05. Dezember 2021 / 16:25 Uhr

7:3 im Geisterspiel! Grizzlys Wolfsburg lehren Adler Mannheim das Gruseln

7:3 im Geisterspiel! Grizzlys Wolfsburg lehren Adler Mannheim das Gruseln

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys furios! Darren Archibald (v.) brachte die Wolfsburger in Mannheim nach genau einer Minute in Führung.
Grizzlys furios! Darren Archibald (v.) brachte die Wolfsburger in Mannheim nach genau einer Minute in Führung. © Getty Images
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Ein furioser Start, ein hochverdienter Sieg. Die Grizzlys Wolfsburg haben den Adlern Mannheim vor einer Geisterkulisse das Gruseln gelehrt und hochverdient mit 7:3 (5:1, 1:1, 1:1) gewonnen. Entscheidend für den Erfolg war ein irres erstes Drittel der Wolfsburger.

Was für ein erstes Drittel! Die Grizzlys Wolfsburg haben die Adler vor einer Geisterkulisse in den ersten 20 Minuten komplett an die Wand gespielt und somit früh den Grundstein für den Auswärtssieg gelegt. In Mannheim hat sich das Team von Coach Mike Stewart eindrucksvoll für das 2:6 Ende September revanchiert und seinerseits am Sonntagnachmittag völlig verdient mit 7:3 (5:1, 1:1, 1:1) gewonnen. Die Treffer der Grizzlys erzielten Darren Archibald, Toto Rech, Spencer Machacek (2), Garrett Festerling, Jan Nijenhuis und Julian Melchiori. DEL-Topscorer Chris DeSousa trug sich allerdings nicht auf dem Scoreboard ein (Ihm wurde nachträglich doch noch ein Assist zur 1:0-Führung gutgeschrieben, Anm. d. Red.).

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Das Personal

Im Vergleich zum 3:2 nach Verlängerung gegen die Iserlohn Roosters am Freitag baute Grizzlys-Coach Mike Stewart sein Team nur in der Abwehr ein wenig um: Dominik Bittner kehrte nach seinen nicht näher definierten Oberkörperbeschwerden ins Team zurück, bildete wie gewohnt wieder mit Melchiori ein Verteidiger-Paar. Janik Möser musste für den Rückkehrer aus dem Line-Up weichen. Dustin Strahlmeier stand wieder im Tor. Die Sturmreihen blieben zudem unverändert - Fabio Pfohl fehlte damit nach seiner Unterkörperverletzung, die er sich beim Aufwärmen vor dem Roosters-Spiel zugezogen hatte, erneut.

Grizzlys starten furios

Anderes Bundesland, andere Corona-Regeln: In Baden-Württemberg sind für den Profi-Sport wieder Geisterspiele angesagt. Auch wenn 750 Zuschauer reingedurft hätten, standen sich die Adler und die Grizzlys in Mannheim vor leeren Rängen gegenüber. Das Spiel der Gäste bremste das aber keineswegs - im Gegenteil: Die Wolfsburger legten los wie die Feuerwehr, überrollten die Mannheimer, waren im ersten Drittel in allen Belangen überlegen. 12:5 Schüsse aufs Tor, 0:8 Strafminuten, 18:9 gewonnene Bullys - und eben 5:1 Tore. Bereits nach 1:10 Minuten stand es 2:0, zweimal zündeten die Grizzlys zudem im Powerplay.

Die Mannheimer waren mit 5:1 nach dem ersten Drittel sogar noch gut bedient, so ließen beispielsweise DeSousa oder Archibald gute Möglichkeiten liegen. Und: Der Treffer der Adler war ein Geschenk der Grizzlys. Im Powerplay vertändelte Jordan Murray, der ansonsten gerade das Spiel nach vorn extrem anschob, den Puck an der blauen Linie, Jordan Szwarz lief frei auf Strahlmeier zu und blieb cool.

Doch die Grizzlys ließen sich davon nicht schocken, Festerling stellte noch vor Drittel-Ende den Vier-Tore-Vorsprung wieder her, bugsierte den Puck mit dem Schlittschuh über die Linie. Grenzwertiger Treffer (wie schon das Tor von Kölns Marcel Müller gegen die Grizzlys) - die Schiris entschieden aber nach Video-Studium auf Tor. Damit traf Festerling gegen sein Ex-Team, auch die Grizzlys Bittner, Björn Krupp, Phil Hungerecker, Möser, Nijenhuis und Chet Pickard trugen bereits das Trikot der Adler.

Mannheim besser im Spiel

Zum zweiten Drittel stellte Ex-Wolfsburg-Coach Pavel Gross seine Mannheimer um, wechselte zudem im Tor, Felix Brückmann (ebenfalls Ex-Grizzly) kam für Dennis Endras. Das machte sich bemerkbar, die Adler nahmen jetzt auch am Spiel teil, ohne aber die Wolfsburger völlig unter Druck zu setzen. Und so erhöhten die Gäste sogar noch auf 6:1, Nijenhuis traf gegen seinen Ex-Klub. Nach einem Schuss von Rech setzen die Wolfsburger nach, die allgemein im gegnerischen Drittel mal wieder sehr präsent waren - mit einem aggressiven Forecheck auch schon für Treffer im ersten Abschnitt sorgten. Mannheim traf allerdings noch zum 2:6, nutzte eines seiner drei Powerplays im Mitteldrittel. Armin Wurm sagte daher in der Pause bei Magentasport: "Man sieht, dass Mannheim im zweiten Drittel besser ins Spiel gekommen ist. Wir müssen ein bisschen auf die Strafen aufpassen."


