19. Januar 2018 / 08:38 Uhr

96-Manager Heldt über Salif Sané: "Er möchte nicht weg, wir wollen ihn nicht abgeben"

96-Manager Heldt über Salif Sané: "Er möchte nicht weg, wir wollen ihn nicht abgeben"

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Horst Heldt im Interview: Fußball muss emotional sein.
Horst Heldt im Interview: "Fußball muss emotional sein."
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Horst Heldt, Manager von Hannover 96, spricht im Interview über Salif Sané, seine Schalker Tränen - und das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein.

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Herr Heldt, an was denken Sie als erstes, wenn Sie an Schalke 04 denken?

„An blau-weiß natürlich (lacht). Im Ernst: An eine sehr ereignisreiche Zeit in meinem Leben. Das waren sehr intensive Jahre. Rückblickend eine schöne, tolle Zeit.

Mit welchem Gefühl kehren Sie am Sonntag zu dem Club zurück, für den Sie sechs Jahre gearbeitet haben?

Es wäre schön, wenn ich es rein rational betrachten könnte. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass das bei mir nicht funktioniert. Mal sehen, wie ich das Thema angehen werde. Aber ich bin unwichtig an diesem Tag. Deswegen wäre es auch völlig deplatziert, etwas nach außen zu tragen. Wie es bei mir im Inneren aussieht, weiß ich noch nicht. Ich bin selbst gespannt und freue mich auf die Rückkehr. Ich habe zu vielen Mitarbeitern noch Kontakt, sechs Jahre schweißen zusammen.

Bei Ihrem Abschied haben Sie damals Ihre Gefühle nach außen gekehrt und vor der Fankurve geweint.

Es ging nicht anders, das war nicht mehr aufzuhalten. Ich habe mir das irgendwann mal mit meinem Sohn angeschaut. Da habe ich mich erst mal erschrocken, und ich weiß nicht, ob peinlich der richtige Ausdruck ist, aber es war komisch, das zu sehen. Es war damals ein gleichzeitig trauriger aber auch schöner Moment. Das waren Freudentränen und Tränen der Wehmut. Es war eine lange Zeit bei einem aufgeregten Verein voller Adrenalin. Schalke ist sehr speziell, im Positiven wie im Negativen.

Würden Sie sich als emotionalen Menschen charakterisieren?

Ja. Das ist aber nicht immer hilfreich in meinem Job. Es ist gut, um Dinge aufzusagen. Eine Feier mit fast 50 000 Menschen vor dem Rathaus in Hannover, als wir den Aufstieg geschafft hatten, oder das entscheidende Spiel in Sandhausen. Wenn man das nicht aufsaugt, wäre das schade. Das sind so tolle Momente, und es ist schön, ein Teil davon zu sein. Fußball muss emotional sein.

96 feiert den Bundesliga-Aufstieg 2017 in Sandhausen

Die Roten feiern den Aufstieg in Sandhausen. Zur Galerie
Die Roten feiern den Aufstieg in Sandhausen. ©
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Was hat Schalke was Hannover 96 nicht hat?

Verbindlichkeiten (lacht). Zu meiner Zeit, als ich auf Schalke anfing, hatte der Club so viele Schulden, wie sie 96 niemals haben wird. Das Ziel war damals, das zurückzuführen, das ist uns zum großen Teil gelungen. In meiner Zeit haben wir die Finanzverbindlichkeiten um 100 Millionen Euro zurückgeführt. Am Ende steht jeder Verein für sich. Vergleiche sind da nicht richtig, man kann sich etwas von anderen Vereinen abschauen, ohne seine eigene Identität zu verlieren. Es sind beide Traditionsvereine, aber ist eine andere Region, ein anderer Standort, an dem Fußball jeweils gelebt und geliebt wird.

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zu Schalkes Club-Boss Clemens Tönnies? Bei Ihrem Abschied soll es Unstimmigkeiten gegeben haben, weil Ihr Nachfolger – Christian Heidel – schon länger feststand.

