10. Juni 2019 / 15:42 Uhr

742 Teilnehmer beim 36. Döhrener Abendlauf: Haftom Weldaj und Lena Sommer enteilen der Konkurrenz

742 Teilnehmer beim 36. Döhrener Abendlauf: Haftom Weldaj und Lena Sommer enteilen der Konkurrenz

Norbert Fettback
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Es wird ernst: Das Läuferfeld nimmt die zehn Kilometer in Angriff.
Es wird ernst: Das Läuferfeld nimmt die zehn Kilometer in Angriff. © Norbert Fettback
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Beim 36. Döhrener Abendlauf verpasste der dominante Haftom Weldaj nur knapp den Streckenrekord über zehn Kilometer. Über 25 Wertungspunkte im SPORTBUZZER-Ranking durfte er sich dennoch freuen. Bei den Frauen setzte sich über die gleiche Distanz ein Duo von Hannover 96 durch.

Er hatte es besonders eilig – wieder einmal. Was auch bedeutete: Selbst die, die sich gut auskennen ganz oben auf dem Siegerpodest, wussten, dass es mit einem Sieg über die zehn Kilometer diesmal nichts werden würde. Beim Hauptrennen des 36. Döhrener Abendlaufs war Platz eins für Haftom Weldaj reserviert. „Der war schon einen Meter nach dem Start zwei Meter weg“, bringt es Christian Schlamelcher (Dritter in 34:42 Minuten) später augenzwinkernd auf den Punkt. „Da kommt man einfach nicht hinterher“, sagt Andreas Solter (34:39) nach Weldajs Sieg in 31:35 Minuten. Das gewiss nicht schlechte Duo im Trikot von Hannover Athletics hatte keinen Grund zum Hadern, trotz des großen Rückstands. Mehr war eben nicht drin, denn Weldaj läuft in einer anderen Liga, er braucht weit und breit keine Konkurrenz zu fürchten. In Döhren hatte er bei seinem einsamen Lauf gegen die Uhr über drei Minuten Vorsprung.

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Bilder vom 36. Döhrener Abendlauf

Ruhe vor dem Start: Eine halbe Stunde vor dem 6,6-Kilometer-Lauf ist noch Zeit für Gespräche auf dem Parkplatz von Niedersachsen Döhren.  Zur Galerie
Ruhe vor dem Start: Eine halbe Stunde vor dem 6,6-Kilometer-Lauf ist noch Zeit für Gespräche auf dem Parkplatz von Niedersachsen Döhren.  ©

Haftom Weldaj verpasst Streckenrekord knapp

Was andere stolz machen würde, sorgt in Weldajs Fall für ein spezielles Problem. „Haftom hätte gern immer richtige Konkurrenz“, sagt sein Mentor Friedrich Weber. „Dann hätte er noch mehr Spaß am Laufen.“ Dazu aber fehlen dem 28-Jährigen, der aus Eritrea stammt, 2008 aus der Heimat floh und 2015 nach Deutschland kam, wo er erst vor knapp vier Jahren mit dem Laufen begann, oft adäquate Gegner. Solche, die beispielsweise zehn Kilometer in weniger als einer halben Stunde schaffen können. Und um sich bei einer deutschen Meisterschaft wie Anfang September in Berlin mit den Besten hierzulande messen zu können, dazu fehlt dem Langstreckler vom TSV Pattensen wiederum der deutsche Pass, ohne den ein Start dort – anders als bei großen Stadtläufen – nicht möglich ist.

Seine Siegerurkunde vom Abendlauf präsentierte Weldaj mit einem Lächeln. So kennt man ihn in der Szene: immer freundlich, beinahe ein wenig schüchtern wirkend. Ja, es habe ihm wieder gut gefallen in Döhren. Schon 2017 war er hier der Beste gewesen, damals in 33:01 Minuten. Jetzt war Weldaj rund eineinhalb Minuten schneller, wirklich zufrieden schien er anscheinend aber nicht. Den uralten Streckenrekord von Christian Husmann (31:19) aus dem Jahr 1998 hatte er bei warmer Witterung und teils böigem Wind knapp verfehlt. Ein kleiner Trost waren die 25 Punkte für das SPORTBUZZER-Ranking.

