10. September 2018 / 15:16 Uhr

Abbruch nach Gelb-Rot! SC-Langenhagen-Trainer Wedi beklagt Rassismus

Abbruch nach Gelb-Rot! SC-Langenhagen-Trainer Wedi beklagt Rassismus

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Rethmars Elvis Nikolli (links) und der Langenhagener Kadir Ulug haben den Ball fest im Blick.
Rethmars Elvis Nikolli (links) und der Langenhagener Kadir Ulug haben den Ball fest im Blick. © Debbie Jayne Kinsey
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Verwarnungen ohne Grund? Ungerechtfertigter Platzverweis? Provokationen und Diskussionen? Nach dem Spiel der 1. Kreisklasse 1 zwischen dem MTV Rethmar und dem SC Langenhagen bleiben viele Fragezeichen. Fakt ist: Das Spiel wurde abgebrochen.

Erneut hat ein Spiel der 1. Kreisklasse 1 mit Beteiligung des SC Langenhagen kein gutes Ende genommen. Zum wiederholten Mal fühlte sich seine Mannschaft in der Partie beim MTV Rethmar „abgestempelt“, wie Trainer Walid Wedi sagte, und durch einige Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt. Nach Gelb-Rot für Samir Kasumovic in der 50. Minute verließen die SCL-Spieler beim Stand von 1:0 für den MTV geschlossen den Platz. Die Begegnung wurde abgebrochen.

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​"Der Schiedsrichter hat ohne erkennbaren Grund Verwarnungen ausgesprochen."

Den Umstand, dass beim Eintreffen in Rethmar für sein Team keine Umkleidekabine frei gewesen sei, habe man noch sportlich gesehen, so Wedi. „Wir haben uns dann draußen umgezogen“, sagte er. Und mit den Rethmarern habe es im Spiel „kaum Probleme“ gegeben. „Der Schiedsrichter hat aber ohne erkennbaren Grund Verwarnungen gegen uns ausgesprochen“, sagte Wedi. „Auch den Platzverweis konnte er nicht erklären. Samir soll gestikuliert haben.“

Bilder vom Spiel der 1. Kreisklasse 1 zwischen dem MTV Rethmar und dem SC Langenhagen

Der Rethmarer Marcel Ferner (links) geht im Kopfballduell mit dem Langenhagener Nusret Demir zu Boden. Zur Galerie
Der Rethmarer Marcel Ferner (links) geht im Kopfballduell mit dem Langenhagener Nusret Demir zu Boden. ©

Vor der Pause hatte der SCL, in dessen Aufgebot mit zwei Ausnahmen Spieler ausländischer Herkunft am Ball sind, in einer Szene einen Foulelfmeter für sich gefordert, der nicht gegeben wurde. Das habe in einer bis dahin ruhig verlaufenden Begegnung die Stimmung auf dem Feld angeheizt. „In der Halbzeit haben wir uns bei dem Langenhagener Spieler, der angeblich gefoult worden war, erkundigt, wie es ihm geht“, sagte MTV-Trainer Gero Witajewski. „Seine Antwort war, es sei alles okay und kein Foul gewesen.“

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​"Dann vergeht mir der Spaß."

Dem Schiedsrichter attestierte Witajewski zudem eine gute Leistung. „Er hat beide Mannschaften ordentlich behandelt und den Langenhagenern auch noch zweimal die Chance gegeben, das Spiel zu Ende zu bringen“, sagte Witajewski. „Aber wenn ich höre, was für ein Blödsinn da teilweise von außen aufs Feld gerufen wird, dann vergeht mir der Spaß. Da wurde irgendwann nur noch diskutiert.“

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Wedi kritisiert derweil die Feindseligkeit, die seiner Mannschaft an Wochenenden immer wieder entgegenschlage. „Auch wenn wir versuchen, von unserem schlechten Image loszukommen, habe ich den Eindruck, dass bei unseren Spielen oft festgeschrieben ist, wie sie enden“, sagte er. „Wir möchten uns bessern, wollen aber, dass man auch mit uns vernünftig umgeht.“ Er lebe seit 30 Jahren in Deutschland, sagte Wedi, aber was er auf dem Sportplatz erlebe, sei mittlerweile untragbar. „Das ist schon eine Form von Rassismus.“

​"Mit denen muss man Tacheles reden."

Den Vorwurf seitens des SCL, sich in Rethmar Bedrohungen ausgesetzt gesehen zu haben, weist Witajewski entschieden zurück. „Es gab keine Provokationen“, sagte der MTV-Trainer. Beim SCL seien es „nur Einzelne“ gewesen, die sich nicht zu benehmen wüssten. „Man soll die Mannschaft nicht aussperren“, sagte der 59-Jährige. „Aber manche Menschen müssen wissen, dass sie sich an Regel zu halten haben. Mit denen muss man Tacheles reden.“