Grizzlys lassen nichts anbrennen

Kamen die Adler noch mal ran, wurde es noch mal spannend? Nein. Nach nur vier Minuten im Schlussdrittel erhöhte Melchiori auf 7:2 im Powerplay, der dritte Überzahl-Treffer der Grizzlys im Spiel. Wolfsburg ließ nichts mehr anbrennen - daran änderte auch das 3:7 durch David Wolf nichts mehr. Und die Grizzlys sorgten in dem Spiel sogar für Historisches: Das letzte Mal, dass die Adler sieben Gegentreffer in einem Heimspiel hinnehmen mussten, war im Jahr 1996! Damals gewannen sie aber mit 8:7 gegen die Augsburger Panther.

Grizzlys-Verteidiger Bittner war entsprechend zufrieden nach dem klaren Sieg - und dem perfekten Spiel? "Perfektion gibt es im Eishockey nie", sagte er bei Magentasport mit einem Schmunzeln. "Aber das war schon ein sehr gutes Spiel von uns. Nach so einer Führung im ersten Drittel brauchst du Charakter, um die auch über die Zeit zu bringen. Und den haben wir gezeigt." Auch das Auftreten seines Teams war dominant. Bittner: "Wir wollten früh in den Forecheck, schnell die Pucks aus dem eigenen Drittel bringen. Die frühen Tore haben uns dabei natürlich extrem geholfen."

Einziger Wermutstropfen für die Grizzlys: Doppelpacker Machacek hatte sich noch im ersten Drittel nach einem Check gegen den Kopf verletzt, war daraufhin sicherheitshalber draußen geblieben. Genaueres soll eine Untersuchung am Montag ergeben. Weiter geht's für Wolfsburg nun am Freitag (19.30 Uhr) in Straubing bei den Tigers.

Stewart über Blitzstart: "Das war eine Überraschung"

Was für ein starkes Spiel seines Teams. Dementsprechend zufrieden war auch Grizzlys-Coach Mike Stewart nach dem Spiel. "Unser Start war sehr gut, wir haben in den ersten zwei Minuten zwei Tore geschossen - und das auswärts in Mannheim. Das hat uns einen Haufen Momentum gegeben", sagte er und lobte: "Unsere Ausführung war sehr gut, wir haben schnell und hart gespielt." Dass dann alles so gut klappt, damit hätte aber auch er nicht gerechnet: "Nach 20 Minuten mit 5:1 vorn zu sein - das war schon eine Überraschung", schmunzelte Stewart. "Aber die Jungs haben auch hart dafür gearbeitet."

Insgesamt habe sein Team "gut verteidigt, das war der Schlüssel zum Erfolg". Aber nicht nur das: "Wir haben auch verdammt effizient nach vorn gearbeitet - auch in den Special Teams. Und das, obwohl unser Powerplay zuletzt nicht so gut war. Wir haben die Scheibe gut laufen lassen, haben viel Verkehr vor dem Tor gehabt. Das war ein guter Tag für uns."

Keinen guten Tag hatte dagegen Stewarts Gegenüber und Ex-Grizzlys-Coach Pavel Gross. Er ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht, war nach dem Spiel sichtlich angefressen. "Auch in dieser Höhe war das ein verdienter Sieg für die Grizzlys. Wie wir diesmal nicht im Spiel waren, das habe ich in meinen dreieinhalb Jahren in Mannheim noch nicht erlebt", sagte er und schimpfte weiter: "Du kannst verlieren, aber nicht auf diese Weise. Wir müssen uns bei unseren nicht beteiligten Fans entschuldigen."

Statistik

  • Adler: Endras (20. Brückmann) - Reul, Akdag; Larkin, Melart; Wirth, Lehtivuori; Dziambor - Plachta, Desjardins, Wolf; Tosto, Szwarz, Dawes; Bergmann, Wohlgemuth, Krämmer; Klos, Bast, Elias.
  • Grizzlys: Strahlmeier - Bittner, Melchiori; Krupp, Murray; Button, Wurm; Raabe - Machacek, Fauser, Mingoia; Furchner, Hungerecker, Reichel; Nijenhuis, Festerling, Rech; Archibald, DeSousa, Enlund.
  • Schiedsrichter: Hoppe/Rantala.
  • Zuschauer: keine. - Strafminuten: Adler 12 / Grizzlys 10.
  • Tore: 0:1 (1:00) Archibald (Wurm/DeSousa), 0:2 (1:10) Rech (Festerling), 0:3 (7:58) Machacek (Murray/Mingoia - 5:4), 0:4 (12:39) Machacek (Mingoia), 1:4 (16:08) Szwarz (4:5), 1:5 (19:06) Festerling (Archibald/Murray), 1:6 (27:47) Nijenhuis (Festerling/Wurm), 2:6 (37:39) Melart (Plachta - 5:4), 2:7 (44:04) Melchiori (Fauser - 5:4), 3:7 (48:56) Wolf (Plachta).