01. Februar 2021 / 08:46 Uhr

96-Winterstarre: Kocak lehnt Zubers Vorschläge ab – muss Kind ihr Verhältnis kitten?

96-Winterstarre: Kocak lehnt Zubers Vorschläge ab – muss Kind ihr Verhältnis kitten?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kein Neuer für 96: Vor dem Osnabrück-Spiel am Montag schließt das Transferfenster. Kind will das Verhältnis zwischen den beiden kitten.
Kein Neuer für 96: Vor dem Osnabrück-Spiel am Montag schließt das Transferfenster. Kind will das Verhältnis zwischen den beiden kitten. © imago images/Zink / Florian Petrow
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Viele Namen waren drin, aber die Klappe ist zu – 96 holt keinen neuen Spieler aus der Transferkiste. „Wir machen nichts mehr“, winkt Sportchef Gerhard Zuber das Rennen um Verstärkungen vorzeitig ab. Das Transferfenster schließt zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff in Osnabrück.

Am Samstagabend hatte Kenan Kocak bereits bei Martin Kind angerufen und dem 96-Chef erklärt,­dass die Einigungsversuche gescheitert sind – Trainer und Sportchef wollen keinen Spieler mehr verpflichten. Kocak macht in diesem Gespräch aber auch klar, dass er es sich anders gewünscht hätte – und garniert das mit einer mehr oder minder offenen Schuldzuweisung an Zuber. „Die Spieler, die bei mir auf den Tisch gekommen sind, waren nicht so, dass ich der Meinung bin, dass sie uns sofort und in der gegenwärtigen Situation weiterbringen – deshalb haben wir Abstand genommen.“

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Kocak lehnt alle Transfer-Vorschläge ab

Es ist nun mal Zubers Job, Kandidaten zu finden und dem Trainer vorzulegen. Die Spieler, die Zuber ihm aufgetischt hat, genügen Kocaks Ansprüchen jedoch nicht. Der Trainer lehnte alle Spieler ab, die Zuber vortrug.

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Zuletzt wollte der Sportchef einen jungen ausländischen Spieler holen. „Es wäre einer mit Perspektive gewesen, der sich entwickeln kann“, sagt Kind. Kocak legte auch da sein Veto ein.

Problem auf der zentralen sportlichen Führungseben

Der Aufruf von Kind, die beiden sportlichen Chefs sollten sich zusammenraufen, verhallt erstmal folgenlos. 96 hat damit auf der zentralen sportlichen Führungsebene ein massives Problem. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Kocak und Zuber werden es auch in künftigen Transferzeiten schwer machen, die Mannschaft sinnvoll zu verstärken.

Kind: „Wir reden gerade sehr intensiv miteinander“

Kind gibt zu, die Beziehung zwischen Trainer und Sportchef „ist schwierig, aber ich kriege das hin. Wir reden gerade sehr intensiv miteinander.“

96 hat zu wenig Spieler, die Tore erzielen

Aktuell gelingt es aber nicht, das größte Problem der Mannschaft mit Fremdmitteln zu beheben. „Wir erspielen uns Chancen en masse“, sagt Kocak, „belohnen uns aber nicht. Wir sind nicht effektiv.“ 96 hat zu wenig Spieler, die Tore erzielen. Da nachzubessern, war der Plan. In seiner vom 96-Chef gelobten sehr kritischen Analyse zum Jahresende hat Kocak sogar um drei Spieler gebeten. Ein defensiver (Sechser) und ein offensiver (Achter) Mittelfeldspieler sowie ein Stürmer (Neuner), dann wäre der Aufstieg machbar, meinte Kocak.


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Saison 99/00 - Darlington Omodiagbe (LSK Lodz -> Hannover 96, Ablöse: 500.000 Euro) ©

96-Saisonziel abgehakt

Der Transferstopp lässt sich auch als Aufgabe des Saisonzieles deuten. 96 hat den Aufstieg offenbar abgehakt. Was einem kleinen Klub wie Heidenheim mit der Ausleihe von Ex-Spieler Tim Kleindienst aus Belgien gelang, bleibt für 96 unerreichbar. Kleindienst erzielte gestern beim ersten Einsatz gleich zwei Tore. Die Frage stellt sich: Haben sie bei 96 ausreichende Marktkenntnisse? Ein anderes Beispiel ist der Ex-Schalker Guido Burgstaller, der jetzt für St. Pauli spielt und nie auf einer 96-Liste auftauchte.

Kocak enttäuscht

Kocaks Enttäuschung lässt sich auch an seiner Transfergesamtbilanz von Sommer und Winter erkennen. „Bei den Spielern, die wir holen wollten, ging’s nicht. Und von den Spielern, die auf dem Markt sind, waren wir nicht überzeugt.“ Darmstadts Serdar Dursun wollte Kocak unbedingt – alle anderen nicht.

Als weiteren Grund für den Transferstopp führt der Coach die finanzielle Lage an. „Es ist klar, dass wir coronabedingt eine besondere Situation haben. Als Trainer hat man immer Wünsche. Aber ich denke auch ans große Ganze und bin dafür, dass man gesund wirtschaftet.“

Dennoch wäre eine Leihe oder ein Kauf möglich gewesen, sagt Kind. Aber dazu bräuchte es einen Sportchef und einen Trainer, die sich einigen können.

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