09. April 2021 / 09:18 Uhr

70 Jahre Fußball in 70 Schuhkartons: Wenn ein Fan zum Ticketsammler wird

70 Jahre Fußball in 70 Schuhkartons: Wenn ein Fan zum Ticketsammler wird

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Patrick Zube sammelt schon Tickets. Mittlerweile hat er 70 Jahre Fußball in 70 Schukartons eingepackt.
Patrick Zube sammelt schon lange Tickets. Mittlerweile hat er 70 Jahre Fußball in 70 Schuhkartons eingepackt.
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Patrick Zube ist eigentlich ein Fan von Hannover 96. Mit Leipzig und dem dortigen Fußball verbindet ihn aber sehr viel. Denn er ist auch Ticketsammler und hat eine beachtliche Kollektion, in der sich auch Billetts vom VfB Leipzig, dem FC Sachsen und auch von RB wiederfinden.

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Leipzig. Jeder kennt das: Man war mal auf einem coolen Konzert, bei einer spannenden Theatervorstellung oder eben bei einem nervenaufreibenden Fußballspiel und möchte sich daran auch weiterhin erinnern. Viele behalten dann ihre Tickets, sammeln sie sogar und sortieren sie möglicherweise auch in Alben.

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Leipziger Ticket von 1992

Patrick Zube aus Nienburg an der Weser macht das nicht nur mit seinen eigenen Eintrittskarten. Er ist passionierter Sammler aller Arten von Tickets, vor allem aber auch von Karten zu Fußballspielen. Oftmals steht er nach einem Spiel vor dem Stadion mit einem Schild mit der Aufschrift „Ich sammle Tickets“. Und die Leute, die damit sonst nicht viel anfangen würden, überlassen sie ihm auch. So ist eine Kollektion entstanden, die mittlerweile Billetts von rund 6.500 Spielen enthält, und von einigen hat Patrick Zube bis zu 100 Stück.

Patrick Zubes Sammlung enthält Tickets von 6.500 Fußballspielen weltweit.
Patrick Zubes Sammlung enthält Tickets von 6.500 Fußballspielen weltweit. ©

Aber wie kommt man denn dazu, so viele Einlasstickets zu sammeln? „Ich habe eigentlich schon immer meine eigenen Tickets aufgehoben. Auch das vom ersten Spiel, dass ich 1983 gesehen habe: Hamburger SV gegen den 1. FC Köln. Ich war damals mit meinem Vater im Stadion, der HSV-Fan ist. Irgendwann habe ich dann auch angefangen andere Billetts zu sammeln. Eine Sammlung habe ich mal von einem Rentner bekommen, da waren mehr als 500 Tickets.“ Unter ihnen auch einige Schmuckstücke, das älteste Ticket aus dem Jahr 1953 von der Begegnung zwischen dem VfL Osnabrück und Hannover 96 in der Oberliga Nord.



Zube selbst ist Hannover-Fan, kommt er doch aus der Region. Aber Einlasstickets sammelt er von jedem Verein, auch von den Leipziger Teams hat er so einige. Das älteste Spiel mit Leipziger Beteiligung, von dem Zube ein Ticket hat, ist die Begegnung zwischen dem Halleschen FC und dem VfB Leipzig vom 15. März 1992 in der 2. Bundesiga Süd. Danach folgen drei Jahrzente Eintrittskarten auch vom VfB Leipzig, dem FC Sachsen, später also Lok Leipzig und BSG Chemie, aber auch vom TuS Leutzsch und anderen sächsischen Vereinen, wie Borea Dresden, Germania Halberstadt und dem FSV Zwickau.

„Normale Tickets gibt es ja gar nicht mehr“

Der Hannover-Fan hat aber auch Billetts von RB Leipzig. „Ich habe die Tickets von allen Spielen, die sie in Hannover gespielt haben“, so Zube. Also drei an der Zahl, denn die Paarung gab es bislang nur sechsmal. Zuletzt vom 3:0-Sieg der Roten Bullen in der HDI-Arena am 1. Februar 2019. Danach stiegen die 96er ab und es kamen keine weiteren Duelle zustande. Das erste RB-Spiel, von dem er ein Ticket hat ist allerdings noch aus dem Jahr 2013, als die jetzigen Leipziger Bundesligisten gerade in die 3. Liga aufgestiegen waren. Die Einlasskarte ist allerdings von ihrem DFB-Pokal-Spiel am 2. August 2013 gegen den FC Augsburg. Die Partie ging damals mit 2:0 an den FCA und RBL musste sich schon in der ersten Runde des Pokals aus dem Wettbewerb verabschieden.

Außerdem verbindet ihn mit Leipzig nicht nur der hiesige Fußball, sondern eben auch der Austausch mit anderen Ticketsammlern. „Im Moment ist es etwas schwierig, da unsere Sammlerbörsen nicht stattfinden. Und eine davon findet eben auch in Leipzig statt, in der Sportschule Egidius Braun. Da kommen auch Prominente hin.“ Ein Beispiel für einen solchen Prominenten ist Horst Eckel, der 1954 mit der deutschen Nationalmannschaft das Wunder von Bern vollbrachte und Weltmeister wurde. Das letzte Mal war Zube vor Corona bei der Sammlerbörse in der Messestadt.

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Die Corona-Pandemie macht Zube das Sammeln der Billetts ziemlich schwer. „Normale Tickets gibt es ja gar nicht mehr, da keine Zuschauer in die Stadien gehen dürfen. Deshalb frage ich ab und an mal nach Eintrittskarten von Pressevertretern.“ Bei einigen Vereinen könne er auch das nicht in der aktuellen Lage, „weil alle mit dem Auto im Stadion parken und dann auch nur mit dem Auto wieder rauskommen.“

70 Schuhkartons voller Tickets

Das Sammeln von Tickets ist bei einigen Vereinen zudem ungern gesehen. Borussia Mönchengladbach beispielsweise habe ihm ein neunmonatiges Stadionverbot ausgesprochen nur weil er vorm Stadion einige Pressekarten bekommen habe und diese zum Schutz der Personen die sie ihm netterweise überlassen haben nicht wieder herausgegeben habe. Diese Entwicklung sei sehr bedauerlich, so Zube, da Eintrittskarten sammeln genauso harmlos sei wie Briefmarken sammeln und es ihm niemals in den Sinn kommen würde irgendetwas Verbotenes mit den Tickets anzustellen. Da es im Moment nicht möglich ist sich Fußballspiele oder Trainingseinheiten anzusehen freut sich Zube über jeden Verein der ihm und anderen Fans wenigstens dieses eine Hobby gönnt. Die Akkreditierungen seien derzeit auch eher ein Ersatz für die normalen Eintrittskarten die es ja momentan nicht gäbe. Er erfreue sich lediglich am Sammeln, Tauschen und Sortieren der Tickets.

Und das macht er akribisch: In einer Excel-Tabelle sind Saison, Datum des Spiels, Wettbewerb und Spielpaarung eingetragen. Dann vermerkt Zube in einer jeweiligen Spalte, ob die Karte für einen Steh- oder Sitzplatz war oder ob die Platzwahl frei war. Zudem gibt es noch die Kategorien VIP, Presse oder Arbeitskarte. In einer weiteren Spalte schreibt er die Mängel an den Tickets auf und in der letzten steht die Nummer der Box, in der das Ticket verstaut wird. Die Liste ist lang, denn es gibt mittlerweile 70 Schuhkartons voll mit verschiedensten Eintrittskarten. Und sie wächst weiter.