Mehr über den Laufpass

Bei den Frauen war es ähnlich wie bei den Männern: Mit Lena Sommer (40:04) und Lisa Huwatscheck (beide Hannover 96, 40:26) standen zwei Sportlerinnen, die für denselben Verein starten, nach den zehn Kilometern auf dem Treppchen. Platz drei ging an Janine Thürnau (TKJ Sarstedt, 43:08). Nicht viel anders das Bild, als die Schnellsten über die 6,6 Kilometer lange Runde durch die Masch aufgerufen wurden. Emmanuelle Gerbeaux (Erste in 25:11) und Julia Grommisch (Dritte in 27:21) liefen im Trikot von Hannover Athletics, Rang zwei holte sich Svenja Holenburg (VfL Eintracht, 27:17). Bei den Männer fiel der Sieg von Timo Kuhlmann (TuS Bothfeld, 21:20) vor Malte Lindenmeyer (SG Bredenbeck-Holtensen, 23:39) und Kilian Fröhlich (Hannover Athletics, 23:47) nicht minder deutlich aus wie der von Weldaj.

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66-jähriger Triathlet Raimund Schultz mischt sich unter die Läufer

Gut lief es auch für Raimund Schultz. Der 66-Jährige ist von Hause aus Triathlet – und „beim Schwimmen und Radfahren viel besser als beim Laufen“, wie er sagt. In Döhren testete er seine Form für den Ironman in Frankfurt am 30. Juni. Dann will er das schaffen, woran ihm jüngst auf Lanzarote gerade mal vier Minuten fehlten: die siebte Qualifikation für den Ironman auf Hawaii. Beim Abendlauf war er zu Fuß deutlich schneller unterwegs als avisiert: Statt knapp einer Stunde brauchte Schultz 53:57 Minuten. Das stimmt ihn zuversichtlich mit Blick auf den bevorstehenden Wettkampf am Main.

36. Döhrener Abendlauf: Der Start zum Lauf über 6,6 Kilometer.
36. Döhrener Abendlauf: Die Läufer beim Zehn-Kilometer-Lauf in Höhe des Dreiecksteichs.

Insgesamt 742 Teilnehmer in fünf Wettbewerben

Beim Abendlauf, einer der traditionsreichsten Laufveranstaltungen in der Region und fester Teil der „Laufpass“-Serie, verdienten sich nicht nur die Schnellsten Respekt. In Döhren kann man den Spaß förmlich spüren, mit dem viele Hobbysportler auf die Strecke gehen. Das macht sich Jahr für Jahr in den konstant hohen Starterzahlen bemerkbar. Diesmal waren es insgesamt 742 in fünf Wettbewerben, die ins Ziel kamen. In den Ergebnislisten findet sich beispielsweise auch der Name Schlamelcher zweimal. Wiebke Schlamelcher, Frau des Zehn-Kilometer-Dritten Christian und von ihm frisch mit dem Laufvirus infiziert, freute sich bei ihrer Abendlauf-Premiere über ihre Zeit von 33:02 Minuten über 6,6 Kilometer. Gleich in imposanter Mannschaftsstärke präsentierte sich in Laufklamotten das Team Am Uhrturm – das macht lokale Verbundenheit deutlich.

„Wir sind absolut zufrieden“, sagt Rudi Fank aus dem Organisationsteam von Niedersachsen Döhren. Wie immer spielte auch diesmal das Wetter wieder mit. „Wir müssen an jedem ersten Freitag im Juni stets einen guten Draht nach oben haben“, sagte Fank. „Und das jetzt schon seit 15 Jahren.“ Regen, Kälte – um Himmels wegen, nicht doch beim Abendlauf! Bei dem ist es stattdessen eher zu warm. Garantiert!

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