30. März 2021 / 16:32 Uhr

Abbruch der Fußballsaison 2020/21 in Brandenburg: Das sind die Reaktionen aus Oberhavel

Abbruch der Fußballsaison 2020/21 in Brandenburg: Das sind die Reaktionen aus Oberhavel

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
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Während Rodger Bruse (r.) und der SV Zehdenick eine neue Chance in der Fußball-Brandenburgliga bekommen, darf der MSV Neuruppin (l., Robin Hink) noch auf den Sprung in die Oberliga hoffen. © Dirk Becker
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Im brandenburgischen Fußball geht nichts mehr. Am Montagabend wurde die Saison 2020/21 von der Brandenburgliga bis zur 2. Kreisklasse abgebrochen. Einige Vereine profitieren davon - auch aus Oberhavel.

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Am Montagabend des 11. Mai 2020 kam Ronny Erdmann erst spät in den Schlaf. „Bis 2 Uhr war ich sicherlich wach“, sagte der Manager des SV Zehdenick damals. „Ich war fix und fertig, als wenn ich 120 Minuten Fußball gespielt habe.“ Wenige Stunden vorher hatte der Fußball-Landesverband Brandenburg die Saison 2019/20 coronabedingt abgebrochen. Der damalige Landesligist stieg nach der Quotientenregel (Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele) in die Brandenburgliga auf. Ganz so lang ging es am vergangenen Montag nicht im Hause Erdmann in Zehdenick. Dabei profitierten vom erneuten Abbruch der Spielzeit 2020/21 wiederum die Havelstädter, die als Tabellenletzter den Klassenerhalt in der höchsten Landesspielklasse schafften. „Letztendlich war es abzusehen und ich war von der Entscheidung nicht wirklich überrascht“, so Erdmann. „Ich war auch nicht ganz so happy wie im Vorjahr. Wir machen jetzt einen Haken an die Saison.“

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Dabei blicken die Zehdenicker nun fokussiert in Richtung der zweiten, dann hoffentlich kompletten Saison in der Brandenburgliga, die im August planmäßig starten soll. Bis dahin gilt es für die sportliche Leitung, die Vorbereitung zu organisieren, Testspiele vorzubereiten und den Kader aufzustellen. „Wir wollen beweisen, dass wir in die Brandenburgliga gehören“, so der SVZ-Manager, der die bis dato sieben ausgetragenen Partien in der höchsten Spielklasse im Land als „eine Art Vorbereitung“ sieht: "Wir konnten so schon etwas Brandenburgligaluft schnuppern“. Damit ist Oberhavel in der Brandenburgliga auch in der Spielzeit 2021/22 wieder mit vier Teams vertreten – das Feld komplettieren der Oranienburger FC Eintracht, TuS 1896 Sachsenhausen und der SV Altlüdersdorf.

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In der Landesliga Nord hätte es als Tabellenvorletzten den SC Oberhavel Velten erwischen können. „Am Ende gab es gar keine andere Alternative als den Abbruch. Wir hätten die Hinrunde nie zu Ende bekommen“, so SCO-Trainer Oliver Schirrmacher. „Sportlich ist es schon die richtige Entscheidung bei dem derzeitigen Chaos.“ Dennoch ist sich Schirrmacher knapp viereinhalb Monate vor dem Saisonstart 2021/22 unsicher, wie die nächste Serie ablaufen kann und wird. „Das wird sicher die Zeit bringen. Noch bin ich aber skeptisch“, sagt der Veltener Coach. Dieser weiß zumindest, dass es kommende Spielzeit wieder zu den OHV-Derbys gegen den FC 98 Hennigsdorf, den Birkenwerder BC und Fortuna Glienicke kommt. Die Glienicker, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf Rang zwei lagen, wollen dagegen in der nächsten Serie wieder angreifen. Für Neu-Landesligist Birkenwerder war dagegen die Premierensaison in der 7. Liga nach nur acht Partien wieder vorbei. Daher brennen die Mannen von BBC-Trainer Florian Glitza schon auf die nächste Spielzeit.

Gleich mit fünf Mannschaften ist der Landkreis Oberhavel in der Landesklasse Nord vertreten. „Der Abbruch war eine logische Konsequenz. Am Ende geht die Gesundheit aller vor. Wer sich jetzt über irgendwelche ausgesetzten Auf- und Abstiege aufregt, hat den Sinn vom Sport nicht verstanden“, findet Jonny Ratajczak, Trainer von Forst Borgsdorf, der mit seinem Team auf einem Abstiegsrang stand, nun aber weiter für die Landesklasse planen kann. „Es müssen jetzt viele Sachen bedacht werden. Ich hoffe, die Spieler machen es sich jetzt nicht bequem und haben auch noch weiterhin Bock auf Fußball.“

Kreisoberliga: SG Storkow und FC Kremmen weiter dabei

Auf eine weitere Spielzeit in der höchsten Kreisspielklasse blicken auch der FC Kremmen und die SG Storkow, die beide im Abstiegskampf der Kreisoberliga steckten und somit den Abstieg in die Kreisliga vermieden. „Natürlich freuen wir uns, auch wenn wir uns als Sportler auch eine sportliche Lösung gewünscht hätten“, so Kremmen-Trainer Oliver Dölling.

Damit dürften aller Voraussicht nach auch in der nächsten Spielzeit wieder 14 Mannschaften in der selbst titulierten „Premiumliga“ des Verbandes dabei sein. Denn einen Aufsteiger soll es von der Kreisoberliga in die Landesklasse nicht geben, wie der Fußballkreis-Vorsitzende Michael Reichert erklärt.

Schönow-Coach Robel: "Müssen das erstmal wirken lassen"

So schaut wohl auch Tabellenführer Rot-Weiß Schönow, der mit neun Siegen aus neun Partien an der Spitze steht, in die Röhre. „Wir sind nicht aus allen Wolken gefallen, müssen das aber erstmal wirken lassen“, bemerkt der Schönower Coach Tobias Robel. „Wir werden jetzt mit dem Vorstand besprechen, wie wir reagieren. Es geht ja nicht nur um die erste Mannschaft, sondern um den Gesamtverein. Wir machen jetzt keine Schnellschüsse.“ Zumindest aber haben erst einmal die Beteiligten Gewissheit, dass die Meisterschaftsrunde 2020/21 jetzt gelaufen ist.