21. April 2021 / 07:34 Uhr

Abenteuer 3. Liga? Viktoria Berlin fehlt zum Aufstieg weiter die geeignete Spielstätte

Abenteuer 3. Liga? Viktoria Berlin fehlt zum Aufstieg weiter die geeignete Spielstätte

Matthias Koch
Märkische Allgemeine Zeitung
Der Aufstiegsparty folgt hoffentlich die Sommervorbereitung für die 3. Liga. 
Der Aufstiegsparty folgt hoffentlich die Sommervorbereitung für die 3. Liga.  © Sebastian Räppold / Matthias Koch
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Der FC Viktoria 1889 Berlin hat sich bisher „nur“ sportlich für die 3. Liga qualifiziert. Die Viktorianer können bisher keine drittligataugliche Spielstätte bieten. In der „Sportstadt“ wird das allerdings nicht einfach.

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Berlin. Am Sonnabend knallten beim Berliner Regionalligisten FC Viktoria 89 die Sektkorken. Im Stadion Lichterfelde wurden Trainer Benedetto Muzzicato und Sportdirektor Rocco Teichmann von ihren Kickern auf dem Rasen mit dem prickelnden Nass erst gejagt und dann überschüttet. Zuvor gab es noch ein Mannschaftsfoto, auf dem alle Beteiligten mit großem Stolz weiße Trikots mit der Aufschrift „Aufstieg in Liga 3“ trugen.

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Erstmals für 3. Liga qualifiziert

Für die Medien hatten sich die Viktorianer noch einmal versammelt, um ein Bierchen zu trinken. Tags zuvor war der Tabellenführer vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) erwartungsgemäß zum Meister der nach 13 Spieltagen wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Regionalliga Nordost erklärt worden. „Ich bin normalerweise für Feierlichkeiten bekannt, emotional war das eher weniger“, gab Teichmann zu. Schließlich fand das letzte Punktspiel von Viktoria am 23. Oktober 2020 statt. Vor 650 Besuchern konnte Babelsberg 03 unter Flutlicht in Lichterfelde mit 3:0 bezwungen werden.

Sportlich hat sich der Verein damit erstmals für die eingleisige 3. Liga qualifiziert. Viktoria profitiert auch davon, dass der NOFV-Meister in dieser Spielzeit direkt hochgehen kann. In der Vorsaison musste Lok Leipzig noch in die Relegation, in der die Elf gegen den SC Verl nach Hin- und Rückspiel aufgrund der Auswärtstorregel dramatisch knapp scheiterte (2:2, 1:1).

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Spielstätte muss bis Ende Mai stehen

Viktoria will Anfang Juni mit der Sommervorbereitung für die 3. Liga beginnen. Teichmann berichtete von 20 Spielern, die dafür unter Vertrag stehen. Für Stammspieler gebe es bislang keine Anfragen von anderen Vereinen. Auch überregional bekannte Akteure wie Kapitän Christoph Menz sowie die beiden Mittelfeldspieler Bernd Nehring und Björn Jopek wollen das Abenteuer angehen. „Für mich ist das ein ganz besonderes Erlebnis, es mit diesem tollen Verein geschafft zu haben und nach Hertha BSC und dem 1. FC Union als dritter Berliner Verein im Profifußball vertreten zu sein“, sagte Menz.

Trotz Freude: Die Zeit läuft den Viktorianern davon.
Trotz Freude: Die Zeit läuft den Viktorianern davon. © Sebastian Räppold / Matthias Koch

Die Meisterschaft verdiente sich Viktoria mit elf Siegen in elf Spielen. Allerdings hat sich Viktoria bislang „nur“ sportlich für die dritthöchste Spielklasse qualifiziert. Die Lizenz des Vereins, dessen Vorfahren 1908 und 1911 Deutscher Meister wurden und 2013 mit dem Lichterfelder FC (LFC) Berlin fusionierten, hängt am seidenen Faden. Viktoria kann bisher keine drittligataugliche Spielstätte bieten. Die Zeit läuft den Machern davon. „Mitte Juni wird die Lizenz erteilt. Wir warten aktuell auf die Bedingungen, die bis Mitte Mai erfüllt werden müssen – zumindest infrastrukturell. Dann müssen wir die finale Spielstätte bis Ende Mai einreichen“, sagte Teichmann.

In Cottbus angeklopft

In der „Sportstadt“ Berlin wird das nicht einfach. Die Arena müsste mindestens 10.000 Besucher fassen. Damit fällt das ohnehin marode Stadion Lichterfelde weg. Eine Absage erhielt Viktoria auch für das Stadion An der Alten Försterei in Köpenick. Erstligist 1. FC Union Berlin verweist auf den Eigenbedarf. Die Betriebserlaubnis des Jahn-Sportparks in der östlichen Stadtmitte ist zudem abgelaufen. In Betracht zieht Viktoria noch das Olympiastadion und das Mommsenstadion in Charlottenburg. Letzteres ist aber auch schon in die Jahre gekommen.

Sportdirektor Rocco Teichmann (r.) ist unter Druck: Die Spielstätte muss bis Ende Mai stehen.
Sportdirektor Rocco Teichmann (r.) ist unter Druck: Die Spielstätte muss bis Ende Mai stehen. © Sebastian Räppold / Matthias Koch

In seiner Verzweiflung hörte sich Viktoria ebenso bei Energie Cottbus und Babelsberg 03 um. Cottbus lehnte für das Stadion der Freundschaft ab. Im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion geht es auch nicht, weil dort neben Babelsberg 03 und Turbine Potsdam aktuell auch noch die American Footballer der Potsdam Royals beheimatet sind. „Für uns hat es Priorität, in Berlin Fußball zu spielen. Die Zeit rennt weg“, erklärte Teichmann.

FC braucht langfristige Lösung

Im Olympiastadion würde die Stadionmiete pro Spiel im hohen fünfstelligen Bereich liegen. Zur Not würde Viktoria diese Kröte schlucken. „Für uns steht über allem die Zulassung. Wenn es bedeutet, dass das Olympiastadion die einzige Option wäre, muss die Geschäftsführung das genehmigen. Aktuell sehe ich in Berlin keine andere Möglichkeit“, meinte Teichmann.

Das Viktoria-Team ist bereit für den Aufstieg.
Das Viktoria-Team ist bereit für den Aufstieg. © Sebastian Räppold / Matthias Koch

Viktoria sieht auch den Berliner Senat in der Verantwortung. Teichmann weiß jedoch, dass sein Verein eine langfristige Lösung braucht. Sollte Viktoria scheitern, dürfen sich die VSG Altglienicke (Platz 2), der FC Carl Zeiss Jena (4), Lok Leipzig (6), Cottbus (8) und Hertha II (14) Hoffnungen machen. Diese fünf Vereine haben ebenfalls eine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Da Altglienicke dasselbe Stadionproblem wie Viktoria hat, könnte Jena am Ende Nutznießer sein.