20. September 2017 / 09:21 Uhr

50 Jahre Dynamo Dresden - Glasgow Rangers: Premiere auf der großen Bühne

50 Jahre Dynamo Dresden - Glasgow Rangers: Premiere auf der großen Bühne

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresden gegen Glasgow Rangers am 20.09.1967
Die Kapitäne John Greig (l.) und Bernd Hofmann posieren am 20. September 1967 mit dem Schiedsrichtergespann. © Archiv Bernd Hofmann
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Am 20. September 1967 bestritten die Schwarz-Gelben gegen die Schotten ihr erstes Europapokal-Spiel.

Dresden. Während RB Leipzig gerade sein Debüt in der Champions League feiert, kann Dynamo Dresden in diesen Tagen von der Rückkehr auf die internationale Bühne nur träumen. Doch die Trauer der Dresdner Fans über die seit 1991 währende Europapokal-Abstinenz kann ihren Stolz auf die besseren Zeiten ihrer Mannschaft nur bedingt schmälern – schließlich haben sich viele der 98 Europapokalspiele der Sportgemeinschaft tief ins Gedächtnis der älteren Anhänger eingebrannt. Und die schwärmen der jüngeren Generation heute noch von legendären Flutlichtspielen vor. Ein solches war das allererste EC-Match mit Dresdner Beteiligung heute vor 50 Jahren zwar nicht, denn im Steyer-Stadion fand es schon am Nachmittag statt, doch für Begeisterung sorgte die Partie gegen die Glasgow Rangers allemal.

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Messepokal dank geschickter Argumentation

38.000 Fans waren am 20. September 1967 im Ostragehege dabei. Dynamos Premiere war das einzige Europapokal-Spiel, das im Steyer-Oval stattfand, damals noch die größte Sportstätte der Stadt. Dass Dynamo als Tabellenvierter der Oberliga-Saison 1966/67 überhaupt am Messepokal teilnehmen durfte, obwohl Elbflorenz keine international anerkannte Messestadt war, verdankte die Sportgemeinschaft der geschickten Argumentation der Dresdner Funktionäre. Sie hatten FIFA-Präsident Sir Stanley Rous nach Dresden eingeladen und ihm im Frühjahr 1967 erklärt, dass viele Besucher der Leipziger Messe in Dresdner Hotels übernachten und sich Sehenswürdigkeiten wie den Zwinger anschauen würden. Zudem wurde auf den damals vielfach genutzten Tagungsort Hygiene-Museum verwiesen. All das – vielleicht auch die gute Bewirtung – half.

Siegmar Wätzlich (Mitte) im ersten Europapokal-Spiel von Dynamo Dresden am 20. September 1967 gegen die Glasgow Rangers.
Siegmar Wätzlich (Mitte) im ersten Europapokal-Spiel von Dynamo Dresden gegen die Glasgow Rangers. © Archiv Dresdner Fußball-Museum

Das Spiel musste die Mannschaft von Trainer Manfred Fuchs gehandicapt angehen, denn Wolfgang Pfeifer fehlte. Der Kapitän hatte zuvor in Leipzig Rot gesehen, daher hatte Bernd Hofmann die Ehre, die damals noch in Weiß und Weinrot auflaufenden Dresdner als Kapitän aufs Feld zu führen, wo er mit Rangers-Kapitän John Greig die Wimpel tauschte. Die Gäste aus Schottland gingen als haushoher Favorit ins Spiel, denn sie hatten zuvor das Finale um den Europapokal der Pokalsieger erreicht, am 31. Mai 1967 das Endspiel aber in Nürnberg knapp mit 0:1 gegen Bayern München verloren.

Tor durch Manchester-Legende

Die Blau-Weißen, damals schon 34-maliger Landesmeister, taten sich gegen die Dresdner aber schwer. Die Gastgeber erarbeiteten sich viele Chancen und Ecken, doch kurz nach der Pause traf Alex Ferguson (49.) nach einem Schnitzer des blutjungen und sonst gegen Willie Henderson stark spielenden Siegmar Wätzlich zum 1:0 für den Favoriten.

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Zum Sieg reichte es für das von Scott Symon betreute Team aber nicht, denn Dynamo drängte weiter nach vorn, Hans-Jürgen Kreische, Uwe Ziegler und Siegfried Gumz scheiterten an Rangers-Keeper Erik Sörensen. In der 66. Minute aber konnte der nichts machen: Dieter Riedel – gerade 20 Jahre alt – glich mit einem Traumtor aus. Gegen den deutlich älteren Greig hatte der Gröditzer zuvor keinen guten Tag, „aber dann bekam er ein Ding auf den Schlappen und haute es rein“, erzählte der 2013 verstorbene Hofmann einmal den DNN. Riedel freut sich noch immer über seinen Dropkick ins Eck: „Heute wäre das ein Tor des Monats gewesen.“

Niederlage im Rückspiel

Riedels 1:1 sicherte den Dresdnern noch Chancen für das Rückspiel. Im Ibrox-Park waren die Rangers am 4. Oktober 1967 anfangs aber klar überlegen. „Da haben wir gedacht: ,Jetzt überrennen sie uns!’ Es sah auch ganz danach aus“, erinnerte sich Kreische erst vor wenigen Tagen im Dresdner Fußball-Talk „19:53“. Doch nach dem 1:0 durch Andy Penman (14.) konnten die Schotten nicht nachlegen und kassierten in der 88. Minute durch Kreische noch das 1:1. Zur Verlängerung aber kam es nicht, weil Greig (90.) vor 60.000 Zuschauern einen Konter mit einem Flachschuss noch zum 2:1 abschloss. Die unerfahrenen Dresdner hatten einen Tick zu lange gefeiert.

Am Mittwoch aber wird der Einstand im Europapokal noch einmal gefeiert. Viele der Helden von damals kommen zum Spiel gegen Bielefeld. Auch Sir Alex Ferguson war eingeladen, doch der langjährige Meistertrainer von Manchester United hat keine Zeit. Er stand dem Dynamo- „Kreisel“ wie auch Riedel aber Rede und Antwort. Dynamos Mannschaft läuft derweil in einem dem Dress von 1967 nachempfundenen Sondertrikot auf. Beinahe wären sogar die aktuellen Rangers-Profis in der Länderspielpause zu einem Freundschaftsspiel gekommen, doch der neue Besitzer des Clubs sagte noch ab.

Dieses, an die erste Europapokalteilnahme 1967 erinnernde Sonertrikot, wird die SG Dynamo Dresden im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld tragen. 
Mit diesem Jubiläumstrikot laufen die Dynamo-Profis gegen Bielefeld auf. © Archiv

Dynamo spielte am 20. September 1967 mit: Kallenbach – Haustein, K. Sammer, May, Wätzlich, Hemp, Hofmann, Riedel, Ziegler, H.-J. Kreische, Gumz

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