16. April 2020 / 19:28 Uhr

96-Triathlet Christian Haupt trainiert für den Tag X – und gegen die Ungewissheit

96-Triathlet Christian Haupt trainiert für den Tag X – und gegen die Ungewissheit

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Christian Haupt beim Training.
Christian Haupt beim Training. © Eberstein (Archiv)
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Christian Haupt spult weiter Trainingseinheiten ab. Als Ausdauerathlet muss er das auch. Doch wann er wieder einen Wettkampf bestreiten kann, steht derzeit in den Sternen.

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Wer rastet, der rostet. Das gilt insbesondere für Ausdauerathleten wie Christian Haupt von Hannover 96. Der Profi-Triathlet war auch an den Osterfeiertagen unterwegs. „120 Kilometer mit dem Rad in Richtung Marienburg, zurück ging es dann über Sehnde und Lehrte“, erzählte der 39-Jährige.

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Vier Stunden saß er im Sattel, sein Trainer Jan Raphael, zweimal EM-Zweiter auf der Ironmandistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,2 Kilometer Laufen) begleitete ihn.

Fit halten für die eigene Gesundheit

Doch die Covid-19-Pandemie mehrt die Zweifel an solch einer Anstrengung. „Alle Triathlon-Wettkämpfe bis zum 30. Juni sind abgesagt, ich trainiere zurzeit, ohne zu wissen, wann und wo ich das nächste Rennen bestreite“, sagte Haupt. „Für mich ist das schwierig, weil ich im Training konkrete Ziele brauche, um mich zu motivieren.“ Außer Frage steht, dass der Triathlet sich allein aus Gründen der eigenen Gesundheit fit halten muss – ein Hochleistungssportler darf seinen Körper nicht von hundert auf null herunterfahren.

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Und Haupt muss für den Tag X nach all den Pandemie-Beschränkungen gerüstet sein. „Vielleicht kann ich im Sommer noch einmal ein Trainingslager beziehen und dann ein paar Rennen im Herbst bestreiten. Aber Länder wie Spanien oder Italien, die sich anbieten, sind besonders schwer von der Pandemie getroffen.“ Eine Wettkampfmöglichkeit soll es in Kasachstan geben, da droht Haupt aber bei der Einreise eine zweiwöchige Quarantäne – das gleiche Prozedere stände ihm bei der Rückkehr nach Deutschland bevor.

Haupt: "Hoffentlich geht jetzt das Gefühl im Wasser nicht verloren"

In puncto Training geht es Haupt noch besser als Kollegen. „Ich darf die Natur zum Radfahren und Laufen nutzen“, sagte er. Schwierig ist es mit dem Schwimmen – „meine Problemdisziplin, das habe ich erst spät gelernt“, ergänzte er. Ersatz bieten soll ein Trockentraining mit Armzügen zur Simulation der Kraulbewegung. „Hoffentlich geht jetzt das Gefühl im Wasser nicht verloren“, sagte Haupt.

Ironman auf Hawaii kaum zu realisieren

Kaum zu realisieren in diesem Jahr ist das Traumziel jedes Langdistanz-Triathleten – der Ironman auf Hawaii am 10. Oktober. „Es gibt kaum Wettkampfangebote zur Qualifikation“, sagte Haupt. Und mit einem reinen Profirennen, wie es Vorjahressieger Patrick Lange ins Gespräch gebracht hat, kann sich der Hannoveraner nicht anfreunden. „Der Mythos Hawaii lebt auch von den vielen Amateuren, die sich lange auf diese Herausforderung vorbereitet haben und der sengenden Hitze trotzen konnten“, sagte Haupt.

Er selbst war vor dem Übertritt ins Profilager 2018 zweimal Altersklassen-Weltmeister in Kailua Kona und erreichte mit Applaus und Schulterklopfern das Ziel. Und auch jetzt lockt Haupt das Hawaii-Erlebnis, weniger die Prämien. Er ist trotz seines hohen Trainingsaufwandes weiterhin vollzeitbeschäftigt im niedersächsischen Sozialministerium. „Ein Kollege wurde in den Pandemie-Krisenstab abgeordnet, deshalb habe ich zunächst von einer Stundenreduzierung abgesehen“, sagte der Sportler.

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Eine kleine Hoffnung hegt Haupt aber noch – dass der Maschsee-Triathlon, ein weiteres Lieblingsrennen, am 18. Juli gestartet werden kann. „Ich habe nicht nur gute Erinnerungen, weil ich dort in den beiden vergangenen Jahren gewonnen habe“, sagte er.

„Es macht einfach Spaß, im vertrauten Revier unterwegs zu sein. Und am Kurs stehen die Familie und Freunde zum Anfeuern.“ Gäbe es dieses Erlebnis in einem Vierteljahr, hätte sich das Abstrampeln an Ostern gelohnt.