19. Dezember 2021 / 16:17 Uhr

Nach Abbruch: Schiedsrichter Winter beschreibt rassistische Vorfälle bei Drittliga-Spiel Duisburg gegen Osnabrück

Nach Abbruch: Schiedsrichter Winter beschreibt rassistische Vorfälle bei Drittliga-Spiel Duisburg gegen Osnabrück

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schiedsrichter Nicolas Winter (r.) brach nach einem rassistischen Vorfall um Aaron Opoku (3.v.r.) die Partie in Duisburg ab.
Schiedsrichter Nicolas Winter (r.) brach nach einem rassistischen Vorfall um Aaron Opoku (3.v.r.) die Partie in Duisburg ab. © IMAGO/Team 2 (Montage)
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Schiedsrichter Nicolas Winter beschreibt die rassistischen Vorfälle während der Drittliga-Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück. Beide Klubs reagieren entsetzt auf die Szenen, die zum Spielabbruch führten. 

Nach dem Abbruch der Drittliga-Partie am Sonntagnachmittag zwischen MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück hat Schiedsrichter Nicolas Winter weitere Details zu den rassistischen Vorfällen erklärt. "Es gab einen Eckstoß für den VfL Osnabrück, und als der ausführende Spieler zum Eckstoß laufen wollte, wurden Affenlaute von der Tribüne gerufen. Das hat er sofort wahrgenommen und auch der Assistent. Beide haben mir den Vorgang geschildert", sagte der Referee bei Magenta TV. Derartige Vorgänge seien etwas, "wo wir sehr sensibel sind und auch direkt reagieren." Winter weiter über den betroffenen Spieler: "Ich habe versucht, mich direkt um ihn zu kümmern und habe gesehen, wie schockiert er war." Winter kündigte einen Sonderbericht an: "Erst einmal sind wir alle geschockt, weil das ist einfach in eh schon schwierigen Zeiten ganz traumatisch."

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Winter hatte das Spiel beim Stand von 0:0 nach rund 35 Minuten zunächst unterbrochen, nachdem VfL-Profi Aaron Opoku von den Zuschauerrängen beleidigt worden war. Wenig später wurde dann der Abbruch der Begegnung des 20. Spieltags verkündet - ein Novum in den höchsten drei deutschen Spielklassen. "Der VfL Osnabrück - und das ist mehr als nachvollziehbar - kann nicht mehr antreten, der Junge ist fix und alle, die ganze Mannschaft ist fertig, wir sind es ehrlicherweise auch nach diesem unfassbaren Vorfall", sagte MSV-Sprecher Martin Haltermann bei Magenta TV. "Im Moment sind wir alle ziemlich sprachlos."

Die Anfeindungen galten womöglich auch dem Duisburger Abwehrspieler Leroy Kwadwo, der Opoku zur Hilfe eilte. "Hier sind zwei Spieler rassistisch beleidigt worden. Aaron ist tatsächlich sehr, sehr fertig und nicht mehr in der Lage zu spielen. Das war mit ein Grund, dass wir gesagt haben, dann treten wir nicht mehr an. Egal, was das sportrechtlich für uns möglicherweise für Konsequenzen hat, um zu dokumentieren, dass wir das als Verein nicht akzeptieren", sagte VfL-Geschäftsführer Michael Welling. Laut MSV-Sprecher Haltermann konnte der beschuldigte Fan mit Hilfe weiterer Zuschauer schnell identifiziert werden.

Rassismus-Vorfall: Täter offenbar identifiziert

Der MSV reagierte entsetzt auf die Vorfälle. "Das ist grundsätzlich immer eine Minderheit. Diese Minderheit zerstört aber möglicherweise den Fußball. Jeder Fan sollte dahinterstehen, dass sich so etwas nicht gehört", sagte Duisburg-Präsident Ingo Wald. Während der Spielunterbrechung skandierten einige VfL- und MSV-Fans "Nazis raus". Zudem ließ die Stadionregie den Antifaschismus-Song "Schrei nach Liebe" von der Band Die Ärzte spielen. "Wir müssen auch dankbar sein, für viele Fans des MSV, die so reagiert haben, wie sie reagiert haben. Der MSV hat durch seine Fans den Täter oder die Täterin identifiziert", lobte Welling. Wie die Partie gewertet wird, bleibt vorerst offen. "Wir sind uns mit Duisburger Kollegen einig, dass es uns am liebsten wäre, es gibt ein Wiederholungsspiel", kommentierte Welling.