14. Januar 2020 / 19:45 Uhr

96-Meinung: Die Mentalitäts-Diskussion darf nicht weggeredet werden

96-Meinung: Die Mentalitäts-Diskussion darf nicht weggeredet werden

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Kenan Kocak übte Kritik am 96-Nachwuchs, zu dem auch US-Boy Sebastian Soto (re.) gehört.
Trainer Kenan Kocak übte Kritik am 96-Nachwuchs, zu dem auch US-Boy Sebastian Soto (re.) gehört. © Florian Petrow
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Kenan Kocak stellte den 96-Nachwuchs unter den Generalverdacht: keine Mentalität. Dabei wecken die hohen Kosten der Akademie Erwartungen. Aufgrund auslaufender Verträge sieht SPORTBUZZER-Redakteur Andreas Willeke Chancen, über eine Neuausrichtung zu verhandeln.

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Marco Reus hat es sich leicht gemacht. „Ihr mit eurer Mentalitätsscheiße“, bellte der Dortmunder Kapitän ins Sky-Mikrofon – und fügte noch hinzu, dass ihm das so dermaßen auf die Dingsbums geht. Der gestandene Nationalspieler wollte halt nach einem verschenkten Sieg in Frankfurt eine Debatte wegdrücken, die jetzt auch die 96-Talente erreicht hat. Trainer Kenan Kocak stellte die Möchtegernprofis aus der Akademie unter den Generalverdacht: keine Mentalität!

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Weydandt lebt Mentalität vor

Kocak weitete damit aber nur sein Oberthema auf die Nachwuchsspieler aus. Auch bei seinen Profis vermisst der Trainer ja den unbedingten Siegeswillen – Kocak arbeitet daran, der Mannschaft das Sieger-Gen zu implantieren.

Es gibt aber auch schon ein positives Gegenbeispiel bei 96: Das Kämpfer-Gen ist Teil der DNA von einem, der zwar aus der Region kommt, aber nicht aus dem 96-Talentschuppen. Hendrik Weydandt lebt die Mentalität vor, die den meisten Jungstars abgeht. Weydandt hat nicht die technischen Möglichkeiten eines Sebastian Soto, macht aber trotzdem mehr daraus.

Diese Eigengewächse konnten sich bei Hannover 96 nicht durchsetzen - und das machen sie heute

<b>Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96):</b> Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. Zur Galerie
Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96): Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. ©

Hohe Kosten sorgen für Erwartungen

Jetzt lässt sich darüber streiten, ob es Weydandts Glück war, nicht die 96-Schule durchlaufen zu haben. Es kann aber nicht schaden, Kocaks Kritik als Anstoß zu nehmen, um über die Arbeit der Akademie nachzudenken. Die hohen Kosten von 7 Millionen Euro pro Saison rechtfertigen die Erwartung, dass ein bis zwei Talente pro Jahr den Durchbruch schaffen.

Die Verträge von Akademie-Chef Michael Tarnat sowie der U23- und U19-Trainer laufen im Sommer aus. Das bietet die Chance, vor Verlängerungen oder Neueinstellungen über die Neuausrichtung zu verhandeln. Nicht wie Reus die Mentalitätsdiskussion wegreden, sondern darüber reden – das wäre der richtige Weg.