheit flossen auch schon erhebliche Gewinne in Richtung VW - etwa nach dem Verkauf von Kevin De Bruyne 2015 an Manchester City.

Über die Jahre gleichen sich so Fußball-Gewinne und Fußball-Verluste für VW wahrscheinlich aus - genau beziffern lässt sich das nicht. Denn die DFL veröffentlichte erst zum zweitem Mal die Bundesliga-Bilanzzahlen. Dass sie nicht mehr unter Verschluss bleiben, hatten die Klubs in einer Abstimmung selbst entschieden - gegen den Willen des VfL Wolfsburg und anderer Vereine übrigens, die sich einem Mehrheitsvotum beugen mussten. Veröffentlicht werden seitdem auch die Ausgaben der Klubs für Spielerberater, hier ist der VfL deutlich kostengünstiger vorgegangen, liegt mit 10,6 Millionen auf Rang acht in der Liga, 2018 war er mit 21,6 Millonen noch Vierter gewesen. Schumacher: "Die Spielerberater-Honorare haben wir in etwa halbiert. Das ist eine gute Entwicklung, über die wir uns freuen.“

Dennoch muss weiter gespart werden - große Transfersprünge wird sich der VfL auch in diesem Transfersommer eher nicht erlauben. „Wir rechnen für das nächste Geschäftsjahr mit einem besseren Ergebnis, wenngleich der Corona-Effekt negative Auswirkungen haben wird, aber noch nicht klar zu benennen ist", so Schumacher. "Positiv ist, dass wir noch weitere Europa-League-Einnahmen erzielen können." Die könnten dann dafür sorgen, dass die Zahlen vielleicht schon in einem Jahr etwas besser aussehen - und das gehört neben sportlichem Erfolg zu den Zielen des VfL. Denn, so Schumacher, "es kann nicht unser Ziel sein, in den nächsten Jahren ein vergleichbar schlechtes Ergebnis zu liefern“.