28. August 2021 / 19:48 Uhr

913 Zuschauer feiern 98:63-Sieg der BG Göttingen gegen Paderborn

913 Zuschauer feiern 98:63-Sieg der BG Göttingen gegen Paderborn

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Abklatschen vor Zuschauern: Die BG lässt gegen Paderborn nichts anbrennen.
Abklatschen vor Zuschauern: Die BG lässt gegen Paderborn nichts anbrennen. © Swen Pförtner
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Die Basketballer der BG Göttingen haben im ersten öffentlichen Testspiel in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 2021/22 gegen die klassentieferen Uni Baskets Paderborn mit Abstrichen überzeugt. 98:63 gewannen die Veilchen, die erstmals seit eineinhalb Jahren wieder vor Zuschauern spielen durften.

Die BG Göttingen hat das Testspiel gegen den ProA-Ligisten Uni Baskets Paderborn mit 98:63 gewonnen. Das wichtigste an diesem Sonnabend aber war die Rückkehr der Zuschauer – und der Stimmung in der S-Arena. Die Lautstärke in der Halle war – genau wie das Spiel der BG – noch ausbaufähig. Dennoch gab es nach Abpfiff minutenlang Standing Ovations.

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Der Einstand war genau der, den sich die 913 Fans in der Halle nach so langer Zeit so sehr gewünscht hatten: Seinen eigenen Steal vollendete James Dickey per Reverse-Dunk, kurz darauf legte er nach – 4:0. Doch dann ließen die Veilchen nach, Paderborn fand ins Spiel. Jake Toolsons Dreier sollte für einige Zeit der letzte Punkterfolg bleiben. Statt einer 7:3-Führung stand es plötzlich 7:9, zum Viertelende 16:16. Auffällig: Die ganz, ganz schwachen Abschlüsse der BG in Korbnähe.

16:0-Lauf stellt Verhältnisse klar

Ein Steal jagte den nächsten, die BG baute den Vorsprung mit einem 16:0-Lauf auf 56:30 aus – binnen dreieinhalb Minuten. Und das, obwohl die Wurfquote immer noch deutlich unter 40 Prozent lag. Dass die Gäste wieder ins Spiel kamen, hatte sich die BG dann selbst zuzuschreiben. So düpierte der einen Kopf kleinere Paderborner Peter Hemschemeier den 2,18-Meter-Riesen Philipp Hartwich gleich mehrfach, auch, weil die Hilfe in der Defense fehlte. Zu lasch war in dieser Phase die Verteidigung der Veilchen, zu ungenau die Pässe, zu wenig Druck auf die Gegenspieler. Doch wenn man den Hausherren an diesem Tag eins nicht absprechen konnte, war es Einsatz. Roberson & Co. gaben keinen Ball verloren, mehr als einmal hechteten die Spieler in Boris-Becker-Manier der orangenen Kugel hinterher. Mit einer standesgemäßen 28-Punkte-Führung ging die BG in den Schlussabschnitt (70:42).

BG Göttingen - Uni Baskets Paderborn, Testspiel 28.08.21

Saisoneröffnung für die BG Göttingen in der Sparkassen-Arena - und dann sind auch noch Fans zugelassen: Theoretisch dürften die Veilchen qua neuer Corona-Verordnung des Landes die Halle vollpacken, weil aber schon Sitzplätze im Schachbrettmuster verkauft worden waren, ist das nicht möglich. Tickets gibt es aber noch ab 13.30 Uhr an der Tageskasse in der S-Arena. Zur Galerie
Saisoneröffnung für die BG Göttingen in der Sparkassen-Arena - und dann sind auch noch Fans zugelassen: Theoretisch dürften die Veilchen qua neuer Corona-Verordnung des Landes die Halle vollpacken, weil aber schon Sitzplätze im Schachbrettmuster verkauft worden waren, ist das nicht möglich. Tickets gibt es aber noch ab 13.30 Uhr an der Tageskasse in der S-Arena. ©

Diese zeigten sich auch im zweiten Spielabschnitt, doch die BG sicherte sich die Offensivrebounds und fand immer besser den freien Mann. Allerdings agierten die Göttinger in der Defense ab und zu schlafmützig und ließen den Gästen zu große Freiräume, die Paderborn aber nur selten in Punkte ummünzte. Für Höhepunkte sorgten Jeff Roberson per Unterhand-Korbleger zum 22:16 und Stephen Brown, der zunächst per Dreier erhöhte, den nächsten Distanzwurf nach spektakulärer Vorlage von Roberson aber auf den Ring setzte.

