02. März 2021 / 17:34 Uhr

50 Jahre Turbine Potsdam: DFB-Präsident, Ex-Spielerinnen und Konkurrenten gratulieren zum Jubiläum

50 Jahre Turbine Potsdam: DFB-Präsident, Ex-Spielerinnen und Konkurrenten gratulieren zum Jubiläum

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
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DFB-Präsident Fritz Keller gratuliert Turbine Potsdam. © Arne Dedert/dpa
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DFB-Präsident Fritz Keller, die Rivalen aus Wolfsburg und München sowie die früheren Kapitäninnen des Clubs übermitteln zum runden Geburtstag Glückwünsche und Grüße.

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Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

„Manches Mal ist von Potsdam nur die Rede als Stadt neben der Hauptstadt. Dabei ist Potsdam allein im Fußball selbst Hauptstadt. Dank der großen Erfolge des 1. FFC Turbine in Deutschland und Europa. Und dank vieler herausragender Spielerinnen und Persönlichkeiten, die auch an den Titelgewinnen unserer Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten entscheidenden Anteil hatten. 

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In 50 Jahren hat der 1. FFC Turbine Potsdam nicht nur seine eigene Erfolgsgeschichte geschrieben, sondern eine gesamtdeutsche. Kein anderer deutscher Meister, DFB-Pokalsieger oder Gewinner der Champions League stammte seit der Wiedervereinigung aus den neuen Bundesländern. Was vor fünf Jahrzehnten mit der Gründung einer Frauenmannschaft bei der BSG Turbine Potsdam begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer Institution, zum Synonym für Frauenfußball. Und für Erfolg. Und für Bernd Schröder. Vom ersten Training an stand er 45 Jahre lang für Turbine – als Trainer und Manager, als Macher, Antreiber, Ideengeber und Inspirator.

Sein Werk, das unter anderem sechs Meister-, drei Europapokaltitel sowie drei Pokalsiege umfasst, führen heute andere fort. Aber eines hat sich nicht geändert: Der 1. FFC Turbine Potsdam bereichert unseren Fußball, der hoffentlich künftig noch weiblicher und vielfältiger werden wird. Auf 50 Jahre Frauenfußball beim DFB, die wir im vergangenen Jahr gefeiert haben, folgen nun 50 Jahre Turbine Potsdam. Macht mehr als ein halbes Jahrhundert Einsatz, um Mädchen und Frauen auf und abseits des Fußballplatzes zu stärken, dem sich hoffentlich noch viele weitere Vereine anschließen werden. Beim SC Freiburg, dessen Vorstand ich 25 Jahre lang angehören durfte, gibt es seit 46 Jahren eine Frauenfußball-Abteilung. Im direkten Aufeinandertreffen war Turbine meist übermächtig und wir haben bewundernd und voller Anerkennung nach Potsdam geschaut. Und manchmal auch ein bisschen neidisch. 

Herzlichen Glückwunsch allen Verantwortlichen, Spielerinnen und Fans von Turbine Potsdam. Sie können stolz sein auf ihren Verein und seine Erfolge. Wir beim DFB sind es.“

Elke Mertens, Kapitänin der Gründungsmannschaft 1971

"Die Turbinen aus Potsdam haben Geburtstag. Ein halbes Jahrhundert ist geschafft. 20 Jahre davon durfte ich als Spielerin teilhaben. Im März 1971, mit 17 Jahren, der Beginn meiner „Laufbahn“ in der Sportart Frauenfußball. Es war eine sehr schöne Zeit, einen Anfang zu machen, was Neues entstehen zu lassen, sich einen Namen im Frauenfußball zu erspielen, einfach toll. Ich wünsche den Turbinen alles Gute."

Turbine 45 II
Turbine-Kapitäninnen unter sich (v.l.): Sybille Brüdgam, Elke Mertens, Lia Wälti, Jennifer Zietz und Ariane Hingst. ©

Lia Wälti, bei Turbine 2013 bis 2018 (jetzt Arsenal FC)

"Ich denke unglaublich gerne an die Zeit in Potsdam zurück. Für mich war es die beste Entscheidung, als junge Spielerin in einen solch familiären Verein zu kommen. Mit Bernd Schröder hatten wir einen Trainer, der uns zwar nicht immer alles leicht gemacht hat, aber uns enorm vieles auf den Weg mitgegeben hat."

Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter VfL Wolfsburg

„Mit dem Begriff Traditionsverein sollte man im Frauenfußball sparsam umgehen, schließlich gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder Entwicklungen, die die Vereinslandschaft nachhaltig verändert haben. Klubs, die unsere Sportart dominierten, lösten sich auf oder schlossen sich wiederum anderen Klubs an. Nur Turbine Potsdam blieb bis heute eine Konstante. Nachdem sich der alte Rivale 1. FFC Frankfurt unter das Dach der Eintracht verabschiedet hat, ist Turbine wohl der letzte Traditionsverein im deutschen Frauenfußball.

