13. November 2020 / 11:47 Uhr

Job gesucht, STK gekriegt: Abdul Samed Oumarons unbewusste Initiativbewerbung

Job gesucht, STK gekriegt: Abdul Samed Oumarons unbewusste Initiativbewerbung

Mark Bode
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Abdul Samed Oumaron (rechts, im Kopfballduell mit Krähenwinkels Marcel Kunstmann) wirft sich nicht nur für den STK Eilvese ins Zeug.
Abdul Samed Oumaron (rechts, im Kopfballduell mit Krähenwinkels Marcel Kunstmann) wirft sich nicht nur für den STK Eilvese ins Zeug. © André Tautenhahn
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Weil er eine Arbeitsstelle gesucht hat, verteidigt Abdul Samed Oumaron jetzt für den STK Eilvese. Der Flüchtling aus Togo hatte sich nämlich beim Hauptsponsor des Landesligisten beworben, die Mitarbeiter vermittelten ein Probetraining. "Er ist in kurzer Zeit zum Leistungsträger geworden", freut sich Trainer Thassilo Jürgens.

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Das ist purer Zufall gewesen: Abdul Samed Oumaron hatte in seinem Bewerbungsschreiben als Hobby Fußball angegeben und seine Unterlagen beim Hauptsponsor des STK Eilvese abgegeben. Die Mitarbeiter des Hoch- und Tiefbauunternehmens aus Neustadt wurden hellhörig und vermittelten dem ­29-Jährigen ein Probetraining. Dort überzeugte er Trainer Thassilo Jürgens und wurde verpflichtet. In den bisherigen sieben Begegnungen in der Landesliga Nord trug Oumaron erheblich dazu bei, dass die Eilveser auf Platz eins stehen.

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Doch zufrieden ist Oumaron nicht. „Ich kann noch besser spielen“, sagt der Togolese. Besonders an das 1:3 gegen den TSV Godshorn denkt er ungern zurück. „Das war von mir gar nicht gut“, erinnert er sich. Er habe den Foulelfmeter zum 0:1 verursacht. „Es war ein Duell Schulter an Schulter. Der Gegner fiel, der Schiri pfiff. Blöd gelaufen.“

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Oumaron hat eine Erklärung dafür, warum er nicht immer seine Bestleistung abrufen kann. „Ich bin mit den Gedanken teilweise woanders“, gibt er offen zu. Aber wer mag es ihm verübeln? Nachdem er in seinem Heimatland an politischen De­mons­tra­tio­nen gegen die Machthaber teilgenommen hatte, fürchtete er seine Verhaftung. Schließlich flüchtete er.

Das Ziel war ihm egal – nur Europa sollte es sein. Es wurde im Oktober 2017 Deutschland. Ein kleiner Rucksack war sein einziges Gepäck. Seit der Flucht hat er keinerlei Kontakt zu seiner Mutter. „Ich weiß nicht, wo sie ist. Es könnte sein, dass sie jetzt in Ghana lebt“, sagt Oumaron, dessen Lächeln für kurze Zeit verschwindet.

"Es ist alles gut. Der Trainer ist auch gut."

Er fühle sich in Deutschland dennoch wohl, lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Hannover und fährt mit der S-Bahn zum Training. Das Fußballspielen beim STK macht ihm Spaß. „Es ist alles gut. Der Trainer ist auch gut“, sagt Oumaron, der fleißig Deutsch lernt und kürzlich seinen B1-Sprachtest absolviert hat. „Ich weiß aber noch nicht, ob ich bestanden habe“, sagt er.

Oumaron, der das Fußballspielen in seiner Heimat auf der Straße lernte („Da gibt es kaum organisierte Vereine.“), fühlt sich nach eigener Aussage im defensiven Mittelfeld am wohlsten. „Aber ich spiele da, wo der Coach mich aufstellt“, sagt er. Das ist beim STK in der Innenverteidigung. Integrationsprobleme habe es nicht gegeben. „Fußball ist eins. Es ist egal, ob ich es in Afrika oder in Europa spiele“, sagt er. Trainer Jürgens lobt: „Abdul bringt sich super ein. Er ist in der Defensive in kurzer Zeit zum Leistungsträger geworden.“

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Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. ©

In Afrika war Oumaron Kapitän des FC Olympic in Niamey, der Hauptstadt von Niger. In Eilvese trägt er zwar nicht die Binde, doch mit Leistungen vorangehen und überzeugen will er dennoch. Besonders die Auftaktpartie gegen den Heeßeler SV (3:1), der 1:0-Sieg beim OSV Hannover sowie das starke 5:1 über den TSV Stelingen hätten ihm gefallen.

Doch die Konstanz sei bislang noch das große Manko. So stellten das 1:1 gegen den TuS Sulingen sowie die Niederlagen gegen Godshorn und beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide Rückschläge dar. Deshalb will Oumaron noch nicht zu viele Gedanken an einen möglichen Oberliga-Aufstieg verschwenden. Allerdings gesteht er: „Lust hätte ich schon, eine Liga höher zu spielen.“

Oumaron zieht Vergleich zu den Bayern

Doch bis es so weit ist, müssten Verstärkungen her. Er zieht einen Vergleich zu Bayern München: „Wenn da ein paar Spieler ausfallen, fällt es nicht auf, weil die Nachrücker sie gleichwertig ersetzen. Da müssen wir auch hinkommen.“

Aus der Festanstellung beim STK-Hauptsponsor ist übrigens nichts geworden. Allerdings lag es nicht daran, dass Oumaron nicht geeignet gewesen wäre. Vielmehr ist sein Status als Flüchtling weiterhin nicht geklärt. „Deshalb darf ich noch immer nicht arbeiten, obwohl ich es gerne machen würde“, sagt er.