13. Februar 2020 / 14:29 Uhr

6, 23, 13: Vorm Hoffenheim-Spiel rechnet VfL-Trainer Glasner Europa weg!

6, 23, 13: Vorm Hoffenheim-Spiel rechnet VfL-Trainer Glasner Europa weg!

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL-Trainer Oliver Glasner
VfL-Trainer Oliver Glasner © Boris Baschin
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Sind die internationalen Plätze für den VfL Wolfsburg noch machbar? Trainer Oliver Glasner macht da seine eigene Rechnung auf - mit einem Blick in die VfL-Vergangenheit.

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Vier Spiele, vier Punkte – die Rückrundenbilanz des VfL Wolfsburg ist bisher mau. Am Samstag (15.30 Uhr) steht das Spiel bei 1899 Hoffenheim an, ein Sieg ist fast schon Pflicht, um den Anschluss an die internationalen Plätze nicht völlig zu verlieren. Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner hat allerdings mal ausgerechnet, dass Rang sechs für den VfL alles andere als ein selbstverständliches Ziel ist.

Er habe „sich mal die Mühe gemacht“, in die VfL-Vergangenheit zu schauen, sagte der Österreicher gestern. Seine Erkenntnis: „Der VfL ist in den letzten drei Jahren 16., 16. und Sechster geworden, wenn man den mathematischen Schnitt berechnet, kommt 13 heraus.“ Was Glasner außerdem herausgefunden hat. „Der VfL spielt jetzt die 23. Saison in der Bundesliga, hat sich insgesamt sechsmal für Europa qualifiziert und es überhaupt erst zweimal geschafft, sich nach einer Europacup-Teilnahme gleich wieder für Europa zu qualifizieren...“ Das war 2008 und 2009 sowie 2014 und 2015 – und „das alles sagt etwas aus über den VfL Wolfsburg“, wie Glasner findet. Heißt so viel wie: Wer nur sechsmal in 23 Jahren europäisch gespielt hat und zuletzt im Schnitt auf Platz 13 landete, sollte eher bescheidene Ambitionen haben. Mit Blick auf die Vereinsgeschichte rechnet Glasner so die Europa-Ziele weg – denn international dabei zu sein, habe in Wolfsburg nun einmal „nicht diese klare Selbstverständlichkeit, wie hier angenommen wurde oder wird.“

VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf 1:1

Szenen aus dem Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf (1:1). Zur Galerie
Szenen aus dem Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf (1:1). © Boris Baschin
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Allerdings: Erst in der Winterpause hatte sich das Team auf das Ziel Europa eingeschworen – und die historischen Fakten hätten da auch schon auf dem Tisch liegen können. Jetzt hat Glasner offenbar Angst, an zu hohen Zielen gemessen zu werden und wechselt daher in den Rechtfertigungsmodus. Nach dem Motto: Seht her, es liegt nicht an mir, dass es nicht so läuft wie gewünscht.

Sein Problem: Im der vergangenen Saison lief es wie gewünscht, und der Kader ist fast derselbe. Nur der Trainer ist neu – und muss jetzt damit leben, an den Resultaten seines Vorgängers gemessen zu werden. „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir uns in dem Bereich, wo der VfL in der letzten Saison war, stabilisieren wollen“, erinnerte Glasner. Aber auch danach sieht es im Moment nicht aus.

Und so wächst der Druck. Manager Jörg Schmadtke („Es ist noch nicht vorbei, wir haben noch 13 Spiele vor der Brust“) und Sportdirektor Marcel Schäfer („Vier Punkte aus den ersten vier Spielen – das ist zu wenig“) haben erst in dieser Woche klargemacht, dass der Ehrgeiz bleibt. „Natürlich wollen wir das maximal Mögliche erreichen“, sagt Glasner. „Aber in erster Linie geht es darum, dass wir konstant über 90 Minuten unsere Leistung abrufen.“ Das klappte zuletzt so gut wie nie. Glasner: „Es ist schon klar, dass die letzten Wochen nicht so gelaufen sind, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Aber immerhin habe sein Team „aus den letzten beiden Spielen vier Punkte geholt.“ Und: „Wir wollen in Hoffenheim wieder punkten.“

Dazu muss sich die Mannschaft anders präsentieren als in der ersten Halbzeit gegen Düsseldorf, das wissen auch die Verantwortlichen. Am Dienstag steckten Glasner und die Spieler die Köpfe zusammen, „wir haben uns intensiv ausgetauscht. Aber der Inhalt bleibt in unseren vier Wänden.“ Ist das jetzt auch mal bei den VfLern angekommen? „Die Spieler sind mit sich selbst nicht zufrieden. Sie sind alle sehr selbstkritisch“, sagt er und hofft auf Besserung am Samstag. „Wir haben versucht, Lösungen zu finden, damit uns diese Passivität wie in der ersten Halbzeit in Düsseldorf nicht wieder unterläuft.“

Seine Abwehr muss er dabei umbauen, Marin Pongracic ist gesperrt, Marcel Tisserand oder John Anthony Brooks könnten ihn ersetzen. Vorn ist Wout Weghorst wieder ein Kandidat für die Startelf, könnte erstmals mit Daniel Ginczek eine Doppel-Spitze bilden. Momentan seien aber auch "Admir Mehmedi und Renato Steffen sehr torgefährlich", findet Glasner. "Man sieht auch im Training, dass sie einen guten Zug zum Tor haben."

Etwas hinten dran ist Josip Brekalo, der auf seine Chance lauern muss. Generell ist für den Trainer angesichts der Sturmschwäche klar: "Es hat keiner das Verbot, in den gegnerischen Strafraum einzudringen. Wir werden genug Spieler auf dem Platz haben, die Tore machen können!"

Bei VfL-Gastgeber Hoffenheim kehrt derweil Stammkeeper Oliver Baumann ins Tor zurück. Der Ex-Freiburger hatte sich Anfang des Jahres eine Meniskusverletzung im linken Knie zugezogen und musste operiert werden. "Er war extrem fleißig während seiner Reha, sehr professionell", so Traine Alfred Schreuder. Bauman wurde zuletzt von Ersatzkeeper Philipp Pentke vertreten, der mit starken Leistungen überzeugte - und damit auch Ansprüche anmelden dürfte, den Platz zwischen den Pfosten zu behalten.

"Was sollen wir machen", so Schreuder schmunzelnd, "Wir können nicht mit zwei Torhütern spielen." Pentke, der mit 34 Jahren seine ersten Bundesligaspiele überhaupt absolvierte, hätte es zwar "super gemacht", so Schreuder, aber: "Oli Baumann macht das bei uns seit Jahren super."

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Zum Durchklicken: 12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg ©

Zwei Siege und zwei Niederlagen stehen bisher auf dem Hoffenheimer Rückrunden-Konto, zuletzt gab es ein 0:1 in Freiburg. Mit 33 Zählern liegen die Kraichgauer auf Rang sieben, haben fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzehnten Wolfsburg. Beim Spiel in Freiburg hatte der kroatische Vize-Weltmeister Andrej Kramaric wegen Leistenproblemen gefehlt - jetzt kehrt er wahrscheinlich in die Mannschaft zurück."Andrej trainiert wieder mit", sagte Schreuder, der allerdings möglicherweise auf Offensivspieler Sargis Adamyan (Verletzung am Sprunggelenk) verzichten muss.

Text wurde aktualisiert

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