14. Januar 2021 / 07:48 Uhr

Hannover 96 mit Ladehemmungen: "Es wird Zeit, dass die anderen auch treffen"

Hannover 96 mit Ladehemmungen: "Es wird Zeit, dass die anderen auch treffen"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Treffsicher: Marvin Ducksch hat gerade einen Lauf, erzielte bisher acht Saisontore für die Roten. 
Treffsicher: Marvin Ducksch hat gerade einen Lauf, erzielte bisher acht Saisontore für die Roten.  © Florian Petrow
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Hannover 96 ist nicht treffsicher genug, das zeigte sich auch wieder im Training am Mittwoch. Im Moment knipst nur Stürmer Marvin Ducksch zuverlässig. Hendrik Weydandt ist einer Krise und aus Mittelfeld und Abwehr kommt zu wenig. Trainer Kenan Kocak fordert von allen mehr Torgefahr. 

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Guter Anschauungsunterricht am Mittwoch zum Hauptproblem der Mannschaft – die Feuerkraft fehlt. Kenan Kocak ließ Angriffe nach bestimmten Mustern üben, ohne Gegenspieler, nur Lauf- und Passwege – und mit Torabschluss. Bei diesem letzten Punkt der Kette hakte es gewaltig.

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Frei angespielt oder angeflankt, landete der Ball viel zu selten im Tor. „Wichtig ist, dass wir sie im Spiel verwerten“, sagt der darauf angesprochene Kocak, „wir haben da ja Chancen en masse.“

Weydandt in der Tor-Krise

Am treffsichersten war noch Marvin Ducksch, wie in der Liga. Sichtlich im Tief vor allem der zweite Angreifer, der Tore garantieren sollte. In Darmstadt war Hendrik Weydandt eine stürmergewordene Verunsicherung. Die Bälle sprangen ihm beim Erstkontakt meterweit vom Fuß. Die erste Chance, die er nach der Einwechslung hatte, vergibt nur einer, der nicht mehr weiß, wie er es anstellen soll. Aus sieben Metern lausig am Tor vorbeigeschoben, danach sackte er in sich zusammen. Ratlos.

Drei Tore hat er in der Liga nur erzielt, darunter aber immerhin zwei wichtige – im Derby gegen Braunschweig und zum Sieg beim HSV.

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Der 25-Jährige erfüllt derzeit nicht die Erwartungen des Klubs. Nach langem Poker mit Erstligaangeboten verlängerte Weydandt im Sommer bei 96 und erhielt einen sehr gut dotierten Vertrag, den er jetzt so sicher nicht mehr bekäme. Dabei reizte der Profi aus der Region auch den Hannover-Bonus aus, wie 96-Chef Martin Kind zugibt. Für die Mannschaft wäre wichtig, wenn Weydandt seine Qualität ausreizen würde.

Kocak versuchte ihn gestern nach dem Training aufzubauen. „Henne ist sehr fleißig und macht Extraschichten“, sagte der Trainer. „Ich bin sicher, dass der Knoten bei ihm bald platzt.“

Nur Ducksch trifft zuverlässig

Solange Weydandts Ladehemmung anhält, hat Kocak das Problem, sich auf Ducksch (acht Treffer) verlassen zu müssen. Aus dem Rest der Mannschaft kommt zu wenig Torgefahr. „Es wird Zeit, dass die anderen auch treffen“, fordert Kocak. Kingsley Schindler etwa, rechts offensiv unterwegs, traf keinmal. Valmir Sulejmani, sein Gegenüber auf der linken Seite, erst einmal. Ob der Doppelpack von Patrick Twumasi die Ausnahme bleibt, muss sich zeigen.

Aus dem Mittelfeld kommt viel zu wenig Torgefahr. Genki Haraguchi und Dominik Kaiser trafen einmal, Jaka Bijol noch gar nicht. Und von den Abwehrspielern erzielte nur Linksverteidiger Niklas Hult ein Tor. Die Innenverteidiger Timo Hübers und Marcel Franke sollten bei Ecken und Freistößen zuschnappen – haben sie aber noch nicht. Franke war beim 0:0 in Regensburg mit seinem Lattenkracher kurz davor.

Kocak stichelt gegen Kind und Zuber

„Du brauchst Leute, die Tore machen“, weiß Ex-Torjäger Dieter Schatzschneider. Das ist auch der Grund dafür, dass Kocak weiter um die Verpflichtung eines Stürmers kämpft. „Die Frage ist ob, wer und wie“ kommt, sagte der 40-Jährige. „Nach der Sommertransferperiode bin ich für alles gewappnet.“ Er stichelte damit erneut gegen Sportchef Gerhard Zuber und Kind, die die Gespräche führen und das Finanzielle regeln.

Im Sommer, das hatte Kocak jüngst erklärt, hätte man aus den „Spielern, die wir nicht bekommen haben, wahrscheinlich zwei Mannschaften machen“ können. Kocak hofft weiter auf den Darmstädter Stürmer Serdar Dursun und fürs Mittelfeld auf Mehmet Ekici. Ergebnisse sind vorerst aber nicht zu erwarten.