Ich erinnere mich noch sehr gut an unser DFB-Pokalfinale 2013 zurück, das wir mit 3:2 gewinnen konnten. Es war in unserem sensationellen Triple-Jahr der erste Sieg im DFB-Pokal. Als Trainer war dies für mich ein ganz besonderes Erlebnis: 15 000 Zuschauer im Kölner RheinEnergieStadion – noch nie zuvor haben wir vor solch einer Kulisse gespielt. Vier Tage später haben wir dann in London auch die Champions League gewonnen. Unvergessliche Tage. In der folgenden Saison standen wir uns dann im Halbfinale der Champions League gegenüber, auch hier hatten wir nach zwei Spielen das bessere Ende für uns. Über 10 000 Zuschauer waren beim Rückspiel in der Volkswagen Arena dabei, als wir zweimal in Rückstand gerieten, am Ende aber dank eines 4:2-Erfolgs in unser zweites europäisches Finale einzogen.

Wenn ich an Turbine Potsdam denke, dann kommt mir natürlich auch mein langjähriger Trainerkollege Bernd Schröder in den Sinn. Sicherlich eine der prägenden Persönlichkeiten im deutschen Vereinsfrauenfußball, ohne den die Erfolgsgeschichte Turbine Potsdam sicher nicht geschrieben worden wäre. Ich wünsche dem Verein und allen Verantwortlichen nur das Beste zum 50-jährigen Jubiläum – verbunden mit der Hoffnung, dass sich Turbine Potsdam auch weiterhin behaupten und die langjährige Tradition fortsetzen wird.“

Mehr zum Turbine-Jubiläum

Karin Danner, Frauenfußball-Abteilungsleiterin FC Bayern München

"Lieber 1. FFC Turbine Potsdam, die Frauenfußball-Abteilung des FC Bayern München übermittelt zum 50 jährigen Vereinsjubiläum die besten Wünsche und gratuliert zu einem historischen Ereignis. Nicht viele Vereine im Frauenfußball können auf eine solch lange Historie zurückschauen. Umso mehr freut es mich, dass der FFC Turbine Potsdam als reiner Frauenfußball-Club ein weiteres Mal Geschichte schreibt. Uns verbindet mit Potsdam eine tiefe Verbundenheit, allem voran mit Bernd Schröder, über Jahrzehnte lang Trainer und Macher des Clubs. An Schröders Seite, Rolf Kutzmutz und Stephan Schmidt, die dem Verein die nötigen Strukturen und wirtschaftliche Stabilität gaben und mit Herzblut und Engagement lange Jahre Wegbegleiter des Frauenfußballs waren und sind. Potsdam kann stolz auf ihre Turbinen sein, der FC Bayern zollt Respekt und wünscht alles Gute für die kommenden Aufgaben und Herausforderungen, die der Frauenfußball uns allen bringt. Herzliche Grüße aus München."

In Bildern: 50 ehemalige Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam – und was aus ihnen wurde

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. ©

Sabine Seidel, an allen sechs DDR-Meistertiteln mit Turbine beteiligt

"Nachdem mich Herr Schröder 1979 von Dresden nach Potsdam lotste, konnte ich mit dem Team und Verein bis Ende der 80er Jahre sportlich das Höchste erreichen. Da für mich, auch während meiner aktiven Zeit, der Nachwuchs ein sehr wichtiger Bestandteil zum Fortbestehen und Erfolg der Mannschaft war, begann ich 1986 mit dem Aufbau der Nachwuchsabteilung. Dies war auch der Grundstein für meine persönliche und berufliche Entwicklung in den letzten 40 Jahren als Trainerin sowie Ehrenamtliche und natürlich auch der erreichten Potsdamer Erfolge. Ich bin nach wie vor stolz, an der Erfolgsgeschichte 1. FFC Turbine Potsdam mitgewirkt zu haben und zu arbeiten."

Sybille Brüdgam, Kapitänin der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft 1994

"Liebe Turbine, vielleicht kannst Du Dich noch an mich erinnern. Gemeinsam haben wir von 1982 bis 1994 erfolgreich Fußball gespielt. Unvergessen war unser Aufstieg in die 1. Bundesliga. Was war das für eine schöne Zeit. Nun wirst Du 50 Jahre und bist immer noch sehr gut in Schuss."

Svenja Huth, Turbine-Kapitänin 2018/19 (jetzt VfL Wolfsburg)

"Ich blicke gerne auf meine 4 Jahre, die ich bei Turbine Potsdam gespielt habe, zurück und bin stolz ein Teil dieses tollen Traditionsvereins zu sein. Ich konnte dort als Sportlerin und Mensch auf und neben dem Platz reifen und mich zu der Persönlichkeit entwickeln, die ich heute bin."