26. Mai 2020 / 12:03 Uhr

Abbruch, kein Aufstieg: Ziehls bitterer Abschied beim VfL Wolfsburg II

Abbruch, kein Aufstieg: Ziehls bitterer Abschied beim VfL Wolfsburg II

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sein letztes Spiel: Coach Rüdiger Ziehl und der VfL Wolfsburg II gaben gegen den VfB Lübeck die Tabellenführung ab, dann folgten Corona-Pause und Saisonabbruch.
Sein letztes Spiel: Coach Rüdiger Ziehl und der VfL Wolfsburg II gaben gegen den VfB Lübeck die Tabellenführung ab, dann folgten Corona-Pause und Saisonabbruch. © Roland Hermstein/Boris Baschin
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Die Regionalliga-Saison wird abgebrochen, es gibt keine Aufstiegs-Relegation. Nun steht fest: Coach Rüdiger Ziehl hatte sein letztes Spiel mit dem VfL Wolfsburg II bereits. Und das war ausgerechnet die Niederlage gegen den großen Rivalen VfB Lübeck. Ein bitterer Abschied.

Der Saison-Abbruch in der Fußball-Regionalliga und der Nicht-Aufstieg des VfL Wolfsburg II sind praktisch beschlossen: Ein bitteres Ende für Trainer Rüdiger Ziehl. Fast elf Jahre war er beim VfL, davon dreieinhalb Cheftrainer der zweiten Mannschaft - doch für ihn ist nun definitiv im Sommer Schluss. Erneut hat der Coach mit der U23 der Wolfsburger den Aufstieg in die 3. Liga denkbar knapp nicht geschafft hat. Sein letztes Spiel an der Seitenlinie war ausgerechnet die 1:2-Pleite gegen Konkurrent Lübeck, die im Nachhinein den Titel gekostet hat.

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"Klar, habe ich mir das anders vorgestellt", sagt der scheidende VfL-Coach. "Aber ich hätte mir auch vor einiger Zeit nicht vorstellen können, dass man nun mit Maske einkaufen gehen muss." Er bleibt gewohnt diplomatisch: "Ich kann es nicht ändern, das ist eben mein persönliches Schicksal. So etwas erleben andere auch, die sind in einer ähnlichen Situation." Doch so unglücklich sein VfL-Abschied auch sein mag, viel wichtiger ist ihm, "dass es meiner Familie gut geht".

Optimismus nach Lübeck-Pleite

Einen besonders bitteren Nachgeschmack bekommt durch den Corona-bedingten Saison-Abbruch (Ziehl: "Die absolut richtige Entscheidung") nun die Pleite gegen Lübeck. "Das wissen wir jetzt zwei Monate später. Aber das ändert auch nichts mehr dran." Nach der Niederlage habe der Coach aber noch fest an den Aufstieg geglaubt, war sich sicher, dass der VfL die zwei Zähler Rückstand noch aufholt. "Ich war nach dem Spiel sehr optimistisch, wir hätten das leichtere Restprogramm gehabt."

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Saison-Ende hin oder her: Noch läuft Ziehls Vertrag gut einen Monat - wie genau der ablaufen wird? Unklar. "Wir sind mit der Mannschaft im Austausch, ob und wie wir in der nächsten Zeit noch trainieren." Außerdem könnte es passieren, dass der ein oder andere U23-Spieler bei den Profis gebraucht wird - es können also nicht alle in den Urlaub geschickt werden. Ziehl: "Auch da sind wir im Austausch."

Fußballlehrer-Prüfung steht kurz bevor

Klar ist allerdings: Ziehl steht kurz vor dem Abschluss seiner Fußballlehrer-Ausbildung, in den nächsten zwei Wochen muss er für einige Tage nach Hennef - mündliche und schriftliche Prüfungen stehen dann auf dem Plan ebenso wie eine Lehrprobe, also quasi ein Test-Training. Aber auch das "ist an die Corona-Bedingungen angepasst", so der scheidende VfL-Coach. "Es wird beispielsweise keine Zweikampf-Situationen geben. Vorsicht ist das oberste Gebot. Wir sitzen auch für die Klausuren in dem größten Hörsaal, damit wir den Abstand einhalten können." Doch eine Prüfung mit Maske abzulegen ist immer noch besser als die Prüfung, die ohnehin schon um zwei Monate verschoben wurde, ausfallen zu lassen. Ziehl: "Wir sind alle froh, dass wir den Kurs überhaupt machen können."

Wohin es Ziehl ab Juli zieht, steht noch nicht fest. Corona ist dabei natürlich keine Hilfe. "Es gibt Gespräche, aber noch nichts Neues zu vermelden", so der Coach, der mit einem Engagement im Profi-Fußball liebäugelt. "Es wäre wichtig, dass der Ball in der 3. Liga wieder rollt. Dort gibt es eine ungewisse Situation. Vielleicht kehrt dann wieder ein Stück weit Normalität ein."