Wir haben regelmäßigen Kontakt, telefonieren oft. Ich habe Clemens Tönnies viel zu verdanken. Er ist wie Martin Kind ein verlässlicher Partner. Wenn wir uns, während meiner Zeit auf Schalke, immer nur angelächelt hätten, wären wir nicht so weit gekommen, wie wir gekommen sind. Wir haben uns immer sehr intensiv ausgetauscht. Natürlich war es nicht schön, als über meine Personalie diskutiert wurde. Vielleicht hätte man das auch anders lösen können. Herr Tönnies hat aber immer im Interesse des Vereins gehandelt. Wenn wir im Groll auseinander gegangen wären, hätten wir heute keinen Kontakt mehr zueinander.

Wann werden Sie Geschäftsführer bei Hannover 96?

Wir werden uns nochmal besprechen, haben einen Zeitplan definiert. Am Ende muss Martin Kind das auch mit dem Aufsichtsrat besprechen, der dem zustimmen muss.

Horst Heldt: Seine Karriere in Bildern

Der 1. FC Köln verpflichtete den jungen Horst Heldt 1987 für die Jugendabteilung. Bei den „Geißböcken“ schaffte es Heldt bis zu den Profis, absolvierte 130 Spiele für die Kölner und verpasste 1991 nur knapp den DFB-Pokalsieg. Zur Galerie
Der 1. FC Köln verpflichtete den jungen Horst Heldt 1987 für die Jugendabteilung. Bei den „Geißböcken“ schaffte es Heldt bis zu den Profis, absolvierte 130 Spiele für die Kölner und verpasste 1991 nur knapp den DFB-Pokalsieg. ©

Martin Kind hat weitere Neuzugänge in diesem Winter ausgeschlossen. Bleibt Josip Elez also der einzige 96-Transfer?

In diesen Phasen einer Transferperiode kann man nichts vollkommen ausschließen. Sie ist rum, wenn der 31. Januar vorbei ist. Es sind noch zwei Spiele bis Ende Januar, wer weiß, was bis dahin passiert. Bewegung kann es immer geben. In die eine oder andere Richtung. Wenn wir ein Angebot über 50 Millionen Euro für Salif Sané bekommen würden - was wir nicht haben -, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Am Ende ist entscheidend, dass man auf alles vorbereitet ist, für jede Position in der Mannschaft.

Dem Vernehmen nach haben zuletzt englische Clubs Interesse an Sané gezeigt.

Es gehören immer drei Dinge dazu: Der Spieler müsste den Verein verlassen wollen, das will er nicht. Es müsste eine offizielle Anfrage eines Vereins geben, die gibt es nicht. Und das Dritte ist die Frage, ob wir den Spieler überhaupt abgeben wollen. Wenn der Spieler weggehen wollen würde und wir ihn auf den Markt werfen würden, hätten wir sicherlich ziemlich schnell ein Angebot. Fakt ist, und nur daran können wir uns orientieren: Der Spieler möchte nicht weg, wir wollen ihn nicht abgeben und es gibt auch kein offizielles Angebot.

Pierre-Emerick Aubameyang provoziert in Dortmund gerade seinen Abgang. Wie froh sind Sie, dass Sané kein Aubameyang ist?

Das ist schwierig für mich zu beurteilen, weil ich auch nur Dinge lese, höre und es von außen betrachten kann. Es ist nicht in Ordnung, wenn man nur seine Leistung der letzten Wochen betrachtet, das wird ihm nicht gerecht. Er hat in vielen Jahren sehr gute Leistungen mit vielen Toren abgeliefert. Es können aber am Ende nur die Verantwortlichen von Borussia Dortmund entscheiden, was richtig und was falsch ist.

Wie erleben Sie Salif Sané in der Mannschaft?

Ich erlebe ihn als sehr konzentrierten, zielorientierten Profi. Auf der anderen Seite bewahrt er – und das ist wichtig für ihn, aber auch für uns – seine Lockerheit und seine Mentalität. Ich habe neulich einen neuen Tanz kennengelernt von ihm. Salif hat mit seiner Musik im Ohr in der Kabine rhythmische Bewegungen gemacht, die ich auch in jungen Jahren nicht so hinbekommen hätte (lacht). Diese Lockerheit braucht er. Salif ist ein sehr angenehmer Mensch, mit dem man gerne zusammenarbeitet. Er weiß, was Mannschaftssport beinhaltet.

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