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Offensiv läuft zunächst nichts zusammen

Bei beiden Teams lief in dieser Phase offensiv so gut wie gar nichts zusammen, bei den Veilchen kam noch Pech hinzu: Mehrfach tanzte der Ball auf dem Ring, um dann doch nicht durch die Reuse zu fallen. Als sich die Ballverluste bei der BG häuften, nahm Coach Roel Moors die Auszeit (16.). Per Dreier mit ablaufender Wurfuhr weckte Haris Hujic seine Teamkollegen und auch das Publikum aus dem Tiefschlaf – und weil es so schön war, legte Hujic gleich noch einen Dreier nach – 35:23. Halbzeitstand: 40:30.

In Viertel Nummer drei hatte sich James Dickey dann einiges vorgenommen: Er erzielte die ersten sieben Punkte für die BG und sammelte eifrig Rebounds unter beiden Körben. Da die BG nun auch in der Defense präsenter war, zog sie davon. Toolson per Dreier zwang Paderborn-Coach Steven Esterkamp zur Auszeit, doch die Veilchen waren nun komplett aufgewacht.

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Dort rüttelte Harper Kamp mit einem Dreier die Veilchen noch einmal auf, und auch Kamar Baldwin bewies seine Fähigkeiten aus der Distanz. In der Defense klafften nun bei beiden Teams riesige Lücken. Am Ende gewann die BG ohne große Probleme mit 98:63, hat aber noch viel Luft nach oben. Athletik, Spielwitz, Kampfgeist – das ist alles da. Und schnelle Hände hat das Team auch: 18 Steals stehen in der Statistik. Nur die Wurfvisiere müssen unbedingt noch feinjustiert werden. BG-Coach Roel Moors lobte, dass sein Team besonders in der zweiten Hälfte mit viel Energie und Willen in der Defense gespielt habe. Und: „Für die Spieler ist die Rückkehr der Zuschauer unglaublich“, sagte Moors. „Das hat ihnen gefehlt.“ – Punkte BG: Toolson (17), Roberson (13), Boakye (DNP), Vargas (8), Hujic (12), Hartwich (6), Mönninghoff (3), Kamp (8), Dickey (13), Brown (7), Giotis (2), Baldwin (9).

Kommentar: Der Spaß ist zurück

Die erste Gänsehaut ist schon vor dem Anpfiff da, als sich das Licht abdunkelt und die nicht ganz 1000 Zuschauer klatschen, pfeifen und jubeln. Nach 18-monatiger Pause, nein, vielmehr Abstinenz, dürfen die Göttinger wieder Live-Basketball sehen, hören, fühlen. Ein bisschen ist es wie das erste große Konzert mit 13, auf das man ohne Mama und Papa darf. Es ist, nach so langer Zeit, wieder ein echtes Erlebnis. Es ist wunderbar.

Das alles wird nur möglich durch ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, gepaart mit niedrigen Inzidenzwerten. In der Halle herrscht auch auf den Sitzplätzen Maskenpflicht, die Laufwege sind vorgegeben, der Zutritt nur für Geimpfte, Getestete und Genesene – diese Maßnahmen sind richtig und wichtig, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Und das Konzept geht auf: Trotz langer Schlange vor der S-Arena gibt es kein Gedränge, sondern nur glückliche Gesichter. Und der Einlass geht trotz Ausweis- und Impfpasskontrolle schneller als gedacht.

So schön es sich auch anfühlt, wieder mittendrin statt nur vor dem Fernseher dabei zu sein, ein gewisses Maß an Verunsicherung ist bei allen zu spüren, denn die Corona-Pandemie ist noch viel zu präsent, als dass man wieder richtig loslassen könnte. So ist der Lautstärkepegel weit von den Spielen vor der Pandemie entfernt, aber immerhin: Dunks werden bejubelt, es wird getrommelt – und als die Referees statt eines Steals ein Foul pfeifen, raunt ein lautes „Ohhhh“ durch die Halle. Folgerichtig werden die Mannschaften mit minutenlangen Standing Ovations verabschiedet. Es fühlt sich richtig an, wieder vor Zuschauern zu spielen. Der Spaß, dabei zu sein, ist zurück.

Von Tobias Christ

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